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Der Israelit · 1901-04-15 · Heft 28-29 (15.4.1901) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 28-29 (15.4.1901)
Date
1901-04-15
Page
– (sequence 19)
Language
German
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665 i^V'SPfjV" i i i! los werden. Wichtiger ist ferner die Fürsorge für die kleinen Gemeinden, die ohne Lehrer und Erzieher nicht im Stande sind, die für den Unterricht und den Kultus j nothwendigen Mittel aufzubringen, förmlich verwaist eine kümmerliche Existenz fristen. Diese Unglücklichen müßten wir vor geistigem und sittlichem Verderben zu retten suchen. Wie wir diesen Aufgaben gerecht werden sollen, darüber nachzusinnen, ist gegenwärtig hauptsächlich Pflicht aller derer, die es mit dem Judenthum ernst nehmen. Herr Plotke gibt dann noch einige sehr lobenswerthe praktische Winke und meint zum Schluß: > „Mit den Kosten eines „Delegirtentages," eines „Judentages," könnten diese praktischen Aufgaben erreicht und dadurch großer Segen geschaffen werden! Statt großer „Debatten," erhielten wir ein Feld großer „Wirksamkeit." Wenn ich die Phrasen unserer Vereinsjäger mit diesen vraktischen Vorschlägen vergleiche, fallen mir die i Kinder ein, welche ihrem Lehrer erklärten, sie wollten gerne einen Verein gründen, sie wüßten aber nicht für welchen Zweck. — Wenn die Herren absolut gerne Vereine gründen wollen, nach einem Zweck brauchen sie nun nicht mehr verlegen zu sein. 4 Zeitungsnachrichten und ILorrefponVenzcrr. Deutschland. Frankfurt a. M., Ende März. Den letzten Vortrag dieser Saison im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" hielt Herr Sigmund F r ä n k e l aus München über „Zangwill und die englische Ghetto- Novelle." In den Jahren 1890 und 1891, als die großen Austreibungen aus Rußland stattfanden, nahm ein Theil der Auswanderer seinen Weg nach Newyork, ein anderer nach London, wo plötzlich Judenviertel entstanden, die zufolge ihrer Eigenthümlichkeit bei Journalisten, Schriftstellern und anderen gebildeten Kreisen Interesse erweckten. Selbstverständlich hat die Civilisation manche Absonderlichkeiten abgeschliffen; aber das Bild jener, fernen Zonen entstammenden Judenquartiere mit der englischen Architektur im Hintergrund war eigenartig genug, um ähnliches, wie die alten Ghetti Bernstein und Franzos, so in England! einer ganzen Reihe von Schriftstellern Stoff zu einer < > ganz neuen Ghetto-Litteratur zu bilden. An ihrer Svitze steht Zangwill, geboren 1864 in London, als Sohn eingewanderter Russen. Schon in seiner Jugend schrieb er für ein kleineres Blatt, „The Jewish Standard," das bald einging, und entwickelte sich später zu einem hervorragenden Romanschriftsteller, dessen Themen nicht allein das Ghetto und seine Bewohner, sondern auch eine Anzahl weitergehender Stoffe bilden. < 'a Berühmt wurde Zangwill auch außerhalb Englands durch seine „Tragödien des Ghetto's," „Kinder des Ghetto's" und „Träumer des Ghetto's," aus welchen der Vortragende einzelne typische Charaktere, Stimmungen und Situationen herausgriff, um an ihnen die Art des Dichters zu schildern. Der Vortrag fand allgemeinen Anklang bei den zahlreich erschienenen Mitgliedern. Frankfurt a. M., 1. April. Am 30. und 31. März fanden die öffentlichen Prüfungen der Israelitischen Religionsschule, die von Herrn Rabbiner Dr. Horovitz geleitet wird, statt. Das Lehrerkollegium besteht aus zehn Lehrern und drei Lehrerinnen. In den beiden Schulgebäuden wurden im verflossenen Schuljahre 369 Zöglinge unterrichtet. Ferner erhielten an den drei Gymnasien und der Adlerflychtschule 163 Knaben Religionsunterricht. Das Bethhamidrasch wurde von 18 Hörern besucht. Dort widmete namentlich Herr Jacob Posen in uneigennützigster Weise seine bewährte Kraft dem Unterrichte. Auch in der Vorbereitungsklasse für den rabbinischen Beruf bemühte er sich in gleicher Weise, ebenso wie der Direktor, um die Ausbildung der Hörer. Für diese seit langen Jahren fortgesetzte Thätigkeit im Interesse der Kenntniß unserer heiligen Lehre hat sich Herr Posen große Verdienste um die Heranwachsende Jugend erworben. Die Prüfung der Schulkinder in Talmud fand am 31. März, Nachmittags, in Gegenwart des Direktors, des Herrn Prof. Werner, Herrn Jakob S. Posen und des Herrn L. Mainz statt, die sich über die Kenntnisse der Kinder höchst befriedigt zeigten. Dem Programm der Religionsschule sind als Anhang zwei Reden beigegeben, die Rabb. Dr. Horowitz zum Andenken des sel. Freiherrn Wilhelm Carl von Rothschild hielt. Könitz, im April. Das Verfahren gegen die Familie Rosenthal aus Kamin, welche unter der Anschuldigung der Anstiftung zum Meineide in Verbindung mit der .Konitzer Mordaffaire sechs Monate lang in Untersuchungshaft gewesen war, ist heute auf Gerichtsbeschluß eingestellt worden. Sämmtliche vier Angeschuldigte wurden außer Verfolgung gesetzt und aus der Haft entlassen. Granden;, 2. April. Am Freitag, 29. März, Abends um 6 Uhr, kurz vor dem Sabbatgottesdienste, fand in der hiesigen Gemeindesynagoge die feierliche Amtseinführung des Herrn Rabbiner Dr. L e v y , bisher Großherzoglicher Landrabbiner in Birkenfeld, statt. Zu dieser Feier waren auch die Spitzen der städtischen Behörden und die Direktoren der städtischen Schulen erschienen. Der neue Rabbiner wurde von den beiden Vorstandsmitgliedern, den Herren Levy und Kiewe, abgeholt und an dem Eingänge des mit Blattpflanzen, Blumen und Guirlanden herrlich geschmückten Gotteshauses von den Vorsitzenden des Vorstandes und der Revräsentanz empfangen und auf den Almemor geleitet. Beim Eintritte intonirte der Synagogenchor

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