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Der Israelit · 1901-07-29 · Heft 59 (29.7.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 59 (29.7.1901)
Date
1901-07-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1309 lediglich ein Ansporn fiir spätere gleiche Mordthaten war, daß ein tiefes bitteres Mißtrauen gegen die Rechtspflege im Herzen des Volles zurückblieb, daß man den Boden seiner gewissenhaften Pflicht ans Opportunismus verließ, wurde nicht weiter in Anschlag gebracht. Aach dem Andrassy'schen Rezepte arbeitet heute wieder die „Köln. Zeitg.," die schon bei der Untersuchung des Xantener Mordes — mit ihren liberalen Phrasen von der Zeugcnsuggestion — die gleiche unheil volle Rolle der Verdunkelung zu Gunsten des Judenthums gespielt hat. Sie benutzt nämlich den Schillerprozeß dazu, um die jetzige Konitzer Staatsanwaltschaft, deren Mnth und Umsicht man zu allgemeinem Dank verpflichtet sein sollte, einznschiichtern, indem sie die Unterlassung weiterer Anklagen verlangt." Der „Reichsbote" zitirt dann einen Artikel des rheinischen Blattes, in dem gesagt lvird, daß die Verwirrung der Geister in Könitz den Beweis durch den Eid als fraglich erscheinen läßt und Daß daher nur in solchen Fällen dort Anklage erhoben werden sollte, in denen der Schuldbetveis mit vollkommener Sicherheit geführt Hierbei! kann. Es liegt ein gewisser Humor darin, daß die „Köln. Zeitung." als Helfershelferin der Juden hingestellt wird. Der „Reichsbote" versteigt sich bis zu der wahmvitzigen Phrase, daß der Liberalismus bereit sei, „den Juden Mordfreiheit zu gewähren," und fährt dann fort: „Im Zusammenhang mit diesem Treiben wird man gut thun. auch auf die Minirarbeit gegen den christlich-gesinnten Justizminister Schönstedt zu achten. Er steht seit seinen parlamentarischen Auslassungen betreffs Könitz und der jüdischen Assessoren auf der schwarzen Proskriptionsliste. Der direkte Ansturm hat nichts geholfen, jetzt scheint man einen Umweg über die Militärbesreiungsprozesse wählen zu wollen. In der liberalen Presse tauchen plötzlich Tendenzmeldungen auf, daß der Kaiser sich habe Bericht erstatten lassen, daß er mit dieser und jener Einzelheit angeblich sehr unzufrieden gewesen wäre, daß der Justizminister schon einmal vor seiner Entlassung gestanden hätte u. s. w. Wer heute zum Sturze Schönstedts mitwirkt, erfüllt lediglich einen Lieblingswunsch des Judenthums. Auf dessen Linie liegt ebenso allein der Versuch, die tüchtige, objektive Untersuchungsarbeit des Staatsanwalts Schweigger in Könitz zu stören oder einzuschränken. Oder gehört dies etwa zui einem höheren Programm?" Solche Leistung verdient niedriger gehängt zu werden. Vielleicht wird dem Justizminister Schönstedt vor diesen Freunden und Beschützern doch bange werden. Koniü, 28. Juli. Ueber neue Verhaftungen wegen des Svnaaogenbrandes wird folgendes berichtet: Unter dem Verdacht, die hiesige Svnagoge am 12. Juni v. Js. in Brand gesetzt zu haben, wurde nunmehr auch noch der Arbeiter Daenert aus Könitz verhaftet. Wie verlautet, ist die Behörde auch den Anstiftern zu diesem | Verbrechen auf der Spur. Miltenberg. Am hiesigen Platz würde ein jüdischer Metzger, gewandter Mann, dessen Frau eine gute Wirthschafterin ist, ein gutes Auskommen finden. Entsprechende Lokalitäten sind leicht erhältlich. Eine damit verbundene Restauration würde gut rentiren. Es eristiren hier höhere Schulen, die von auswärtigen isr. Kindern freqnentirt werden. Miltenberg ist eine schöne Stadt, gesund, und kann sogar als Luftkurort dienen; dieselbe wird alljährlich von vielen Fremden zu diesem Zwecke besucht. Rußland. Tiflis. (A u s tv e i s u n g e n.) Seit einiger Zeit lvird hier von Amtswegen wieder einmal die Judenjagd betrieben. Dabei geht das Bestreben der Behörden dahin, nur recht viel Juden aus Tiflis auszuweisen, gleichviel, ob die Ausweisungen zu recht oder zu unrecht geschehen. Ueber die Zahl der Ausgewiesenen liegen genaue Angaben nicht vor, daß sie jedoch sehr groß sein muß, geht schon ans der Thatsache hervor, daß nicht weniger als 120 Familien gegen ihre Ausweisung beim Gouverneur Beschwerde eingelegt haben. Wie groß muß erst die Zahl der Ausgewiesenen sein, welche ihre Ausweisung still hingenommen und ohne .Klage Tiflis verlassen haben. T. P a l ä st i n a. Jerusalem, im Juli. Daß die Lage der hiesigen Bnchdrnckereien sich in letzter Zeit bedeutend verbesserte, ist ivohl dem Umstande zu verdanken, daß die Verfasser von Kommentarien zu der heil. Schrift und Verleger ihre Werke um so lieber hier drucken lassen, als sie hier nicht theurer zu stehen kommen, als in Europa und Amerika, von wo aus sogar nicht selten hier solche Aufträge eintreffen. Die neue Maßregel des Unterrichts-Ministeriums, welche sämmtliche Buch- und Steindruckereien unter strenge Aufsicht der Censur (sog. Maares) stellt, hat auch viel zur Belebung und Hebung des Druckgewerbes beigetragen. Aeeidenzarbeiten. wie Neujahrsglückwünsche auf ganzen Bogen, Wandkalender u. dgl. werden in großer Anzahl erzeugt und sogar erportirt. Neulich erschien in einer hiessaen Druckerei ein origineller Abreißkalender in vier Abtheilnngen für Israeliten (in hebräisch), Russen. Deutsche und Mohamedaner. Die Löhne der hiesigen Buchdruckergebilfen sind durchschnittlich dieselben wie in Europa, da hier die Lebensmittel ebenso theuer sind wie dort. Ein Setzer für die hebräische Svrache bekommt bei einer zehnstündigen Tageszeit im Sommer und neunstündiger im Winter durchschnittlich Frs. 15 ver Woche. (In Eurova ist der durchschnittliche Verdienst 25 Frs. ver Woche bei neunstündiger Arbeitszeit. Red.) Setzer für Arabisch und die europäischen Sprachen verdienen bedeutend mehr. Es mangelt hier selten an Gehilfen, aber ebenso findet man auch keine Arbeitslosen in dieser Branche, da sich diejenigen, die keine Arbeit erhalten,

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