Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 31 (22.4.1901)
- Date
- 1901-04-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449176--53166-2503805- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
706 Dhnjfltni! hat die Revolutoin durch seine unheilvollen Schriften herausbeschworen; Necker war Schweizer und Protestant; der Bluthund Marat war Protestant und ebenso der Nerfasser der Erklärung der Menschenrechte." „Die Straßen und die Plätze," rief Renauld zum Schluß aus, „sind da, damit man auf sie herabsteigen kann." „Es lebe die Empörung! Es lebe Gott! Es lebe die Bartholomäusnacht!" hallte es zurück. „Blast zum Angriff! Nieder mit den Protestanten! Nieder mit den Inden! Es lebe das katholische Frankreich!" Mit diesen Nufen und unter Absingen der im gleichen Geiste gehaltenen „Catholique" des Montmartresängers Botrel entfernten sich die Versammelten, ohne allerdings vorläufig ihre Drohungen zur Ausführung zu bringen. Das rheinische Hauptorgan des Centrums, die „Köln. Zeitung," schreibt hierzu in ehrlicher Empörung über diese „Hirnverbranntheit": „Dieienigen aber, die mit Ueberlegung, systematisch, diesen confefsionellen Haß schüren, können nicht genug gebrandmarkt werden. Eine Revolution machen sie ja nicht im Lande, es wäre lächerlich, wollten sie im ErnLe daran denken; aber für die Revolution, die sie unter dem Vorgeben des Katholicismus in manchem armen Kopf anrichten, trifft sie die schwerste Verantwortung. Gemildert, aber durchaus nicht aufgehoben, wird allerdings diese Verantwortung durch die begreifliche Erbitterung, welche die Hetze von der Gegenseite nothwendigerweisc erregen muß. Aber an dieser Hetze sind französische „Katholiken" in Masse betheiligt. Stellen wir fest.' Es ist keine katholische Bewegung, diese Protesiantenhetze, mag sie auch unter der Flagge des heiligen Herzens segeln; es ist eine Mache von Leuten, die dem Katholicismus empfindlich schaden. Sie mögen sich nennen, wie sie wollen, nur nicht katholisch." Die „Köln. Volkszeitung" hebt ferner die persönlichen und fachlichen Zusammenhänge zwischen der Juden- und Protestontenhetze hervor: „Es sind zum Theil dieselben, welche seiner Zeit ihr Müthchen durch antisemitische Tollheiten kühlten. Zur Zeit der antisemitischen Ausschreitungen in Paris und anderswo, gab es schon eine Parallelaction gegen die französischen Protestanten, aber die letzteren nahm man doch mehr gelegentlich, der Abwechslung halber, auf den Spieß; jetzt hat das Abwechslungsbedürfniß die Juden mehr in den Hintergrund geschoben und die Protestanten in den Vordergrund gerückt. Die Protestanten Frankreichs sollen es entgelten, daß die religionslosen Machthaber die Katholiken durch das neue Vereinsaesetz kränken." Rußland. Petersburg. (Eine jüdische WohlthäterinU Das im Gouvernement Cherson gelegene, der in Wien ansässigen Frau Rosa Hildesheimer gehörende Gut Marianowka hatte in Folge seiner musterhaften Bewirthschastung im verflossenen Jahre eine gute Ernte gehabt, während alle weit und breit in der Umgebung des Gutes gelegenen Ländereien von einer schweren Mißernte heimgesucht worden waren. Wie Petersburger Blätter nun melden, spendet die Besitzerin des Gutes Marianowka von dem ihr gewordenen Erntcsegen reichlich an ihre nothleidenden Mitmenschen. Die Bauern aus der Nachbarschaft, welche zu den regelmäßigen Arbeitern des Gutes zählen, erhielten kleine Vorschüsse nebst einer einmaligen Spende von 1000 Rubel, dem benachbarten Dorfe Petrowka spendete Frau Hildesheimer 3OO Pud Mehl und der Bevölkerung von Elisabethgrad 276 Rubel. Reichliche Unterstützungen erhielten auch die von der Gesellschaft zum „Rothen Kreuze" und anderen Wohlthätigkeitsgesellschaften begründeten Volksküchen. Endlich hat sie zum Baue einer Schul» im benachbarten Dorfe Groß-Wiski 3000 Rubel gespendet. Die Petersburger „Birshewija Wjedomosti" hebt die Woblthätigkeit der I ü d i n Rosa Hildesheimer rühmend hervor und stellt sie den hartherzigen christlichen Grundbesitzern des Gorvernements Cherson als nachrueiferndes Muster hin. Rumänien. Bukarest. kJ s r a e l i t e n Rumäniens.) Der Delegierte der „Alliance", der damit beauftragt ist, die Vertheilung der Hilfsgelder in Rumänien vorzunehmen, setzt sein Wert fort. Aus seinen Mittheilungen erhellt, daß das Unterstützungswerk noch 3—4 Monate wird fortgesetzt werden müssen. Unglücklicherweise sind die Kosten sehr hoch, die Hilfsquellen der „Alliance" sind erschöpft, und das Zentral-Komite wird gezwungen sein, van neuem einen Aufruf an die jüdische Welt betreffs Unterstützung zu erlassen. Feuilleton. ine gebildete Wrcm Von Wcrbette Ilvieö. 7l „Viel, Du gutes Mädchen!- 300 Gulden!" „Die sollst Du haben. Aber ist es auch genug?" „Fischer sagt, daß ihm mit dieser Summe geholfen wäre." „Fischer sagt es," meinte Gundel, „ist es aber auch wahr, daß ihm damit geholfen wird?" „Fischer lügt nicht." „Ich weiß, liebe Rösl, daß Dein Mann nicht lügt; aber könnte er sich nicht verrechnet haben, verrechnet, wie damals, wie Du selbst es soeben erzählt? Darum ist es besser, wir sprechen von einer größeren Summe. Wir nehmen also 600 Gulden an. Natürlich als Darlehen. Womit willst Du es aber abzahlen?"