Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-08-01 · Heft 60 (1.8.1901) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 60 (1.8.1901)
Date
1901-08-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449204--53902-2503737
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

WWWWWWWWWWWWWMWDW«WWW^W«WMWMW»MDWMWWWW 1320 WWWDWWWMWWWW«WDMWWWW jenigen Rabbiner, die sich zum zionistischen Gedanken gegnerisch verhalten, werden ihre Mitwirkung an dieser Sache, die ja mit dem politischen Zionismus in keinem unmittelbaren Zusammenhang steht, nicht verweigern. Uebrigens dürfte die Gesellschaft späterhin weder auf die Unterstützung der Zionisten, noch auf die der Rabbiner angewiesen sein, da ihr wohl Mittel genug zur Verfügung stehen werden, die Händler zu verdrängen. Diese werden schließlich gezwungen sein, ihren Ethrogim-Bedarf bei der Gesellschaft zu decken. Für die Zukunft der Kolonisation in Palästina wäre die Gründung einer derartigen Jmportgesellschaft von unermeßlicher Bedeutung. Rußland. Petersburg. Der neue Minister für Volksaufllärung, General Wannowski, entpuppt sich immer mehr als arger Judenfresser. Während fast alle nicht spezifisch antisemitischen russischen Blätter, welche speziell in Bezug auf die Schulfrage seit einiger Zeit einer geradezu idealen Preßfreiheit sich erfreuen, einstimmig die Ausdehnung der von dem neuen Kultusminister eingeleiteten Reformen der mittleren und höheren Schulen auf die Juden verlangen und die Forderung aufstellen, daß die Juden Rußlands in unbeschränkter Anzahl zum Studium auf Gymnasien und Universitäten zugelassen werden, hält der frühere Kriegs- und jetzige Kultusminister an der prozentuellen Beschränkung fest. Er hat dieselbe in seinem Rundschreiben an die Kuratoren der Lehrbezirke vom 21. Juni sogar insofern wesentlich erweitert, als er sie auch auf die jüdischen Schüler der Progymnasien ausgedehnt hat, welche bisher bei ihrem Uebergang in ein Gymnasium unbeschränkt ausgenommen werden konnten. Das wichtige Aktenstück, durch welches Hunderte von nach Bildung strebenden jungen Männer um ihre erträumte Zukunft gebracht werden, lautet im Auszuge folgendermaßen: „Auf Grund von Erläuterungen meiner Vorgänger konnten jüdische Schüler, die einen vier- resp. sechsklassigen Kursus in den Progymnasien und Realschulen beendet haben, und behufs Fortsetzung ihrer Bildung in ein Vollgymnasium eintreten wollten, unbeschränkte Aufnahme in den betreffenden Anstalten finden, weil dieser Uebergang als ein Aufrücken aus einer unteren in eine obere Klasse in einer und derselben Schule und nicht als ein Uebergang aus einer Schule in eine andere ange/ehen wurde. Die Folge einer solchen Anschauung war, daß diese jüdischen Schüler unbekümmert um den Prozentsatz der Juden, in dem betr. Vollgymnasium Aufnahme in demselben fanden, wodurch in diesen Gymnasien sich oft weit mehr als 10 Prozent jüdischer Schüler sich befanden." Diese sehr betrübende Thatsache scheint dem zum Kultusminister avancirten General schlaflose Nächte verursacht zu haben und so befahl er am Schlüsse des Circulars, daß „künftighin jüdische Gymnasiasten, weche zur Vollendung ihres Studiums aus den Progymnasien und Realschulen in eine gleichartige Vollschule übergehen, in denselben nur nach dem Satz von 10 pCt. ausgenommen werden sollen. Bemerkenswerth ist, daß die beiden Amtsvorgänger des jetzigen Kultusministers Abweichungen von der Beschränkung nach Prozenten zugelassen haben. Sowohl Graf Deljanow, der Vater der gegen die Juden gerichteten Beschränkung nach Prozenten, als auch der vor kurzem verstorbene Minister Bogoljepow waren nicht in der Lage, die ominöse Maßregel strikte durchzuführen. Der Finanzminister Witte hat sich für die unter seiner Aufsicht stehenden Handelsschulen niemals um die 10 prozentige Norm gekümmert. Für die letztgenannten Schulen wird neuerdings sogar die unbeschränkte Zulassung der Juden projektirt. Der Kultus minister Wannowski ist aber Militär und diese sind in Rußland ebenso wie in Frankreich ausgesprochene An tisemiten. T. Feuilleton. i cb t! Von M. Dornbusch. .11 (Schluß.) Die Kleine gerieth in Verlegenheit und war diesmal froh, daß Josef, dem sie so sehr von Herzen gut war, sie jetzt nicht sehen konnte. Die Kinder erzählten zu Hause, wovon sie im Garten gesprochen. Nachmann suchte seinem Sohne diesen Gedanken auszureden, indem er meinte, nur die Allerfrömmsten hätten Hoffnung auf die Erfüllung eines zu solcher Stunde ausgesprochenen Wunsches. „Und bin ich noch nicht fromm genug," wendete der arme Josef ein, der sich an den Gedanken wie an seinen letzten Rettungsanker hatte, „so will ich von nun an noch frömmer sein. Ich bete ja alltäglich dreimal, genieße nichts ohne Segensspruch. Ich will noch inniger und andachtsvoller beten; vielleicht gewährt mir der Allmächtige die Gnade, daß ich an mir selbst das erfahre, was ich jeden Morgen, Seinen heiligen Namen lobpreisend, im Anfangsgebete spreche: „Boruch atoh pokeach iwrim!" (Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der Du die Blinden sehend machst!") Als dann Nachmann mit seiner Frau Sarah in Abwesenheit Josef's über die Sache sprach, bat ihn diese, das geliebte Kind von dem Plane abzubringen, um es nicht der Aufregung einer Enttäuschung auszusetzen. — „Das müßte ihm Lea wieder ausreden," meinte der der Mann. Das Ehepaar beschloß, sich dieserhalb mit den Eltern des Mädchens in Verbindung zu setzen, da das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.