Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 60 (1.8.1901)
- Date
- 1901-08-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449204--53935-2503770- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Lehrer im Juni ä. J. 1862 gerichteten Rundschreiben Platz finden. Sie lauten: „Welches Ziel verfolgt die Alliance mit ihren in den Gemeinden des Orients und Afrikas unternommenen Schulgründungen? In erster Linie die Aufgabe: einen Lichtstrahl europäischer Civilisation in die durch hundertjährige Unterdrückung und Unwissenheit ausgearteten Kreise eindringen zu lassen, ferner der dortigen Jugend eine sichere, würdige Lebensquelle zu eröffnen, indem sie ihr die Grundlage einer rationellen Elementarbildung zu geben bemüht ist; endlich sucht sie gewisse Yorurtheile, gewisse von Alters her eingewurzelte, abergläubische Vorstellungen und Bräuche, welche lähmend auf die Thätigkeit und die Schwungkraft des Gemeinwesens wirken, zu zerstören, indem sie die Geister den europäischen Ideen zugänglich macht. Insbesondere zielt das Wirken dahin, der jüdischen Jugend, und somit in der Folge auch der ganzen jüdischen Bevölkerung, mehr eine moralische Erziehung, denn eine technische Bildung angedeihen zu lassen. Anstatt Halbgebildete zu schaffen, will sie Männer heranbilden, welche duldsam und gut, pflichttreu als Bürger wie als Juden, dem gemeinsamen Wohle in gleicher Weise wie dem ihrer Glaubensbruder ergeben, endlich solche, welche die Anforderungen des modernen Lebens mit der den alten Traditionen schuldigen Achtung in Einklang zu bringen wissen. „Wir würden aber unser Werk tief bedauern, wenn es dahin führte, dass der Glaube in der jüdischen Seele verlösche, dass dieser Herd der inneren Glückseligkeit erkalte, dass diese kraftstrotzende Quelle versiege, welche Israel durch hundertjährige, in der Geschichte unerhörte Verfolgungen und Unterdrückungen lebenerhaltend geflossen ist. Im Gegentheil wollten die Gründer und wollen die gegenwärtigen Leiter der Alliance das religiöse Gefühl der jüdischen Bevölkerung des Orients und Afrikas gekräftigt und geläutert, allen unseren Zöglingen, und durch diese auch den Eltern, sittliche Würde eing^flösst, und allesammt dem Guten und Edlen, dem Judenthume, seiner Geschichte und Tradition ergeben wissen. Dahin strebt unsere Wirksamkeit. Jene Lehrer aber, welche ihre Pflichten nicht in diesem Sinne aufgefasst haben, haben unsere Absichten verrathen oder zum mindesten missverstanden.“ Schliesslich folgen die Weisungen, welche den mit der Ausführung der Wünsche des Centraleomites der Alliance betrauten Lehrern ertheilt werden. Sie lauten: „Euere Aufgabe ist, belehrend, aber auch versittlichend zu wirken, die Schüler so zu bilden, dass sie Nutzen von dem Unterrichte ziehen. Ihr müsset aber dabei Menschen bilden, Menschen, welche in der materiellen Wohlfahrt nicht das einzige Ziel ihres Strebens erblicken, und denen die Eigenliebe nicht die ausschliessliche Triebkraft ihrer Handlungen ist. Der Egoismus und die Gleichgiltigkeit gegenüber dem Gemein wohle sind Feinde, welche bekämpft werden müssen. Ihr könnet nicht würdiger Euere Pflicht erfüllen und der jüdischen Bevölkerung keine besseren Dienste leisten, als indem Ihr die Fehler bei den Kindern, deren seelische Zukunft in Eueren Händen liegt, bekämpfet.“ (Fortsetzung folgt.) Schulen und Lehrlingswerke der Alliance Israelite Universelle. (VIII. Fortsetzung und Schluss.*) Mit dieser Summe haben wir 46 Arbeiter ausgebildet. Die Kosten der Ausbildung für einen jeden Arbeiter kam uns auf 2 6,300: 46 572 Fr cs., von denen für 60 Fr cs. Utensilien sind. Besser lässt sich das Geld wohl nicht eintheilen; mit ungefähr 57 2 Fr cs. eine Familie vor Elend retten, scheint mir bald an ein Wunder zu grenzen. Organisation des Werkes. Ich fange damit an zu berichten, dass wir kein Comite für das Lehrlings werk haben. Ein Direktor, ein Beirath, der zugleich Unterricht ertheilt, ein *) 8. Nr. 778. Lehrer und ein Arzt bilden das ganze Personal unserer Anstalt. Alle unsere Schüler werden von der Volksküche ernährt; aber sie bekommen nur ein Gericht anstatt zwei. Das Geld, das für die Küche ausgesetzt ist, gestattet nicht, mehr zu geben. Der Abendkurs findet alle Tage von 6—7 oder 7—8 Uhr gemäss der Saison statt. Der Zeichenkursus, den ein Speziallehrer abhält, findet zweimal wöchentlich statt, und dauert jedesmal zwei Stunden. Die Lehrlinge werden einmal wöchentlich in der Werkstatt von dem Aufseher, und wenigstens einmal monatlich von dem Lehrer des Abendkursus unter Begleitung des Aufsehers besucht. Die kranken Lehrlinge werden in der Klinik des Rothschild'-