Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 31 (22.4.1901)
- Date
- 1901-04-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449176--53168-2503807- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
710 ihren Augen. Sie schien ordentlich verjüngt zu sein. Und doch war er vor Kurzem so roh gewesen, ihr seine Sorgen zu entdecken, und von ihr Hilfe zu fordern! Wodurch hatte er so viel Freundlichkeit verdient? Es kam aber noch bester! Mit bei ihr ungewohnter milder Stimme sagte sie:: „Du konntest wirklich den Laden schließen, Eli, es kommt bei dem Wetter ohnehin Niemand mehr. Ich wärme indessen das Nachtmahl auf, und dann werde ich Dir etwas Schorles, etwas ganz Schönes erzählen." „Was denn, liebe Rösk?" „Gedulde Dieb, bis die Kinder schlafen." Rösl brachte die Kinder bald nach eingenommenem Nachtmahle zu Bette, sprach mit ihnen das Nachtgebet und konnte es nicht verhindern, daß sich ihr der Maloch hagoel. der Engel, der sie vom Unglück erlöste, in der Gestalt der alternden, reizlosen Lehrerin darstellte. Als die.Kinder eingeschlafen waren, begab sie sich in's Wohnzimmer zu ihrem ungeduldig ihrer harrenden Gatten. „Wann haben wir Hoschaano rabo?" begann sie. „Das weißt Du nicht, Du Amrazite?" neckte der Gatte, „übermorgen, Du mußt ja da gute Fliedel backen auf Simchas tora." Uebermorgen ist erst Hoschaano rabo? Nein, heute ist uns göttliche Hilfe erstanden, heute ist unsere Hoschaano rabo gewesen." Den Auftritt zu beschreiben, der nach der stattgefundenen Aufklärung folgte, wer vermöchte dies? Wenn Diejenigen, welche zu eigenem Vergnügen oder zu gewagten Unternehmungen viel Geld verwenden, Zeugen der Vorgänge gewesen wären, welche in der schlichten Hanowerkerwohnung stattgefunden, wenn diejenigen vom Glücke Begünstigten, welche sich niemals um das Wohl und Wehe des dürftigen Handwerkers, des nothleidenden Gewerbsmannes gekümmert hatten, wenn diese gesehen hätten, wie der sonst so ruhige Mann wie närrisch im Zimmer umhersprang, das Sparkassenbuch in den Händen schwingend und seine Rösl immer wieder an sein Herz schließend, wie er in fast unartiiulirte Jubeltöne ausbrach, die zeitweilig von hervorbrechenden Thränen erstickt wurden, wahrlich, allen diesen indifferenten Menschen wäre der Gedanke gekommen, daß es kein beseligenderes Gefühl, als Wohlthun gibt, und in ihrem engherzigen Gemüthe das Verlangen aufgeftiegen, Auftritte, wie die eben erlebten, nach Möglichkeit hervorzurufen. Hatte die ausgiebige Hilfe der edlen Lehrerin auf Fischer solch' einen beglückenden Einfluß ausgeübt, so waren es wiederum ihre strengen, aber wohlgemeinten Worte und Ermahnungen, welche die starre Eiskruste non dem Herzen Frau Rösl's gelöst hatten, und das liebende Weib, welches sie im Grunde trotz ihrer scheinbaren Kälte immer gewesen, zum Durchbruch brachten. Der nahende Hoschaano rabo sollte zwei frohe, gänzlich erlöste Menschen begrüßen, erlöst von drückenden Nahrungs-, ja Existenssorgen, erlöst von der drückenden, jedes bessere Gefühl erstickenden Voreingenommenheit, und die beiden guten und sich bisher fremd gegenüberstehenden Menschenkinder lebten förmlich verjüngt wieder auf unter dem erstandenen Bewußtsein, daß sie liebten, und wieder geliebt werden. Vnd diejenige, die dieses alles bewerkstelligte, saß zu Hause in ihrer nicht inehr einsamen Wohnung, ein bleiches, schwarzgekleidetes Mädchen auf dem Schoße und träumte von dem auch ihr, der schmälich Verlassenen, erstandenen Mutterglücke. (Fortsetzung folgt.) Wochen-Galenüer. Freitag, 26. April, 7 Jjar, Sabbat-Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 7 Uhr 15 Min. Samstag, 27. April. 8. Jjar. piD 3"nao ,D’Knp nriN. Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt a. M. 8 Uhr 25 Min. - Berlin 8 Uhr 12 Min. — München 8 Uhr 03 Min. — Hannover 8 Uhr 25 Min. — Stuttgart 8 Uhr 21 Min. — Prag 8 Uhr 00 Min. — Straßburg 8 Uhr 20 Min. — Posen 8 Uhr — Min. Montag, 29. April, 10. Jjar, ’jtf rvjyn. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zwei mal, Montag» Rnd Donnerstags, jebcftsul i» mindeste«- zwei Bogen. P eis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlicy, halbjährlich od r vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Orr Duchhandrl verkehrt durch V Zf. Stein acker, Leipzig, Bohplatz sv. — Inserate 25 Pfennig die vierßespalteue Petitzeile »der deren Raum. Preis der Zeile im Reelametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ansland 1s Mark, an di« Expedition franco eiusenden. Postzeitungsliste 3702. Telephon »15. Eine Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuskripte findet nicht statt, wum bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalte«. Stellenfnchende erhalten auf Wunsch die Juseraten-Beilage vier Wochen lang gratis and franc» rngesandt» Ebenso stunde« wir auf Wunsch die Zahlung des JnsertionSbetragS an anher Stelle Befindliche dis nach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt): Leitender Artikel: Ein Wort an den den deutschen Lehrer. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Köln. Schrimm. Gailingen. Oejterr. Ungar. Monarchie: Wien. Schweiz: Zürich. Frankreich: Paris. Rußland: Petersburg. Rumänien: Bukarest. — Feuilleton: Eine gebildete Frau. (Fortsetzung.) Inhalt der Beilage: Literarisches. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt. Paderborn. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Preßburg. Rußland: Petersburg. Wilna. Palästina: Jerusalem. — Vermischtes. Verantwortltche Redaction Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Zoh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Gefellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.