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Der Israelit · 1901-04-18 · Heft 30 (18.4.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 30 (18.4.1901)
Date
1901-04-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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684 > Personalien, -f Hamburg, im April. Frl. Jda Gans, welche seit sechs Jahren an der israelitischen höheren Mädchenschule (Bieberstraße) unterrichtet, trat mit April o. I. in den Staatsdienst. Kollegium und Schülerinnen sehen die sehr beliebte Lehrerin mit dem größten Bedauern scheiden. Pom Rhein. Der in weiten Kreisen ebenso beliebte wie geachtete Lehrer und Cantor, Elias Gut, Köln a. Rh., welcher vor etwa zwei Jahren das Nettorexamen glänzend bestanden, wurde mit Genehmigung der König!. Preußischen Regierung als Seminarlehrec an das Jsr. Lehrer-Seminar Köln berufen. Derselbe wird sein neues Amt mit Beginn kommenden Semesters antreten. Ahrenfeld, im April. Am Sabbat Hagadol vollendete Frau Wwe. Kaufmann dahier das 101. Lebensjahr. Die Greisin, der im vorigen Jahre anläßlich der freier ihres 100. Geburtstages Gratulationen und Beweise der Verehrung in Menge zugingen, befindet sich auch beute noch in verhältnißmäßig körperlicher und vollkommen geistiger Rüstigkeit. Ledig aller Sorge und gehegt und gepflegt von einer um die betagte Mutter zärtlich besorgten Tochter, zeigt die Matrone in der Unterhaltung oft treffenden Witz und gesunden Humor. Möge ihr Lebensabend noch weiter ein so schöner und angenehmer sein! Dürkheim a. H., im April. Am 31. März c. beging ein hochgeachteter, beliebter Mitbürger unserer Stadt, Herr Solomon T i l l m a n n , die Feier seines 80. Geburtstages. Der Jubilar blickt aus eine thatenreiche Vergangenheit zurück, während der er nicht nur das Wohl seiner Familie fest begründete, sondern auch allzeit dem Wohle seiner Mitmenschen zu dienen bestrebt loar. Durch das Vertrauen seiner Mitbürger wurde er mehrere Male in die Stadtverwaltung gewählt, welcher er als eifriges Mitglied lange Jahre angehörte; seit Jahrzehnten amtirt .Herr Tillmann auch im Armenpflegschaftsrathe. Auch im hiesigen israelitischen Wohlthätigkeits-Verein hatte er als ehrwürdiger Angehöriger seiner Glaubens-Gemeinde eine lange Reihe von Jahren das Amt des Rechners inne. Fünf Jahrzehnte übte er das Amt eines Mohel rein aw avb und nach vielen Hunderten zählen die von ihm in den Bund der Väter aufgenommenen Knäblein. Aus Rücksicht auf sein hohes Aller legte Herr Tillmann mit schmerzlichem Bedauern dieses heilige Amt nieder. Alle Ehrenämter verwaltete er mit peinlichster Gewissenhaftigkeit nach bestem Können. Die Liebe zu seinen nothleidenden altersschwachen Glaubensgenossen ließ vor mehreren Jahren in feinem Herzen den Gedanken entstehen, für diese ein Asyl zu schaffen, in dem sie den Rest ihrer Lcbenstage sorgenfrei verbringen könnten. Denn gerade in der Pfalz thut ein solches Institut noth. Viele solcher bedauernswerthen altersschwachen Glaubensgenossen sind entweder in christlichen Armenhäusern untergebracht, wo sie auf rituelle Verpflegung kaum Anspruch machen können, oder leben in bitterer Armuth in den verschiedensten kleinen Ortschaften. Herr Tillmann ist trotz seines hohen Alters immer noch für die Verwirklichung seines Herzenswunsches thätig. Möchten mildthätige Glaubensgenossen Herz und Hand öffnen, damit dieses humane Werk noch zll Lebzeiten des Jubilars in's Dasein treten könnte. Der Geburtstag selber gestaltete sich zu einem Freuden- und Ehrentage für den ehrwürdigen Greis und seine Familie. Aus allen Schichten der hiesigen Bevölkerung wurden anläßlich dieses freudigen Ereignisses dem schlichten, bescheidenen Manne Beweise herzlichster und freudigster Theilnahme seitens der isr. Gemeinde zu Theil, die sich fast vollzählig bei einem Festgottesdienste einfand, bei welchem Herr Bezirksrabbiner Dr. Salvendi eine ergreifende Ansprache hielt und der Cantor den 128. Psalm rezitirte. In der letzten Vormittagsstunde erschien Herr Bürgermeister Barth mit dem Armenpflegschaftsrathe, um ihrerseits herzlichste Glückwünsche zu erstatten. Der Herr Bürgermeister und Herr I. Stadtschreiber Weuner richteten an den Jubilar Worte des wärmsten Dankes für sein langjähriges, eifriges Wirken im Dienste der Allgemeinheit, wünschend, daß es ihm vergönnt sein möge, dem Armenpflegschaftsrathe noch lange Jahre mit seinen reichen Erfahrungen zur Seite stehen zu können. Herr Tillwann dankte bewegt und versprach dieses zu thun, so lange ihm Gott die Kraft dazu gebe. Feuilleton. Wilie gebildete Wrau. Von 'Wcrbeltt» Irreö. 6s Lange konnte ich mich mit diesem Vorschläge nicht befreunden. Es schien mir furchtbar zu sein, jetzt unvermählt den Brautschmuü abzulegen und mit Schmach bedeckt neuerdings wieder in die Fremde zu ziehen. Doch ein Blick in das treue, blaue Auge meines Gegenüber, der aufmunternde Händedruck der zarten jungen Frau, flößten mir Muth ein, verscheuchten meine Bedenken. Schweigend reichte ich Wilhelm meine andere Hand, zum Zeichen des Einverständnisses, dessen Druck er stumm erwiederte, schweigend saßen wir dann beisammen, der Dinge harrend, die nun kommen sollten. Doch horch, was ist das? Ein Blick aus dem Fenster, an dem wir saßen, sagte uns Alles. Eine, zwei, drei Landkutschen, die Pferde mit Schleifen aus weißem Band geschmückt. „Aus ist's," hauchte Hedwig, „aus mit unserm schönen Plane." „Aus ist's," sagte auch ich, aber gewiß aus erleichtertem Herzen. Die Hochzeit ver-

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