Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 30 (18.4.1901)
- Date
- 1901-04-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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683 für eine vernunftgemäße Erziehung unserer Jugend im Sinne unserer heiligen Religion Sorge trägt. Eine ernste Zeit ist für die deutsche Judenheit hereingebrochen; möge sie kein kleines Geschlecht vorfinden, vielmehr ein solches, das sich seiner Ausgabe bewußt ist! Drum aus, Ihr deutschen Juden, discite, moniti! Lernet, dieweil Ihr gewarnt seid! Errichtet allenthalben jüdische Schulen! Traget Sorge, daß die bestehenden erhalten bleiben! Es ist zum Wohle und zum Segen Eurer Kinder, cs ist zum Heile und zur Ehre unserer angestammten Religion!" Der Gegenstand sollte nicht von der Tagesordnung abgesetzt werden, bis er seine befriedigende Erledigung gesunden hat. Aber nicht nur in den Lehrervereinen sollte er die verdiente ernste Würdigung finden, sondern auch in den Verwaltungen unserer Gemeinden muß er in Erwägung gezogen werden und dem Rath bald und entschieden die That folgen. ZcitirrrgSriachrichten nnd Sorrefpondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Dem zweiten Rechenschaftsbericht des „Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit (ic» ner) — 1. Januar bis 31. Dezember 1900 — entnehmen wir: Ein Rückblick aus das versloffene Jahr darf die Leitung unseres Vereins mit gerechter Befriedigung erfüllen. Ist es uns doch gelungen, den an unsere Versicherungskaffe herantretenden Anforderungen in vollem Umfange gerecht zu werden, die Zahl der durch unsere Stellenvermittlung besetzten Stellen gegen das Vorjahr zu verdoppeln und dabei einen nicht unerheblichen Ueberschuß unserem der Stärkung allerdings noch sehr bedürftigen Sicherheitsfonds zuzusühren. Unsere Versicherungslasse zählte Ende 1890 208 Mitglieder, Ende 1900 zählten wir 271, mithin ein Zugang von 63 Mitgliedern. Dieser Zugang würde ein wesentlich höherer sein, wenn nicht den zahlreichen Neuanmeldungen eine große Zahl von Austrittserklärungen gegenüberstände. Leider wird unser Verein in den meisten Fällen nur als Durchgangsstation betrachtet, die man aufsucht, wenn Stellenlosigkeit droht oder wenn man sich nach einer anderen Stelle umzuseben wünscht, die man aber ebenso schnell wieder verläßt, wenn der gewünschte Zweck erreicht ist. Von der Erkenntniß, daß die Zugehörigkeit zu einer Berufsorganisation, wie die unserige, auch abgesehen von Zweckmäßigkeitsgründen, eine Ehrenpflicht für jeden jüdischen Gehülfen sein sollte, ill dic Mehrzahl unserer Kollegen leider noch weit entfernt. Entschädigungen wurden aus der Versicherungstaste bezahlt Mk. 713.25. Wie im Vorjahre, so können wir auch jetzt wieder zu unserer Freude konstatiren, daß mit der Versicherung leinerkei Mißbrauch getrieben wurde. — Die früher hie und da geäußerte Anschauung, als seien die von der Versickerungslaste bezogenen Entschädigungen als Unterstützungen aufzufassen, hat der befferen Erkenntniß Platz gemacht, daß es sich hier lediglich um Gegenleistungen handelt, auf die jedes ordentliche Mitglied durch seine Beiträge ein Recht erwirbt. Die Zahl der außerordentlichen Mitglieder stieg von 238 in 1899 aus 5151. Die Gesammtzahl der Mitglieder beläuft sich somit aus 522. Unsere Stellenvermittelung konnte im Berichtsjahre 60 Stellen besetzen. Hiervon waren 67 Gehilsensiellen, 3 Lehrlingsstellen. In 1898 wurden 7, in 1899 29 Stellen besetzt, so daß in den 210 Jahren seit Gründung des Vereins insgesammt 96 Stellen durch uns besetzt wurden. Vakanzen waren gemeldet 286 (Vorjahr 255) bei 223 (162) Bewerbern; es haben also über 26 vEt. der gemeldeten Bewerber Stellung gesunden, ein Resultat, das den Vergleich mit den von den großen kaufmännischen Vereinen erzielten Ergebnisten durchaus nicht zu scheuen braucht. Unsere Erfolge aus dem Gebiete der Stellenvermittelung würden noch bedeutender sein, wenn die Vorbildung vieler Bewerber eine bessere wäre. Die Kenntniß der Stenographie, Beherrschung der doppelten Buchhaltung u. s. s. werden heute bei jedem besseren Posten verlangt, mangeln aber leider den meisten Bewerbern. Wir können allen Eltern, die ihre Söhne dem kaufmännischen Berufe widmen wollen, nur dringend au's Herz legen, Lehrstellen zu bevorzugen, wo neben einer gediegenen allgemeinen Ausbildung auck Gelegenheit zur Erwerbung von Brcmchetenntuisteu gegeben wird. Gehilfen mit tüchtigen Branchekenntnissen sind stets gesucht. Unser Reservefonds (Sicherheitsfonds) Uteri von Mk. 10,586.87 auf Mk. 11,754.06, ist also von 'jenem Betrag, den wir als erstrebenswerth von vornherein bezeichnet haben (Mk. 26,000) noch weit entfernt. Wir hoffen indessen, daß das allseitige Interesse, das unsere Bestrebungen gefunden haben, uns in nicht zu ferner Zeit auch dies Ziel erreichen läßt. Auf den Antrag des Vorstandes hat die Generalversammlung genehmigt: Mk. 300 aus dem Ueberschuß unserer Stellenvermittelungskasse einem neu zu bildenden Dispositionsfonds zu überweisen. Dieser Fonds soll dazu dienen, in Fällen, wo die Versicherungskasse nach unseren Satzungen noch nicht oder nicht mehr eingreisen kann, Hilfsbedürftige durch Gewährung eines zinsfreien Darlehens zu unterstützen. Der Mangel eines solchen Fonds hat sich in verschiedenen Fällen recht fühlbar gemacht. Die Mk. 300, die wir zur Verfügung stellen können, sind natürlich nur eine sehr bescheidene Grund-