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Der Israelit · 1901-04-22 · Heft 31 (22.4.1901) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 31 (22.4.1901)
Date
1901-04-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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709 „Mit Fleiß und Sparsamkeit." „Mit Fleiß und Sparsamkeit arbeitet Ihr schon viele Jahre, und habt es trotzdem nicht weit gebracht. Drum höre meinen Vorschlag. Um der gegenwärtigen Eoncurrenz entgegenzutreten, müßte Euer Geschäft auf einer anderen Basis bestehen, als auf der bisherigen. Es muß noch ein einsckllagender Erwerszweig dazu kommen, der desten Ertragsrähigkeit steigert, der es ermöglicht, narb und nach Euer Waarenlager, Euren Umsatz, Euren Credit zu vergrößern, ein Erwerszweig, welcher Dir selber Anfällen muß, der Deiner Fähigkeit, Deiner Individualität entspricht. Denn Meister Elias muß unbedingt bei seinem Handwerk bleiben. Nichts soll an seiner Nnbe rütteln, sein ihm liebgewordenes Gewerbe muß er weiter betreiben, soll er glücklich sein. Drum höre auf mein Projekt, dessen Ausführung nicht nur Euren Lebensweg ebnen würde, sondern auch meinen Lieblingswunsch in Erfüllung brächte, mit welchem ich mich seit jener Zeit getragen, seit mir unerwartet ein Theil jener Erbschaft zugefallen, die mir von Kindheit an bestimmt war, und die ich schon als für mich ganz verloren betrachtet hatte. Seit damals verfolgt mich der Gedanke, wie ich das mir unvermuthet zugekallene Erbe derart anwenden könne, daß es in weiteren Kreisen nutzbringend wirke. Nun entschloß ich mich, am hiesigen Platze eine Volksbibliothek zu gründen, denn auch ich babe bisher den Mangel eines solchen wohlthätigen Instituts mit empfunden. Die Bevölkerung dieser Gegend isi ein aufgeweckter Menschenschlag und überaus bildungsfähig, wenn ihr nämlich Gelegenheit geboten wird, sich aus eine beaueme, wohlfeile Weise gute Bücher zum Lesen zu verschaffen. Jetzt nähert sich diese Idee ihrer Realistrung, und verbinde ich dabei einen mehrfachen Zweck. In erster Reihe fördernd auf die geistige Bildung und Entwickelung der hiesigen Bevölkerung zu wirken, zweitens Dir einen lohnenden Nebenerwerb zu verschaffen, und endlich Meister Fischer auf Wochen hinaus woblthätige Beschäftigung zu verschaffen, nachdem leider durch Krieg und Seuche sein Gewerbe lahm gelegt wurde. Ich habe von einer preiswürdig zu veräußernden Leihbibliothek vernommen. Gleich nach Schluß Eures Laubhüttenfestes, deffen Feier ich durch diese Reise nicht stören will, fahren wir Beide nach der Landeshauptstadt zur Besichtigung und hoffentlich Erwerbung derselben. Die fehlenden Geschichtswerke und Klassiker werden wir bei dieser Gelegenheit ebenfalls antiquarisch erstehen, denn mir liegt daran, daß dieses 'Unternehmen nur aus gediegenen, lehrreichen Werken bestehe, und die sog. Colvortageromane jetzt wie in Zukunft ausgeschlossen bleiben. Das nothwendige Kapital gebe ick natürlich her; den Betrieb zu leiten bist Du von mir ausersehen, und die höchstwahrscheinlich in unansehnlichem, wenn nicht gar defektem Zustande sich befmdsichen'Werke unserer Geistesheroen in eine saubere, feste Uniform zu kleiden, wird die Aufgabe unseres fleißigen, geschickten Buchbinders sein. Für eine mäßige Leihgebühr, welche wir später nach reiflicher Berechnung sestsetzen werden, wird diese also errichtete Leihbibliothek Jedermann zugänglich sein, und deren Ertrag bleibt dann Dir zur Verfügung als Entlohnung für den mit der Verwaltung verbundenen Zeitaufwand. Fiir weitere Anschaffungen werde ich dann von Zeit zu Zeit selber sorgen, und wenn unser Liesel dann älter wird, mag sie Dir an die Hand gehen, denn Du hast an dem Kinde mindestens eben solch' begründete Ansprüche, als ich selber." Die Lehrerin hatte einfach und ruhig gesprochen, und so sachlich, als handelte es sich um ein geschäftliches Unternehmen, von dem sie für sich bedeutende materielle Vortheile erwarte, anstatt daß sie mit erheblichen Geldopsern ein wohlthätiges Institut in's Leben rufen wolle. Fünftel Kapitel. Rösl saß, begierig lauschend, der Lehrerin gegenüber. Sie getraute sich nicht, daran zu glauben, daß nicht nur die drückende Geldsorge von ihrem und ihres Mannes Haupte genommen werde, sondern daß sie auch für die Zukunft eine so ergiebige Einnahmequelle zu erwarten habe, und noch dazu, indem sie sich fortab mit lauter Büchern zu befassen haben werde. Ihr heller Geist hatte sofort die ganze Tragweite dieser Idee erfaßt, sie erklärte sich daher auch mit dem Plane einverstanden, und versprach der Lehrerin, alle ihre Kräfte diesem Unternehmen widmen zu wollen, sowie ihre Kenntnisse und Belesenheit dazu zu verwenden, um den Abonnenten mit ihrem Rathe bei der Wahl ihrer Lektüre beiznstehen. Es war spät gewordenen. Rösl mußte an den Aufbruch denken. Unter Thränen verabschiedete sie sich von ihrem kleinen Schützlinge, übernahm im Fortgeben von ihrer Freundin ein Sparkastenbuch, aus rund fünfhundert Gulden lautend, und begab sich frohen Muthes auf den Heimweg. Es war recht kühl geworden und mit Behagen empfand Rösl die mäßige Wärme, welche der von Meister Elias inzwischen geheizte große Kachelofen ausstrahlte. Bei ihrem Eintreten rief Fischer erfreut aus: „Gottlob, daß Du da bist, ich war schon recht besorgt Deines langen Ausbleibens wegen. Eben wollte ich den Laden schließen und Dich bei der Gundel abholen. Weißt D'.i, Kind, ich kann die Lehrerin sehr gut leiden, und spreche gerne mit ihr. Im Gespräche mit ihr vergeste ich so ganz, daß ich eigentlich solch' ungebildeter Mensch bin." „Das bist Du ja gar nicht. Du Närrchen, das kommt Dir ja nur so vor. und Du eitler Mann, das sagst Du nur deßhalb zu mir, danrit ich Dir widersprechen soll!" Ganz verblüfft blickte Meister Fischer sein Weib an. So hatte sie ja niemals mit ihm gesprochen, und welche Freundlichkeit und welche Freude strahlte aus

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