Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 60 (1.8.1901)
- Date
- 1901-08-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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NWMWW 1316 denthümer; von dem Chassidismus bis zum Sonntagsgemeindethum, welche Fülle von Schattirungen und Abstufungen, und dies Alles sollte ein Judenthum sein? Gehört die Reform in milder oder wilder Form noch zum Judenthum? Cs gab einst eine Sekte im Judenthum. von der heute nur spärliche Reste vorhanden sind, die sicherlich weit mehr vom Judenthum hatte, als unsere Reform, und doch wurde sie als nicht zum Judenthum gehörig betrachtet. Ich denke hier an die Karäer, die an2s# min hielten und auch eine eigene Tradition ausbildeten, und doch hatten die Gcsetzestreuen den Muth. sie abzuschütteln, und das Judenthum genas auch wirklich von dieser Krankheit. Es ist mir daher unerklärlich, warum wir mit den Reformen so behutsam verfahren. Sie sind zweifellos weit weniger Juden, als die Karäer, sie glauben nicht an Cötpn fo min, verletzen stündlich die heiligsten Gebote und sie bauen auch ihrem Abfalle Stätten, wie dies der Prophet in einem kurzen, inhaltsschweren Satze ausspricht: roen ni^atip'i lrnny unb doch gehören sie noch zu uns. Es fehlt uns heute der richtige Muth und die wahre Begeisterung für das väterliche Erbe, daß wir es ruhig mitansehen können, wie sich Fremde auf dem Boden breit machen, den unsere Väter bestellt, der mit ihrem Herzblute getränkt und mit ihren Thränen benetzt ist. Uns fehlt heute ein Saadja, der den Kampf gegen die Reformer so führen sollte, wie einst gegen die Karäer. Es ist zwar äusierst schmerzhaft, ein Glied zu amputieren. aber die Amputation ist unbedingt nothwendig, wenn nicht der ganze Organismus vergiftet werden soll. Rabbi Simon b. Chalafta sagte einmal: na’pn rrrtv xb eiten ahn bn*>ttrb mm pnno „Gott fand kein geeigneteres Gesäß, das die Segnungen des Judenthums in sich fassen könnte, als den Frieden." Wenn aber die Segnungen schon verschwunden sind, dann bleibt der Friede ein leeres Gefäsi und um eines leeren Gefäßes willen sollten wir unsere Zukunft auf's Spiel setzen!? Friede kann keine Norm, kein oberstes Prinzip sein, dem sich Alles und Jedes anbequemen muß. Unsere Zaghaften schrecken immer vor dem Popanz der Intoleranz zurück und vergessen, daß sie durch diese Scheu, die Dinge beim richtigen Namen zu nennen, weit intoleranter sind als wir. Ist etwa der Katholik intolerant, wenn er den Protestanten Protestant nennt,? und doch ist selbst der Protestant noch mehr Katholik, als unsere Reformer Juden. Man pflegt auch an das Gefühl zu avvelliren. indem man geltend macht, daß wir doch schließlich Kinder eines Vaters sind, daß unsere EUern mit den ihren zusammen gelebt und gelitten, und ich will auch gestehen, daß es recht schwer ist, sich dieser Argumentation zu verschließen, aber wird müssen doch bedenken, daß sie nickt ihre Eltern und ihre Eltern nicht sie sind. „Der Fuchs sprach einmal zu den Fischen," so erzählt Rabbi Akiba, ..steiget doch hierher auf das Trockene und wir wollen friedlich beieinander wohnen, wie einst unsere Eltern beisammen gewohnt haben." Ja, aber seit einst hat sich Vieles geändert, aus dem Fisch ist ein Fuchs geworden! Wir müssen vollständig damit aufräumen, dem Gefühle bei derartigen einschneidenden Fragen eine Rolle zuzuertheilen. Bei den Fragen über das Sein oder Nichtsein des Judenthums heißt es, mit ruhiger Sicherheit und nüchterner Klarheit Alles zu erwägen. Der einzige Gesichtspunkt, von dem wir ausgehen dürfen, ist der, daß Gott uns einst am Sinai seine Thora überantwortete, daß wir dort geschworen, Hüter und Wächter der Lehre zu sein, daß wir gelobt, mit unserem Leben die Ganzheit des Gesetzes zu vertheidigen. Wir Alle waren dort am Sinai, für uns Alle hat der Schwur noch seine Gültigkeit, einerlei, ob unsere Wiege von den Cedern des Libanon, oder von den mächtigen Eichen beschattet gewesen, ob sie am Fuße der Alpen oder der Karpathen, an den Ufern des Dniepers oder der Themse gestanden hat, uns einigt der Väter gemeinsamer Schwur und mahnt zur Abwehr. Und wenn nun, wie ich zuversichtlich hoffe, der Läuterungsprozeß vor sich gehen wird, so müssen wir auch auf der Warte stehen und zusehen, daß auch zwischen uns und denen, die nicht zu uns gehören wollen, Klarheit werde. Wir werden dann befreit von dieser ärgsten Judennoth, wir werden die Flügel wieder erheben und unseren Zug in die Höhe wieder aufnehmen. Wir werden dann die Gedanken, für die wir zu leben berufen sind, weiter tragen, vom Schaffensglücke durchzittert weiterschaffen. Wir werden dann die Bausteine zu dem großen Weltentempel aufthürmen, in dem Alles vereint und geeinigt sein >vird. cmax by dos abi D’ja by niax aS aipn\ Zeitirngsirachrichleir und Correspoudenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 29. Juli. (Neues Hospital in I e r u s a l e m.) Das neue Hospital „Schaare Zedek" in Jerusalem ist fertiggestellt und soll gleich nach bnzr, nira eröffnet werden. Wie verlautet, werden sich einige Herren des Centralkomitees und andere zur Eröffnungsfeier nach Jerusalem begeben. Es dürfte weitere Kreise interessiren, daß bereits einige Zimmer und Betten gestiftet sind, und werden noch weitere Stiftungen entgegengenommen. Als Minimum ist für ein sechs Betten Raum gewährendes Krankenzimmer Mk. 10,000, für ein zwei Betten Raum gewährendes Krankenzimmer Mk. 6000 und für ein Freibett Mk. 5000 festgesetzt. Zur Bekundung einer solchen Leistung wird eine Marmortafel über dem Eingänge des betreffenden Zimmers bezw. über dem betr. Bette angebracht, auf welcher die Namen der Wohlthäter für ewige Zeiten verzeichnet werden. Für die Einzeichnung