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Der Israelit · 1901-04-18 · Heft 30 (18.4.1901) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 30 (18.4.1901)
Date
1901-04-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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m 666 die geistige Entwickelung Eurer Kinder geübt. O, den Robi, den gebe ich noch nicht auf. Der Geist, der auf seiner bohen Stirn lagert, die Energie, die aus seinen Hellen Augen leuchtet, das läßt mich für eine schöne Zukunit für ihn schließen. An Dir ist es jetzt, seine Erziehung in die richtigen Bahnen zu lenken und dabei die Fehler zu vermeiden, die Du Dir bisher in der Erziehung Deiner Kinder hast zu Schulden kommen laffen. — Du selbst, mein liebes Rösl, darfst aber nicht so entmuthigt sein. Wenn ich nicht glauben soll, daß Du zu den Eholerakranken in selbstmörderischer Absicht gebest, etwa so, wie ein verzweifelter Soldat sich in den dichtesten Kugelregen stürzet, um dort den erwünschten Tod zu finden, — wenn Dein edelmüthiger Opfermuth nicht jeden Werth in meinen und der ganzen Welt Augen verlieren soll — dann mußt Du froh und heiter um Dich blicken, Dich der gespendeten Wohlthaten auch selber freuen können." „Das Urtheil der Welt ist mir ganz gleichgiltig." „Dies soll es aber nicht sein," sprach Gundel dringender. „Du bist mir trotz Deiner langathmigen Lebensgeschichte, die Du mir erzählt hast, ein Räthsel, Rösl! Sage mir, was Dich drückt!" „Du kannst mir ja nicht helfen!" „Wer weiß! sprich nur." „Also-ich habe Geldsorgen." „Wie viel brauchst Du?" fragte nach einigem Nachdenken ditreue Freundin, „ich kann mehr leisten, als Du glaubst." „So viel denn doch nicht, Du Gute! Und wenn auch, ich könnte es doch nicht annehmen. Dies mühsam ersparte Lehrergeld würde mir Zeitlebens auf den Fingern brennen." „Rösl! Jetzt spricht wieder das unpraktische Bllcherweib aus Dir. Wenn Du eine Schwester hättest, welche Dir freiwillig den Dir nothwendigen Betrag anbieten würde, welcher es kein Opfer, keine Entbehrung kosten würde, Dir und Deinem fleißigen Manne aus der Verlegenheit zu helfen, würdest Du Dich dann weigern, es anzunehmen?" „Das ist was Anderes!" „Nichts anderes —-es ist dasselbe. Denke daran, Rösl, daß Du mir stets wahre, treue Schwesterliebe bewiesen hattest. Schon als kleine Kinder spielten >vir als Nachbarskinder am liebsten mit einander, und schon dan-.als waren Küsters Gundel und das Judenrösl unzertrennliche Freundinnen gewesen, welche ihre fleinen Leiden und großen Freuden redlich mit einander theilteu. Wie oft brachtest Du mir in der Schürze die besten Bisten, die Du Dir daheim vom Munde abaespar! hattest, und welche sonst in der armen Küsterwohnuna keinen Eingang gefunden hätten. Was damals recht und in der Ordnung war, sollte es heute nicht sein, blos darum, weil der Fall ein umgekehrter ist, und ich die Gebende, statt Empfangende sein soll? -Still, unterbrich mich nicht. Ich habe Dich auch ausreden lasten. Als dann Deine Eltern starben und Du in's Waisenhaus gekommen, da hat ein reger Briefwechsel unsere Freundschaft nicht nur aufrecht erhalten und gefestigt, sondern Deinem Rathe und Deiner geistigen sowohl als materiellen Unterstützung verdankte ich es auch, daß ich mich aus meinen dürftigen Verhältnissen aufraffen und eine Lebensstellung erringen tonnte. Und als dann das schwere Leid, der furchtbare Schlag über mich gekommen, daß meine beiden Eltern durch den Tod von mir gerissen wurden, da hat Dein Zuspruch mich vor einer geplanten Verzweiflungsthat zurückhalten, Deßwegen ließ ich mich ja in Deine Nähe hierher versetzen. Bin ich also nicht im wahren Sinne des Wortes Deine Schwester? Habe ich also nicht das Recht, zu verlangen, daß Du meine Hilfe annimmst? Drum noch einmal: Wie viel brauchst Du? Sage nur nicht zu wenig!" (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zwei mal, Montag'« and Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. P eis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend h-her. Man abonnirt ganzjährlicp» halbjährlich od r vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehr! durch V. Sleinackrv, Leipzig, Notzplatzjv. — Inserate 25 Pfennig die tziergespoäteu« Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Di recte Francozufenduna unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Krouen österr., für*! Ansland lf Mark, an Mc Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702. Telephon 316. Eine Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuskripte findet nicht statt, «an Kittet deckhalt, sich von allen Einsendungen eine Cople zurückzubehalten. Stellensuchende erhalten auf Wunsch die Jnferaten-Beilage vier Wochen lang gratis und frane» znaesandt. Ebenso stunden wir auf Wunsch die Zahlung des JnsertionSbetragS an anher Stelle Befindliche Hill nach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt): Llitenter Artikel: Auf welche Wei'e können wir einem weiteren Verfall der deutschen Jukenheit Vorbeugen? — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Hamburg. Memel. Weißenburg. — Personalien: Hamburg. Ehrenield. Dürkheim a. H. — Feuilleton: Eine gebildete Frau. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Literarisches. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Kaitowitz. Könitz. Eöelin. München. Oe'^err-Ungar. Monarchie: Meran. England: London. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Der Alkoholismus vom Standpunkt des jüd. SchiiflrhumS. (Schluß.) — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Köln. — Vermischtes. Extra-Beilagen: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit*, Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wtrth'fchen Hosbuchdruckerei Actien-Gefellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage«.

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