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Der Israelit · 1901-04-15 · Heft 28-29 (15.4.1901) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 28-29 (15.4.1901)
Date
1901-04-15
Page
– (sequence 26)
Language
German
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672 ein Minimum rebu0>ren, und darf der Lehrer vor allem nicht zum bloßen „Verhörer" werden, indem er nur aufgibt, aufklappt, abhört, schließt und fertig! Nein und dreimal nein über solche system. Religionslehre, selbst wenn die besten Bücher zur Benützung dienen! Von diesen ist im Allgemeinen zu sagen, daß sie zuviel des Entbehrlichen enthalten, aber manch' Unerläßliches entbehren! Sie wollen aber auch gar nichts anders, als reine Hilfsmittel sein! So lesen wir beispielsweise in dem von Herrn Rabbiner Bamberger in Würzburg herausgegebenen „Leitfaden": Die Nützlichkeit oder Zulässigkeit der sog. Religionsbücher ist eine eontroverse Frage, deren praktische Lösung aber insoserne herbeigeführt, daß solche nunmehr fast allgemein eingeführt sind. Selbstoerständlich dürfen und können diese nur als Leitfaden betrachtet werden, welcher dazu dienen muß, an der Hand des Bibelunterrichtes insbesondere, sowie in Verbindung mit allen übrigen Lehrgegenständen der Religionsschule im allgemeinen als Hilfsmittel benützt zu werden," und Dr. Jacobsohn äußert sich in der Vorrede, zur ersten Auflage seiner Religionslehre: „Es macht diese Arbeit nur den geringen Anspruch, den eine unvollständige Skizze derart zu machen berechtigt ist. Der Lehrer, der den Religionsunterricht ertheilt, wird leicht das Schema zweckmäßig ausfüllen und dem Körper die nöthige Rundung und Fülle aus der eigenen Kenntniß der Religion zu geben wissen, da er, zumal der Religionslehrer, weit höher stehen muß, als sein Hilfsüuch." In der zweiten Auflage heißt es sodann: „Dieses Buch erfreut sich, ob der zweckmäßigen Einrichtung und der konzisen Skizzirung der Fülle des Materials auf kleinem Raume, des Beifalles der Jugendlehrer, die dasselbe durch alle Klassen der Elementarschule brauchen und „auf gutem Grunde weiter bauen." In der dritten Auflage lesen wird endlich: Der Verfaffer bringt darin viele Belege, daß unsere Religion die der „Liebe" ist und beweist die Ungerechtigkeit des Vorwurfes, als ob das alte Judenthum Gott nicht als V ater und dagegen für einen Rächer erkannt habe. Gehört doch in aller Wahrheit gerade diesem die ..Priorität" dieser, an sehr vielen Stellen gelehrten Erkenntniß. „Auch hier bleibt dem Religionslehrer noch viel Raum zur Erweiterung und Ausbreitung." Als dem bestgehaßten und allen möglichen Anfeindungen von außen unaufhörlich unterworfenen, zugehörenden Volke, müssen wir auch Rücksicht auf die Außenwelt nehmen, und solcherweise Religionslehre betreiben, daß Jedermann Einsicht in das nehmen und sich überzeugen kann, was wir den Kindern übermitteln, denn wir haben das Licht des Tages nicht zu scheuen! Anders verhielte es sich freilich, wenn wir keine system. Religionslehre als besonderen Unterrichtsgegenstand hätten, und es dem Ermessen des Einzelnen anheimfiele, zu geben und zu nehmen! Ein mangel- und lückenhafter Unterricht aus der system. Religionslehre darf daher nicht auf das Konto irgendwelchen in Gebrauch stehenden Lehrmittels gebucht, sondern muß mit Fug und Recht auf die Rechnung des betr. Religionslehrers gesetzt werden. Der schlechte Schreiber gibt meistens der Feder die Schuld, und mit der Religionsbelehrung nach system. Grundlage verhält es sich nicht anders, und Selbsterkenntniß ist der erste Schritt zur Besserung! „Den Aerzten und den Lehrern", sagte Kehr, „können allgemein leitende Grundsätze in Büchern gegeben luerben; aber wenn es gilt, sie auf besondere Fälle anzmvenden, ist jeder auf sein eigenes Urthcil angewiesen." Um den Unterricht aus der systematischen Religionslehre vor allem fruchtbringend zu gestalten, muß nebst bestmöglichster Vorbereitung des Lehrers für diesen zu behandelnden Gegenstand, auch geeignete Bezugnahme auf das praktisch-religiöse Leben nebenhergehen, und die Krone wird ihm erst aufgesetzt, wenn des Lehrers Führung, durch die That beweist, was sein Mund lehrt und für gut anpreist, Exemplifikation. Es ist demnach oberstes Ersorderniß, daß der Lehrer sei, 'was die Kinder werden sollen, ein gläubiger, pflichttreuer, frommer Jehudi, indem er den Kindern ein Musterleben vorlebt. Ueber Vorbereitung sagt Kellner: „Es muß anerkannt werden, daß es keinen planmäßigen, lückenlosen, anschaulichen und überhaupt wahrhaft erfolgreichen Unterricht geben kann, ohne sorgfältig und gewissenhaft präparirt zu sein." Betreffs Exemplifikation und spez. Beispiel des Lehrers äußert sich Kehr mit den Worten:: „Wenn die Schule eine Erziehungsanstalt sein soll und wenn in ihr die Kinder zur Erfüllung aller Tugenden erzogen werden sollen, dann ist vor allem nöthig, daß der Lehrer seine Schüler allezeit mit mustergiltigen Belegen bekannt und vertraut macht und selbst allezeit und überall ein Vorbild ist." „Bei der Erziehung und vor allem in Bezug auf Religion ist das Beispiel die Hauptsache, ohne dieses hilft kein Belehren und Zureden," sagt der Pädagoge Sailer. „Lang ist der Weg durch Vorschriften, doch kurz und wirksam der durch Beispiele." „Worte lehren, Beispiele ziehen an," ist ein altes Sprüchwort. „Kinder, welche ihrer Natur nach mehr sehen als hören, mehr nachahmen als nachlernen, richten sich mehr nach Werken, als nach Lehren. Was der Lehrer nicht übt, wenn er es auch mit goldenen Worten preist, wird nicht befolgt, denn was nicht aus dem Herzen kommt, dringt auch nie hinein; der Tod kann kein Leben erzeugen." „Ihr werdet niemals Herz zu Herzen schaffen, wenn es euch nicht von Herzen kommt," lautet ein Ausspruch Göthes. Das Beispiel des Lehrers ist der Gradmesser der Jugend, der beste Lehrmeister. Es gehört deßhalb ein lebenerweckender Unterricht dazu, auf daß in der Lehrerseele lebendig sei, was in den Kindern lebendig werden soll, dann hauptsächlich Lehrgeschick, daß die Schüler aus der Wärme und Gemüthstiefe, die sich in Ton, Auge und Miene

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