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Der Israelit · 1901-08-01 · Heft 60 (1.8.1901) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 60 (1.8.1901)
Date
1901-08-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1323 „Aber der Zweck, der Tachliß, wie wir zu sagen pflegen," unterbrach 'er sie. „Du kannst ein (5Hasan, ein Kantor werden, wie man ihn weit und breit suchen müßte." „Da hast Du wirtlich recht: einen blinden CHasan gibt'» wohl in der weiten Welt nicht," spöttelte er düster. „Wir, ich und Du . . ." Wieder unterbrach sie Josef: „Sprich doch nicht so einfach von uns Beiden; können wir denn immer beisammen bleiben?" „Uns Beiden ist e i n Weg vorgezeichnet." „Wie denn?" „Nun denn, — weil Du mich doch zur Frau nehmen wirst." Der blinde Joses konnte sich kaum fassen. „Ich? .... Dich zur Frau? .... Das heißt, daß Du mein werden willst?! . . ." „Natürlich!" erwiederte sie rasch, um nur darüber hinwegzukommen. „Wie sonderbar Du doch bist! Hast Du niemals daran gedacht? Das ist ja selbstverständlich! Wen sonst solltest Du heimführen, wenn nicht mich?" „Höre, Lea!" begann er, indem er ihre Hand ergriff; „Du hast doch einen viel besseren Weg vor Dir, während ich . . . „Nun, während Du?" „Ich bin blind . . . schloß er verwirrt. Lea lachte: „Und was dann, wenn Du blind bist? Kann mir Jemand verbieten, einen Blinden zu heirathen, wenn ich ihm von Herzen gut bin?" Auch er lächelte und ließ sein Haupt auf die Brust sinken, als wollte er erlauschen, was dort in seinem Herzen vorgehe. „Und Deine Eltern?" fragte er sie bange. „Und die Deinen?" lautete die Gegenfrage. „Meine Eltern würden sich mit einer so lieben, guten, herzigen Schwiegertochter glücklich schätzen." „Woher weißt Du das gar so genau?" „Ich hörte sie oft von Dir mit aufrichtiger Belvunderung sprechen . . . ." „Wenn dem so ist, dann könnte ich auch für meine Eltern Garantie leisten, zumal für meinen theuren Bater, der als Meister der Musik einen Menschen, der so hinreißend singt, wie Du, liebt und hochschätzt. Und was mein Vater sagt, dem stimmt meine liebe Mutter stets ausnahmlos zu." Zwei Jahre darauf waren Josef und Lea ein glückliches Paar. Josef wurde in einer bescheidenen Gemeinde als Chasan engagirt, aber sein Ruf als Sänger verbreitete sich bald über das ganze Land. Er wurde überallhin zu Gesangsvorträgen eingeladen, und die ältere jüdische Generation in ganz Galizien spricht heute noch bewundernd und verehrend vom „blinden Chasan Jossel," der ihnen so oft Thränen der Freude und Trauer entlockte, da ihn Niemand singen hören konnte, ohne Thränen zu vergießen. Lea aber begleitete ihren Mann überallhin als treuliebende Gefährtin, und an jedem Schabuothfeste ward er nicht müde, ihr zu sagen: Mein Wunsch ist von Gott erhört worden, meine Hoffnung ist in Erfüllung gegangen, denn Du, theure Lea, bist das Licht meines Lebens!" Der „Israelit" erscheint wöchentlich a w e! m» I , Houtng« and Donnerstags, jebetmol im mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Ma» abonniir ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Orr Buchhandel verkehrt durch V. #. Steinacker, Leipzig, Notzplstz )b. — Inserate 25 Pfennig die vierAespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozufenduna unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Arouen österr., für'S ÄnSland IS Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702. Telephon 315. Line Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuskripte findet nicht statt, «an bittet beShalb, fich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalten. Stellensuchende erhallen auf Wunsch die Jnseraten-Beilage vier Wochen laug gratis und srane» zugesandt. Ebenso stunden wir auf Wunsch die Zahlung deS JnsertionsbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt): Leitender Artikel: Judennoth. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Frankf„rt a. M. Hamburg. München. Fürth. Aus Laden. Oester.-Uugar. Monarchie: Wie,r. Rußland: Petersburg. — Feuilleton: Licht. (Schluß ) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Rabbi Abraham Samuel Benjamin Schreiber und Baron Willy von Rothschild — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland : Oppeln. Bad Neuenahr. Ober-Seemerr. Aus dem Elsaß. Oefterr.ling. Monarchie: Wien. England: London. Rußland: Wilna. Afrika: Oran. — Sprechsaal. Inhalt der zweiten Beilage: Literarische Umschau. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Breslau. Rußland: Odessa. Pädagog. Beilage: Offene Antwort an den Vorsitzenden der freien Bereinigung der jüd. Lehrer Oberschlesiens Herrn Lehrer Bernhard—Tarnowih, auf die ..Offene Erklärung an die Redaktion des „JSraelit" in den Blättern für Erziehung und Uuterricht (Beilage nun „Israelitischen Faniilienblait", Hamburg) gewürdigt von M. Schweitzer, Lehrer in Glogau — Zur Fortbildung der jüo. Lehrer in den Fächern der jüd. Religions-Wissenfchaft. — Pädagogische Literatur Verantwortliche Redaction Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerel Actien-Grsellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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