Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 30 (18.4.1901)
- Date
- 1901-04-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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683 Ioc;c, aber wir dürfen wohl auch hier auf das kräftige Eintreten unserer Freunde rechnen. Bereits in unserem Bericht für 1899 konnten ivir daraus Hinweisen, daß der Berliner rctp tce* Verein unter unserer Mitwirkung einer Umgestaltung unterzogen wurde. Wie wir aus seinem uns vorliegenden Berichte für 1900 entnehmen, hat diese Arbeit bereits segensreiche Früchte getragen. Es wurden von dem Verein im abgelaufenen Jahre 20 kaufmännische Gehilfen- und 9 Lehrlingsstellen besetzt. Da der Berliner Verein den Schwerpunkt seiner Thätigkeit, außer in Berlin selbst, iu Norddeutschland findet, so wird hiermit eine wertbvolle Ergänzung unserer eigenen Arbeit geschaffen, die vorwiegend Süd- und Mitteldeutschland umfaßt. 24 Mitglieder des Berliner Vereins sind unserer Versicherung gegen Stellenlosigkeit angeschloffen. Hamburg, 15. April. Die feierliche Amtseinführung des jüngst erwählten Herrn Klausrabbiner Joseph Cohn aus Preßburg fand am "rr 'p •» in der Klaussvnagoge statt. Die Freunde des Instituts, an ihrer Spitze der Oberrabbiner und drei Herren vom Kultusvorstande, waren so zahlreich erschienen, wie sie der Raum nur zu fassen vermochte. Eingeführt von zwei Klausvorstebern, begann Herr Rabbiner Cohn seinen Vortrag mit Kapitel 45 Tehillim ■ci 'rS trm '*:i ^und wußte den Inhalt desselben eben so innig wie geistreich aus seine ihm gestellte Aufgabe anzuwenden. Hochgeehrt fühle er sich, hierher an die Stelle berufen zu sein, wo so bedeutende Männer vor ihm gelebt und segensreich gewirkt, er wolle sich bestreben, in deren Sinne seines Amtes zu walten. Daß er seinen heutigen ersten Vortrag der Hagada widme, begründete Redner mit dem Ausspruch unserer Weisen auf den Tertvers 73 Tr; p* Sy t;h Gürte dein Schwert um deine Lenden, 0 Held, pw nrSn :vs er» Sr vrr pT *Sr pxtp ts;S mrrn;x vrr. Ein Talmudgelehrter, der nicht die Agada pflege, gleiche einem Kriegsmanne ohne Waffen. Treffliche Talmudstellen waren es, die der Redner zur sinnreichen Erklärung heranzog. Auch seiner Aufgabe als Lehrer und Führer, wenn auch nur in einem engeren Kreise, gedachte der Redner unter Bezugnahme auf den Mischnaausspruch in Aboth ~rx,i cy cpsiyn Sr cny’ör ans» nrnp zv» cvb srvsv B*pe^y v.t Damit sei das Verdienst der Väter derjenigen gemeint, die der Führer zu führen berufen. Im Traktat pr*:y ’r rr werden Aussprüche bekannter Tanaim gebracht, der eine wundert sich, daß in seinem Zeitalter es noch Jemanden gebe, der zu ermahnen verstehe, ein zweiter darüber, daß Jemand da sei, der Ermahnungen aufuehme; der dritte bemerkt, daß Thorakenntniffe und ernstliche Pflege derselben über alle Schwierigkeiten hinweghelfe, -imsn ornS nrrs -xx;«";b pS nrin S» wer durch Weisheit, die durch Thorastudium erworben, geadelt, der wird weisen Ermahnungen alle Zeit ein williges, dankbares Ohr leihen und diese mit Gegenliebe in sich aufnehmen. Zum Schluffe seines mit großer Befriedigung aufgenommenen Vortrages kam Redner dann wieder auf seine Einleitung ^urüd und bat, ihm mit Vertrauen entgegenzukommen, wie er sich bestreben werde, alle Zeit a'c» ctrS zu wirken. Am folgenden Tage wurde zwischen r-:c und s**iye ebenfalls in der Synagoge, weil des Andranges wegen das «mar: n*r als nicht geräumig genug angesehen wurde, ein halachisches Thema über?p etidb und ws rytrr t,ex - ssp zum Vortrage gebracht, wobei sich Redner mit Scharfsinn und großem Geschick über einen sogenannten herben p verbreitete und diesem zu seinem Rechte verhalf. Es wi'irde zu weit führen, näher darauf einzugehen. Herr Rabbiner Cohn hat hier bestätigt, was wir bereits von ihm erfahren und gewußt, daß er ein bedeutender und routinirter Talmudgelehrter und Kenner von a*pc:£* r» sei, dessen Wahl unserer tmr pr arSp zum Segen und ihm zur Befriedigung gereichen möge. Der Amtsantritt seines mit ibm gleichzeitig erwählten Kollegen Herrn Rabbiner Dr. B a m b e r g e r aus Sulz, dürfte auf my'sip S"yrn s. G. w. erfolgen. H. B. Memel. 12. April. Gestern Abend, mit Ausgang des Peßachfestes, ist hier ein Glaubensgenosse aus dem Leben geschieden, wie man solche heutzutage nur selten findet, es ist Herr Hessel E i l b e r g. Derselbe war zu Serednik in Rußland geboren und lebte zumeist hier in Memel. Er zeichnete sich durch echte Frömmigkeit, große Gelehrsamkeit und stille Wohlthätigkeit gegen die Armen aus. Seine große Büchersammlung hatte er schon bei Lebzeiten an die hiesigen Lehrhäuser verschenkt. In seinem kürzlich errichteten Testamente vermachte er dem hiesigen israelitischen Krankenhause 2000 Mk. und dem Verein „Gemilluth Chassodim" 200 Mk. Er erreichte ein Alter von 72 Jahren. Wcisrenbnrg. (Unlieb verspätet.) Am 12. Adar starb dahier im Alter von 80 Jahren Frau Sam. G e rs ch e l Wittwe, geb. Guta Ettlinger aus Karlsruhe. Die Verstorbene war die jüngste und würdige Schwester des großen Rabbiners Jakob Ettlinger s. A. aus Altona. Von ihrer Wohlthätigkeit, Herzensgüte und echten Frömmigkeit, können Viele erzählen; auch hat die Verewigte ihre Kinder in diesem Sinne streng-religiös erzogen. Auf Veranlassung des Herrn Abraham Ettlinger- Karlsruhe kaiu Frau Raphael Wormser aus Karlsruhe zur Taharob, damit alles genau nach Vorschrift besorgt werde. Die Beerdigung fand Purim Nachmittag statt. Anwesend waren Neffen aus Frankfurt, Mannheim und Karlsruhe, sowie der Sohn des Herrn Rabbiner Dr. Horowitz, Herr Dr. Jakob Horowitz-Frankfurt. Rabbiner M. Levy-Hagenau und Rabbiner Dr. Koch von hier. Des Purim wegen wurde kein Hesped gehalten.