Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-04-22 · Heft 31 (22.4.1901) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 31 (22.4.1901)
Date
1901-04-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449176--53163-2503802
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

705 Die traurige Lage unserer Glaubensgenoffen in Rußland, Galizien und Rumänien verursacht einen stets sich vermehrenden Zuzug aus ihren Reihen in unsere Stadt, und uns erwachsen daraus neue Pflichten. Die Hülfe, die wir ihnen bisher haben angedeihen lassen, hat — weit entfernt davon, dem Elend zu steuern — nach allgemeiner Ansicht nur dazu gedient, das Gefühl für Selbsthülfe in den Unglücklichen zu ersticken und sie von dem Wege abzudrängen, sich ihren Unterhalt zu erwerben durch eine Arbeit, welche unseren Landesverhältniffen entspricht. Es hat sich daher aus Mitgliedern hiesiger jüdischer Wohlthätigteits- und Frauenvereine ein Komitee gebildet mit der Aufgabe, durch fortgesetzte Besuche der Armen in ihren Wohnungen sich über die wirtschaftlichen und moralischen Berhältniffe derselben zu unterrichten, durch Raihertheilung und Nachweis von Arbeitsgelegenheit den Erwachsenen zu Wirtschaft - licher Selbstständigkeit zu verhelfen, die Erziehung der Schulkinder zu -überwachen und die aus der Schule entlassenen Knaben und Mädchen der werkthätigen Arbeit zuzuführen. Die zur Erreichung unserer Zwecke nothwendigen Geldmittel hoffen wir von den genannten Vereinen zu erhalten und von solchen Glaubensgenossen, welche diese Art vorbeugender und erzieherischer Wohlthätigkeit zu schätzen wissen. Niemals aber wird sich das gesteckte Ziel erreichen lassen, wenn die hiesigen Faniilien uns nicht dadurch unterstützen, daß sie von der unüberlegten Wohlthätigkeit, dem Hausbettel gegenüber ablassen. Wir bitten Sie daher dringend, Hülfesuchende an den Thiiren, namentlich jugendliche und arbeitskräftige Hausirer, nur dann zu berücksichtigen, wenn Sie sich vorher iiber deren Verhältnisse und Würdigkeit bei den Unterzeichneten Mitgliedern des Komitees unterrichtet haben. Zugleich dürfen wir die zuversichtliche Hoffnung aussprechen, daß unsere Gemeinde-Mitglieder, besonders die Inhaber größerer Betriebe, durch Mittheilung frei werdender Arbeitsstellen in ihren Betrieben, uns in der Durchführung unseres Programms unterstützen. Auf diese Hülfe der Arbeitgeber müssen — und dürfen wir hoffentlich — unter allen Umständen rechnen. Sie ist die unerläßliche Vorbedingung für die Erfüllung unserer Ausgabe, eine Aufgabe, an der mitzuarbeiten die Pflicht jedes einzelnen Juden ist im Interesse der gesummten Judenheit. Mittn. Die Religionsschule der Synagogengemeinde Köln a. Rh. zählte im Schuljahr 1900—1901 251 Schüler. Dem Jahresberichte folgt eine wissenschaftliche Beilage: „Stoff und Form im Unterricht der. jüdischen Religionsschule" von Lehrer Elias Gut. Schrimm, 10. April. Von einem unersetzlichen Verluste ist mit der hiesigen Gemeinde das Gesamn'tiudenthum betroffen worden. Nach kurzem Krankenlager verschied am 2. Nissan der hier allgemein hochgeachtete und gelehrte Rabbi Pedozur Sch r e i .-z ber s. 21 Als Sohn eines R. Meir Schreiber unst Enke! eines R. Benjamin Schreiber (Verfasser des bk), Rabbiners in Schrimm und Grätz, war R. Pedozur der würdige Nachkomme seiner Ahnen, den die edelsten und lautersten Eigenschaften zierten. Jahre lang verwaltete er das hiesige Rabbinat, wirkte er seit dem Bestände der Religionsschule als Lehrer an derselben, und war auch sonst bemüht, in seiner bescheidenen Weise nach Kräften für die hiesige Gemeinde und für die jüdische Allgemeinheit zu wirken. So war derselbe ein hier und in der Umgegend viel gesuchter Mohel, versah er das Amt eines ,"6*871 br>r, und ypin an den hohen Feiertagen, und war auch als Balkore thätig. Die verdiente Würdigung dieser Eigenschaften fand denn auch ergreifenden Ausdruck in den beiden Hespedim, die unser Herr Rabbiner Dr. Bamberger und Herr Dr. Jakobsohn-Gnesen hielten. Herr Dr. B. gab ein treues Lebensbild des Verstorbenen, schilderte dessen Charakter, die Eigenschaften, die ihn als Mensch und Iehudi, als Talmudgelehrter, als Gatte und Familienvater zierten. Als zum Schluß seiner inhaltsreichen Rede unser Herr Rabbiner dem scheidenden Freunde den Dank und letztes Lebewohl zurief, blieb lein Auge trocken. Hierauf ergriff Herr Dr. Jakobsohn, gleichfalls ein Freund des Verstorbenen, das Wort, um der allgelneinen Trauer und Wehmuth ob des Heimganges dieses gelehrten und würdigen Mannes Ausdruck zu verleihen. Auch diese Rede war von tiefem Eindrücke auf die zahlreiche Trauerversammlung begleitet. Möge Gott dis schwer geprüfte Gattin und die Hinterbliebenen Kinder trösten und unsere Gemeinde fernerhin beschützen. I. Gailingen. Dem vierten Bericht des „Friedrichsheims für israelitische Sieche und arme Greise" in Gailingen entnehmen wir: Ohne besonders hervorragende Ereignisse ist das Jahr 1990 dem „Friedrichsheim" dahingegangen. Die Anstalt bewährt sich und wird immer mehr von alleinstehenden alt und einsam Gewordenen aus besseren Kreisen als Ruhestätte gesucht. Eben um deßwillen hat die Verwaltung besonders darauf zu halten, daß Anstand, Sitte und Ordnung strengstens gewahrt werden. Im Haufe waren am 31. Dezember 1900 vier Männer und elf Frauen. 8165 Verpflegungstage wurden gegeben, wonach Tag und Kopf sich auf 1.21 Mk. berechnet. Der Voranschlag 1901 ist auf 10,000 Mk. rund anzunehmen. Wir haben eine kleine Zunahme an Spenden (311.43 Marks, dagegen eine Verringerung der Mitgliedsbeiträge um 140 Mk. und der Mitglieder um neun zu verzeichnen. Am bedeutendsten ist die Verringerung der Grundstocksgaben um 1423.25 Mk. O e st e.*,£- AH g a r. M o n a r ch i * Wü'tss im ħr1l^ ^-Die sshilantropisch wirkende' „Armenanstalt de^'itzrÄÄitischert ^ulsiMemeistöe Wekn"' versendet soeben den Bericht über ihre Thätigkeit im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.