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Der Israelit · 1901-04-15 · Heft 28-29 (15.4.1901) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 28-29 (15.4.1901)
Date
1901-04-15
Page
– (sequence 27)
Language
German
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673 )ntber[|iieadn, die göttlichen Wahrheiten gleichsam schauen, wenigstens geistig, wie sie es hören, denn das takte, verstandesmäßige Anseinandersetzen ist der Tod des religiösen Lebens und der Religionsunterweisung, und äußert sich .Keller hierüber mit folgenden Worten: „In dem Maße, in dem der Lehrer ein frischer, froher, nersiändiger und frominer Mensch ist, voll Lebenskraft nnd Kindeseinfalt, voll warmen Gefühls für das Edle nnd Göttliche, in demselben Maße wird er die Methode in sich haben, nnd im herrlichsten Sinne des Wortes ein Lehrer sein'" „Das Lehrerleben gleicht einer Lampe," sagt Schwarz, „in welchem die Berussliebe der Docht, die Menschenliebe das Del nnd die Gottesliebe die Flamme ist." Der Lehrer muß deßhalb einem geschickten Baumeister gleichen, der aus der vorhandenen Masie von Material dasjenige auswählt und im Borans dazu ausersehen hat, das ihm am geeignetsten und besten erscheint und es auch wirklich ist, dabei, die zu widmende Zeit, das Bedürsniß der Schüler, Alter, Geschlecht, Entwicklungsgang des kindlichen Geistes, Zweck und Ziel der softem. Religionslehre in's Auge fassend, in Rücksicht und Betracht ziehend. Um in irgend tvelcher Sache etwas Ersprießliches zu leisten, zu erlangen, zu Nutz nnd Frommen zn Tage zu fördern, bedingt „frühes Beginnen," Fleiß und unverdrossene Ausdauer, denn Morgenstunde hat Gold im Munde, und was man lernt in jungen Tagen, wird später goldene Früchte tragen. Legen wir uns nun zunächst unter Bezugnahme hierauf die Frage vor, w nun soll mit dem Unterrichte der system. Religionslehre als besonderer Lehrgegenstand begonnen werden, so lautet die beste, treffendste Antwort: „bei Zeiten," sobald es nur sein kann, und liegt nach meinem Dafürhalten ein sich bitter rächender Fehler darin, hiermit bis an's nahe Ende der Schulzeit warten zu wollen, denn nebst mancherlei anderen Gründen ist schon dagegen cinzuwenden, daß viele Zöglinge die Schule verlassen, ehe sie die Oberstufe erreichen, 2) je früher man beginnt, umso vertrauter werden die Kinder damit, und sie erscheint ihnen nicht als unentbehrliches Nebel, sondern durch den langjährigen Gebrauch als Uebel, sie zu entbehren,?>) sind fürwahr die oberen Klaffen ohnedies mehr in Anspruch genommen, und bis man die wichtigsten Momente nur berührt hätte, wäre die dafür zn verwendende Zeit schon verstrichen, ohne den erhofften Nutzen gebracht zu haben. Im dritten Schuljahre muß mit der system. Religionslehre begonnen werden, anfangs in den „bescheidensten" Grenzen, durchgehends wöchentlich zweimal, planmäßig von Klasse zu Klaffe in stufenmäßiger Progression, erweiternd und entwickelnd, vorwärts schrei! eno. Somit gelangen wir zum strikten Verlangen der Konzentratwn system. Religionslehre, die in innige Wechselbeziehung zu den übrigen Religionsdisziplinen tritt, zunächst Pentateuch und biblische Geschichte, durch Bezugnahme der einzelnen Stoffe desselben Faches, verschiedener und ganzer Fächer aufeinander, und wird hierdurch der Ungründlichkeit, Zerstreutheit und Zerfahrenheit gesteuert und einheitliche Bildung erzielt, denn nur dann ist das Wissen ein gesegnetes, wenn es dem „guten Willen" ein gefiigiges Werkzeug des Könnens ist. „Arbeilssam willst du sein, doch nicht Erholung missen, und beides möchtest du recht auszugleichen wissen: laß dir empfohlen sein, was Erfahrung mir empfohlen: von einer Arbeit dient die andere zum Erholen," mahnt uns das Kind der hiesigen Stadt, der Dichterfürst Rückert. Die Aehren, zerstreut auf dem Felde liegend, gehen uns verloren; erst das Band, welches die Halme zur Garbe eint, macht sie nutzbar zur Nahrung für Weib und Kind. So ist auch alles Wissen und der Gipfel desselben, religiöse Kenntnisse, nur dann in Wirklichkeit als Segen zu preisen, wenn es sich zusammenfaßt in dem Bande der Brauchbarkeit und Tüchtigkeit, einer pflichttreuen Gesinnung, veredelnden, sittlich-reinen und lauteren Zwecken dient. „Ganz kostbar ist der kleinste Kreis, wenn man ihn wohl zu pflegen weiß." So gestaltet sich der Unterricht system. Religionslehre, in vernünftige Verbindung gesetzt mit allen anderen Zweigen des Religionsunterrichts, zu idealer Bildung, indem er Ausbildung aller Seelenanlagen bewirkt, praktische Bildung verbreitet und zur Erlangung verwerth- und verwendbarer Produkte sein nicht geringes Schärflein beiträgt. „Der Mensch hat eine feste Bestimmung: harmonische Entwickelung all' seiner Kräfte und Fähigkeiten zum vollendeten Leben, und er soll ihr mit Sicherheit entgegengehen. Diese gibt chm bloß die Religion, .religiöse Bildung. Bon dieser Seite gestützt und geleitet, kann der Mensch sein Ziel nicht verfehlen. Nach einer gesetzlichen Einrichtung der Natur entwickelt sich, mit dem Eintritt des Bewußtseins, das Gefühl zum Gemüth, der Sinn zum Geiste, der Trieb zum Willen. Vom Bande des Glaubens zusammengehalten, wirken Gemüth, Geist und Wille fördernd ineinander ein und entwickeln im Menschen das höchste Leben, dessen er sich erfreuen kann und soll. Der Geist soll das Edelste erkennen, das Gemüth es lieben und der Wille es erstreben," spricht Heinrot aus. Dabei ist auf der Unterstufe ausschließlich die memoriale, auf der Mittelstufe die erotematische oder fragende, dialogische, Vortragende, überliefernde und emvfangende Lehrform anzuwenden, welch' erstbenannte nach Diesterwcg die einzig bildende genannt wird, denen sich noch in der Oberklasse die autodidaktische zugesellt, und ißt eigentliches Katechisiren, schon dem Wesen unserer Lehre nach, soweit es nicht die Erklärung vorher akromatisch gegebenen Stoffes bezweckt, von selbst ausgeschlossen, wie auch jene philosophirenden Beweisführungen, von denen bereits die Rede war. Der Lehrer läßt den Inhalt des Buches absatz-

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