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Der Israelit · 1901-08-01 · Heft 60 (1.8.1901) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 60 (1.8.1901)
Date
1901-08-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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1341 auf dem Boden des gesetzestreuen Judenthums ist. In den kleinen Gemeinden liegt aber oft die religiöse Leitung und Führung fast gänzlich und ausschließlich in der Hand des Lehrers. Er ist nicht selten im Kreise seiner Gemeinde der einzige, welcher überhaupt eine, nicht nur in gewohnheitsmäßiger Uebung wurzelnde und auf sich beschränkende, nähere Kenntniß der jüdischen Pflichtenlehre besitzt. In solchen kleinen Kreisen nicht nur bei dem Religionsunterrichte der Kinder, sondern auch für die erwachsenen Gemeindemitglieder anregend zu wirken, den religiösen Sinn, das jüdische Pflichtbewußtsein zu wecken, zu erhalten und zu kräftigen, den oft nur schwachen Funken der Hingebung an die tradierte Lehre, den aber eine selbst lediglich gewohnheitsmäßige Erfüllung oft noch zu erhalten vermag, zu beleben, und Jung und Alt für die Kenntniß und Werthschätzung der Thora zu gewinnen — das ist die schwere Aufgabe, deren Lösung häufig ganz allein der Wirksamkeit des israelitischen Lehrers harrt. Wer aber die Verhältnisse der kleinen israelitischen Gemeinden, insbesondere auf dem Lande, einigermaßen kennt, der vermag die mannigfaltigen Schwierigkeiten annähernd zu ermessen, die sich einer solchen Wirksamkeit des Lehrers oft entgegenstellen, und welch' ein reicher Fond von besonnener Willenskraft und Ausdauer, von Ueberzeugungtreue und begeisterter Hingebung ein solcher Lehrer sein Eigen nennen muß, um unter der Last dieser Schwierigkeiten, die ihm hier kalte Gleichgültigkeit, dort ausgesprochene oder heimliche prinzipielle Gegnerschaft gegen die Ziele seines Strebens und auch oft die kärglichen Verhältniffe seiner Existenz etc. bereiten, nicht zu erlahmen. Zu den verschiedenen Umständen, die einer erfolgreichen Wirksamkeit des Lehrers für die Weckung und Hebung ächtjüdischer Erkenntniß und Pflichttreue in seinem Kreise oft hinderlich sind, zählt aber gewiß in nicht unwesentlichem Maße auch der Umstand, daß ihm in den kleinen Gemeinden meist jegliche Gelegenheit zur eigenen Fortbildung, insbesondere in den Fächern der jüdischen Religionswissenschaften, mangelt. Es fehlt dadurch namentlich den jüngeren Lehrern mit der Anregung zum Fortschritt im Wissen auch der fördernde Einfluß, den geistiges Wachsen auf die sittliche Energie des Willens und auf die Charakterbildung auszuüben geeignet ist. Es fehlt damit aber vor Allem auch die Gelegenheit zu klarerer Erfassung der Aufgaben, welche das gesetzestreue Judenthum seinen Bekennern in Lehre und Leben stellt, und zur Vertiefung und Berichtigung der Lebensanschauungen. Gewiß ist aber ganz besonders in unserer Zeit, in welcher so tiefgehende religiöse Gegensätze die Judenheit spalten, eine solche Klärung der eigenen Ansichten dringend erforderlich, um unter den vielen Irrungen der Zeit unentwegt und mit Festigkeit ans dem Standpunkt des gesetzestreuen Judenthums zu beharren und in diesem Sinne wirken zu können. Als sehr verdienstlich und zweckentsprechend sind daher die vorher erwähnten, von gesetzestreuer Seite ausgehenden Bestrebungen zur Ermöglichung einer geeigneten Fortbildung der israelitischen Lehrer zu begrüßen. lieber die geeigneten Wege zu diesem Ziele sind allerdings die Ansichten zur Zeit noch sehr getheilt, wie sich dies namentlich in einer Besprechung dieser Angelegenheit zeigte, welche von einem zu diesem Zwecke gebildeten Komitee vor Kurzem zu Frankfurt a. M., unter Hinzuziehung von Schulmännern veranlaßt wurde. Einerseits wurde die Veranstaltung von Fortbildungskursen empfohlen, in welchen von dazu geeigneten Persönlichkeiten in übersichtlicher Form Vorträge aus dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft gehalten werden sollen. Hierbei ergab sich eine Reihe weiterer Fragen, u. A., ob es geeignet ist, diese Lehrvorträge lediglich als Ferienkurse zu errichten und etwa in Frankfurt a. M. eine Centrale hierfür zu schaffen, oder ob nicht diese Kurse bester auf das ganze Jahr zu vertheilen seien u. a. m. Andererseits wurde auf die großen finanziellen und sonstigen Schwierigkeiten, welche der Ausführung dieses Projektes entgegenstehen, hingewiesen und mehr die Förderung von Lokalvereinigungen der Lehrer in Vorschlag gebracht in dem Sinne, daß sich die Lehrer eines Bezirkes in bestimmten öfteren Zeitabschnitten bei ihrem Rabbiner zu regelmäßigen Lehrvorträgen einfinden, wie dies in einigen Gegenden bereits der Fall ist. Hierdurch würde neben dem hierbei erzielten Vortheile eines regelmäßigen, den Individualitäten entsprechenden Kursus auch ferner der nicht zu unterschätzende Vortheil einer größeren Annäherung und engeren Verbindung zwischen den Rabbinen und der Lehrerschaft erreicht werden. Ferner wurde u. A. besonders empfohlen, Fürsorge zu treffen, daß den Lehrern für ihre Fortbildung geeignete Werke aus dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft gratis oder gegen mäßige Vergütung zur Verfügung gestellt werden. Gerade wo die Geisteskraft des einzelnen Lehrers Gefahr läuft, herabgezogen von dem Bleigewichte sorgenvoller Alltäglichkeit, an Aufschwung einzubllßen, sei es Pflicht der Allgemeinheit, helfend einzutreten und der Lehrerschaft der kleinen Gemeinden in solchen Werken eine Förderung entgegenzubringen, die sie oft sehnlichst wünscht, aber nur schwer erreichen kann. Zu welchen dieser oder sonstiger Mittel und Wege nun diese Bewegung führen wird, um ihre verdienstvolle Bestrebung zu verwirklichen, wird sich nun wohl bald ergeben. Zunächst wurde in Veranlassung der oben erwähnten Besprechung seitens des Vorstandes der „Freien Vereinigung" diese Angelegenheit durch Rundschreiben einem größeren Kreise zur gutachtlichen Aeußerung unterbreitet, deren Ergebniß noch aussteht.

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