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Der Israelit · 1901-04-15 · Heft 28-29 (15.4.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 28-29 (15.4.1901)
Date
1901-04-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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'H? ffv: -77> •v^’#'. 652’ hiesige Wohlthätigkeitsvereine: die Chewra Smichas Dallim, die Chewra Gemilus Chassodim, der unter Leitung der Frau B. Auerbach stehende israelitische Frauenverein, der Kölner Verein für Volkswohl, unter Leitung des Herrn Justizrath Compes, ebenso die hiesige Synagogengemeinde unterstützen den Verein in dankenswerther Weise fortlaufend seit vielen Jahren. Die Erben des sel. Herrn Simon Simon überwiesen der Anstall ein Kapital von 6000 Mk., dessen Zinsen alljährlich am Sterbetage des Heimgegangenen zur Vertheilung von Kleidungsstücken an die bedürftigen Kinder verwendet werden. Möge das Interesse der israelitischen Mitbürger Kölns an dieser so vielseitig und segensreich wirkenden Anstalt stets reger werden! Der wohlthuende Eindruck, welchen die Besucher beim Anblicke der frohen und freundlichen, geistig regsamen und gesitteten Kinderschaar empfangen, muß derselben stets neue Freunde und Gönner erwerben! Wer gibt nicht gerne sein Scherflein dazu her, wo es gilt, einem armen Kinde, dessen Eltern dem Erwerbe nachgehen müssen und welches, ^aheim ohne jede Aufsicht, körperlichen und geistigen Gefahren ausgeseht ist, ein Heim zu bereiten, in welchem ihm alles geboten wird: Liebe, Pflege und geistiges Gedeihen! Oester r. - Ungar. Monarchie. Budapest, 14. April. Das nun entgültig abgeschlossene Resultat der Volkszählung ergibt für Budapest eine Seelenzahl von 703,448. Zur Zeit der Zählung befanden sich hier 9935 Durchreisende und Gäste. Von den Bewohnern der ungarischen Hauptstadt waren Katholiken: 427,112. (60.7 pCt.) Zunahme im letzten Dezennium 112,277 — 35.6 pCt.; Evangel.: 37,170 05.3 dCt.) + 9946 36.9 pCt.; Reformirte: 62,837 (8.9 PCt.) -f- 26,725 74 pCt.; Israeliten 166,198 (23.6 pCt.) + 63,821 62.3 pCt.; Andersgläubige 10,131 (1.5 pCt.) -f 4008 65.4 pCt. Gotteshäuser befinden sich in Budapest außer einigen kleinen Lokalen 50, und zwar für Katholiken 27, Reformirte 6, Lutheraner 3, Unitarier 1, Griechisch-Kathol. 1, Griechischoriental. 4, Israeliten 7, Baptisten 1. Der Gottesdienst wird in zwölf verschiedenen Sprachen zelebrirt, darunter in deutscher Sprache in 32 Gotteshäusern und zwar in 31 neben anderen Sprachen, in einem ausschließlich. Frankreich. Nizza, im April. Bei der Vorstellung des isr. Konsistoriums erklärte der Rabbiner, daß alle seine Glaubensgenossen von glühendem Patriotismus erfüllt seien. Präsident Loubet ewiederte, die Demokratie mache leinen Unterschied unter guten Franzosen, was auch ihr religiöses Bekenntniß sein möge. Feuilleton. E ine gebildete Von Wabette Isried. 5s „So oft es nur anging, suchte ich mich diesen Spaziergängen unter irgend einem Vorwände zu entziehen; und während die Anderen paarweise unter Aufsicht der Lehrerin vor das Thor gingen, um frische Luft zu schöpfen, schlich ich mich in das leere Bibliothekzimmer und las hier, las ohne Wahl, was mir unter die Hand gerieth, nahm auch insgeheim ein oder das andere Buch an mich, um in unbewachten Momenten dessen Inhalt zu verschlingen. Da habe ich den Grund zu dieser unseligen Belesenheit gelegt, welche mir seither wie ein Fluch anhaftet, mich so oft dem Spott und Hohn der Menschen aussetzte, und meinem Charakter die Richtung gegeben, welche mich der ganzen Welt, und sogar meiner eigenen Familie entfremdet hat. Denn eigentliches Wissen ist es ja nicht, das ich mir auf diesem Wege erworben, trotzdem in mir ein Wissensdurst lebte, wie er heftiger von keinem reifen Manne empfunden werden konnte. Und zur tiefen unendlichen Oual wurde mir dieser Wissensdurst, weil er nicht befriedigt, sondern von den Leitern der Anstalt mit Güte und Strenge unterdrückt wurde, ohne daß dieselben vielleicht eine Ahnung davon hatten, wie tief mein Kindergemüth unter dieser Einschränkung litt. Es gab damals keinen anderen Beruf, der einem studirten Mädchen offen stand, als der einer Privatlehrerin, Gouvernante. Zu diesem Berufe wurde mir jede Fähigkeit von unserem erfahrenen Pädagogen abgesprochen. „Dienen ist des Weibes Los auf Erden; die hier gedienet, ist dort oben groß!" Diese künftige Größe wurde mir von meinem gütigen Vormunde zugedacht. Nach Absolvirung der vier Volksschulklassen wurde ich in Dienst gegeben. Ich wurde Dienerin, später so eine Art Gesellschafterin, gleichzeitig das, was man jetzt Stütze der Hausfrau nennt, bei einem sehr vermögenden, kinderlosen Ehepaar. Man behandelte mich sehr gut, war überaus freundlich gegen mich, wenn die alte Frau eben nicht durch ihre Nervosität zu leiden hatte. Man muthete mir weder viele, noch schwere Arbeit zu, und ich durfte nach Herzenslust lesen, soviel und was ich wollte. Das war die einzige Zeit in meinem Leben, wo ich vollkommen zufrieden lebte. Dieser angenehme Zustand währte so lange, bis ein Neffe und gleichzeitig Adoptivsohn meiner Herrschaft, der nach Beendigung seiner Studien, die er an einer ausländischen Universität vollendete, in's Haus seiner Adoptiveltern gekommen war, und mir bald eine größere Aufmerksamkeit zuzuwenden begann, als es sich für eine Person in meiner Stellung paßte. Dies

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