Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 60 (1.8.1901)
- Date
- 1901-08-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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1340 der Halbbildung zeiht. Auch das Gesetz von einem halben Schekel will uns künden, daß alles, was wir leisten, nur ein Halbes sein kann. Es mag sein, daß der Vorschlag des Herrn Geis vielleicht unpraktisch in der Durchführung ist, kann es aber in Abrede gestellt werden, daß er einen wunden Punkt berührt hat? Es ist bedauerlich, daß viele der Kollegen von einer talmudischen Fortbildung nichts wissen wollen. Es ist unmöglich, einen nur einigermaßen gedeihlichen Unterricht auf der Oberstufe ohne talmudische Kenntniß ertheilen zu können. Fast jeder Satz im bringt Schwierigkeiten, die nur in seltenen Fällen eigenes Nachdenken zu lösen vermag. Die Pionirarbeit auf diesem Gebiet haben die bekannten Kommentatoren verrichtet, und wer im Talmudischen erfahren ist, dem ist es leicht, denselben zu folgen, andernfalls bleiben sie ihm das mit sieben Siegeln verschlossene Buch. Es lag in dem bewußten Artikel nichts zum Entrüsten. Er hat die Wahrheit ausgeplaudert. Keine der jüdischen Zeitschriften hat sich bislang um die Interessen der jüdischen Lehrer gekümmert. Bevor noch Pensionskassen für jüdische Lehrer existirten, hat der „Israelit" in diskretester Weise denselben beigestanden. Ein Vierteljahrhundert schon, bevor es jüdische Lehrervereine gab, hatte der „Israelit" seine pädagogische Beilage. Keine andere jüdische Zeitschrift ließ sich herbei, Fragen, den jüdischen Lehrerstand betreffend, zu besprechen. Keine andere Zeitschrift hat eine solche Fülle gediegener Artikel, die gerade dem Lehrer im praktischen Berus nutzbringend wären; keine andere jüdische Zeitschrift hat in solch populärer Form zu den Herzen der jüdischen Gesammtheit gesprochen, und keine andere jüdische Zeitschrift hat sich allzeit so unwandelbar gezeigt, wie der „Israelit." Er hat der jüdischen Wahrheit gedient, hat sich niemals vom Schein täuschen lassen, und wenn Sie, Herr Kollege, das höhnend als eine besondere Praxis des „Israelit" geißeln, so haben Sie sicher diese Redewendung nur figürlich a la Graf Pückler gebraucht. Es ist mir unbegreiflich, wie man das Aufdecken von Fehlern als Verleumdung und die Widerlegung von Unwahrheiten als Beleidigung bezeichnen kann. Würden andere jüdische Zeitschriften auch diesen Weg eingeschlagen haben, es wäre vielleicht die Zerstörung in unseren Kreisen, die Sie, Herr Kollege, doch auch als vorhanden betrachten, nicht so tief eingerissen. „Wenn ich Moral predige," sagte einst ein Rabbi, „meine ich Niemanden, iver aber meint, ich meine ihn, den meine ich."*) Es ist Uebertreibung, wenn es so dargestellt wird, als ob der ganze jüdische Lehrerstand sich entrüstet. Lassen wir nun diesen zwecklosen Streit ausgekämpft sein. Der „Israelit" hatte die beste Absicht und die „Blätter für Erz. und Unterr." haben auch das Wort gehabt. Beide, dem Judenthum im Allgemeinen und der jüdischen Lehrerwelt im Besonderen dienenden Zeitschriften schließen sich nicht gegenseitig aus, sind einander völlig konform. Es ist selbstverständlich, daß das Vereinsorgan in erhöhtem Maße den Interessen der Schule und ihrer Lehrer dienen muß; es ist erfreulich, zu bemerken, wie dem Wetteifer hier ein großes Feld geboten, und wie sein Leiter bemüht ist, das Gute überall, von welcher Seite es auch kommen mag, der Oeffentlichkeit zu übergeben. Andererseits haben wir keine Veranlassung, dem „Israelit" abhold zu werden, ihm kann Niemand sein Verdienst um Erhaltung und Förderung jüdischen Lebens auf allen Gebieten streitig machen, und einen schlechteren Dienst könnte man der jüdischen Lehrerschaft wohl kaum erweisen, als wenn man ihr die Dienste und das Wohlwollen des „Israelit" zu entziehen sucht. Lassen wir deßhalb alle Gehässigkeiten! Im letzten Grunde entspringt der Haß viel seltener aus der Schuld, die einer hat, als aus der Schuld, deren man sich gegen ihn bewußt ist. Mit kollegialer Begrüßung M. Schweitzer. *) Der Herr Correspondent hat das in's Hochdeutsche übersetzt. Richtig heißt es: „Ich maan Niemand, wer aber maant, daß ich ihn mahn, de.r maan ich". Red. d. „BIf. d. iör. Sch.";>nr WMlliig der jiiD. Lehrer in den Wern der iiü>. ReliWiis-MilWt. Die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" theilt in ihren soeben erschienenen Mittheilungen an die Vereinsmitglieder Folgendes mit: Ein erfreuliches Bild bietet eine in jüngster Zeit angeregte Bestrebung, welche es sich zur Aufgabe macht, den in kleinen Gemeinden — namentlich auf dem Lande *) In den Mittheilungen der „Freien Vereinigung" ist jedenfalls aus Versehen der Name des Herrn DistrictS- Rabbiner N. B am berge r—Würzburg in der Reihe der Ausschußmitglieder vergessen worden. Red. d. JSr. — fungierenden israelitischen Lehrern die Möglichkeit einer Fortbildung in den Fächern der jüdischen Religionswissenschaft zu gewähren. Es ist bereits in früheren „Mittheilungen der freien Vereinigung" wiederholt darauf hingewiesen worden, daß die Erhaltung gesetzestreuen Geistes und Lebens in unserer Gegenwart nicht allein und nicht einmal vorzugsweise auf den großen Gemeinden beruhe, daß vielmehr ebenso wichtig und bedeutungsvoll für diesen Zweck auch die Förderung der kleinen Gemeinden in Erhaltung der erforderlichen Gemeindeinstitutionen