Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-04-15 · Heft 28-29 (15.4.1901) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 28-29 (15.4.1901)
Date
1901-04-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449174--53107-2503702
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

651 hamsohn aus Gr. Tapolcssany (Ungarn) war seit drei Jahren ein Schiller des Herrn Rabbiner Dr. Breuer. Mit seltenem Fleiß oblag er seinen Studien, und mit hingebungsvoller Liebe theilte er auch Andern von dem reichen Schatze seines Wissens mit. Sein Lehrer beweint den Verlust seines geliebtesten und talentvollsten Schülers, seine Eollegen einen treuen und liebevollen Freund, der ausgedehnte Kreis seiner Schüler und Freunde einen allzeit opferbereiten und gewissenhaften Lehrer — und schließlich — der tiefbetrübte Vater einen hoffnungsvollen Sohn von 24 Jahren. Die "S fand am -■tr p-i-x statt. Ueber dreihundert Menschen fanden sich ein, um dem Sohne der Fremde, der aber den Meisten nicht mehr fremd war, die letzte Ehre zu erweisen. Mit dem Bruder des Verblichenen gingen die Lehrer der Jeschiba. Man merkte, daß der hochehrwürdige und hochverdiente Leiter der Jeschiba, Herr Rabbiner Dr. Breuer mit väterlicher Liebe seine Schüler umgibt. Tief ergriffen ging er seinen Schülern voran, um seinen Liebling der Erde zu übergeben. Sodann kam das Komitee der Jeschiba. An dieses schlossen sich dann die Uebrigen an. Alle waren tief ergriffen, denn Alle wußten, daß man in dem Verstorbenen viel verloren. Möge die Trauer wieder in 2'" 2verwandeln, wie der Jomtof in einen Trauertag verwandelt wurde. Möge Er den tiefbetrübten Vater, die trauernden Geschwister und Freunde trösten. Und ihn, den Verblichenen, lasse Er der Seligkeit theilhaftig werden, die Er für seine Frommen aufbewahrt. Hamburg, 14. April. Daß sich das „Passahblutmärchen" auch unter der nüchternen protestantischen Landbevölkerung unserer Gegenden einnisten würde, hätte man früher auch nicht geglaubt. Dem Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ist auch dieser „Fortschritt" Vorbehalten geblieben. Am Ostermontag wurde auf der Holmer Feldmark, die sich gegen den holsteinischen Ort Uetersen hin erstreckt, ein scheußlich verstümmelter männlicher Leichnam gefunden. Der Körper war total zerstückelt, Arme und Beine gänzlich abgeschnitten, Brust und Leib aufgeschlitzt. Der Ermordete scheint 18 bis 20 Jahre alt gewesen zu sein; Tätowirungen an den Armen lassen darauf schließen, daß er ein Matrose war. Die Leiche muß schon mehrere Wochen an der Fundstelle gelegen haben. Wie nun der „R. H. Ztg." gemeldet wird, ist in den Orten der Nachbarschaft sofort das Gerücht verbreitet worden, es sei ein „Ritualmord" geschehen, da die Leiche zerstückelt loar und das Verbrechen kurz vor Ostern begangen sein muß. Unglücklicherweise ist es auch in diesem Falle nicht sehr wahrscheinlich, daß man den Thäter ergreifen wird, zumal es noch nicht einmal gelungen ist, die Identität des Ermordeten festzustellen. Köln, Ende März. Mir dieser Woche wurde das Wintersemester in der hiesigen israelitischen Kinderbewahranstalt, Vayardsgasse 7, beschlossen. Dieselbe 'si mit einer Suppenanstalt, Haushaltungsschule und einem Kinderhorte verbunden. Die Anstalten stehen unter Leitung der Frau Seminardirektor Plato und und von einer großen Anzahl Kinder besucht. In der „Bewahranstalt" werden 80 Kinder gehütet, nach Fröbel'scher Methode von einer geprüften Kindergärtnerin und deren Gehülfinnen beschäftigt, gespeist und gepflegt. Der unverkennbar wohlthuende erziehliche Einfluß, welchen die kleinsten Zöglinge hier empfangen, zeigt die segensreichsten Folgen auch für die nachfolgende Schulzeit. In der „Suppenanstalt" für unbemittelte Kinder ivurden in diesem Winter 7000 Portionen an solche Schulkinder verabreicht, welche von dem Lehrpersonal der hiesigen israelitischen Volksschule als bedürftig empfohlen worden sind. Den „Kinderhort" besuchten täglich 64 Kinder. Dieselben kommen nach der Schule dorthin, erhalten ihr Vesperbrot, fertigen unter Aufsicht eines Lehrers und einer Lehrerin ihre Schularbeiten an und bringen die übrige Zeit mit angemessener Beschäftigung, Spiesen und dergl. zu. Nur ungern verlassen die Kinder des Abends die Anstalt, die ihnen ein zweites Heim bietet. Die „Koch- und Haushaltungsschule," deren Besuch für die oberste Mädchenklasse der israelitischen Volksschule obligatorisch ist, steht unter der Oberaufsicht des Herrn Schulrath Dr. Brandenberg. Sie ist nach dem Muster der städtischen Kochschule eingerichtet und wurde von 24 Mädchen besucht. Die praktische Einrichtung der Anstalt bewährte «ich ganz besonder« in diesem Sommer, als Tausende rumänischer Auswanderer von dort aus auf der Durchreise nach Rotterdam hier in Köln beköstigt wurden. Oft kam erst kurze Zeit vorher eine Depesche aus Mainz, tvelche die Ankunft eines Schiffes mit mehreren hundert Unglücklichen anineldete, und dennoch fanden alle bei ihrer Landung warme, gute Nahrung vor. Die Mittel hierzu spendete das „Hilfskomitee Köln zur Unterstützung nothleidender osteuropäischer Juden." Augenblicklich werden auf Kosten desselben Komitees sechs rumänische junge Mädchen in der Anstalt ausgebildet, um sieb als Dienstmädchen oder Stützen der Hausfrau ihr Brod zu verdienen. Dieselben werden von einer gevriiften Haushaltungslehrerin svstematisch angeleitet. Der Verein zur Unterhaltung dieser Anstalten, welcher seit dem Jahre 1808 Korporationsrechte besitzt, ist Dank der Wohlthätigkeit hiesiger Glaubensgenossen im Stande gewesen, das Haus Bahardsgasse 7 als Eigenthum zu erwerben. Die stetig zunehmende Freauenz der Anstalt zwingt indessen zu erhöhten Leistungen, so daß eine Vergrößerung des Hauses durch Anbau unerläßlich erscheint. Leider stehen dem Vereine nur beschränkte Mittel zur Verfügung. Er ist direkt von den Spenden der Gönner abhängig, da er nicht im Stande war, Kapitalien anzusammeln. Verschiedene

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.