Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 59 (29.7.1901)
- Date
- 1901-07-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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WWW 1302 vertraut man den "vn-iB2 rive» die Seele an. Zur Ehre des Judenthums sei es gesagt, daß solche Erscheinungen in orthodoxen Kreisen äußerst selten sind. Die Verhältnisie können aber nicht wesentlich bester sein, wenn der Metzger Einfluß besitzt, und der berufsmäßige Schochet ihm untergeordnet ist. In dieser Beziehung sieht es auf dem platten Lande, wo das „Mädchen für Alles" diesen Dienst versieht, sehr traurig aus. Dort ist der Lehrer der Gnade des Fleischers unterworfen und seiner Willkür und Laune schonungslos preisgegeben. Jeder College kann von der rohen, unmenschlichen Behandlung ein Liedchen singen, wenn er nicht alles koscher machen will. Die Feder zittert in der Hand, die Schamröthe steigt uns in's Gesicht, wenn wir die Beleidigungen, wenn nur nicht Schlimmeres — nur annähernd reproduzieren. Während der Metzger vor dem niedrigsten Beamten, dem Fleischbeschauer, winselnd in den Staub kriecht, kühlt er in maßloser Dreistigkeit sein Müthchen an den wehrlosen Vertretern des göttlichen Gesetzes, der „von ihm lebt," ergo für den Preis seiner Freundschaft zum Sündenbock dienen muß. Hat er noch dazu das Machtwort in der Gemeinde, oder buhlt eine kokette Vorstandschaft um sein huldvolles Lächeln, dann wehe dem pflichttreuen Beamten, welcher sich nicht fügt und den Allwistenden nicht betrügen will. Ohne Erbarmen wird ihm der Laufpaß zugeschickt, und die Behörden haben für seine Proteste taube Ohren, da er rechtlos ist. Dem Lehrerstand wäre mehr gedient, wenn unsere Freunde anstatt der wegen eines angeblichen Strohhalmes in Szene gesetzten Komödie wider den „Israelit," welche nur erregt, gegen solche tief in's Fleisch schneidende Peitschenhiebe, worunter mancher Kollege moralisch verblutet, ein gellendes Geschrei des Entsetzens erheben würden. Wohlwollende, vernünftige und fördernde Ermahnungen ertragen wir gerne, "prwi ddi-6 ron, und die Wahrheit, daß wir nicht vollkommen sind, ist ein Sporn weiterer Thätigkeit. Dem edlen Spender, der uns die süße Frucht in bitterer Schale reicht, sind wir herzlich dankbar, ’BrriK ’yjiö q'Jökj o^tro 27). Wir wollen nicht einseitig urtheilen und dürfen darum umsoweniger verkennen, daß oft durch Mangel an Gewandheit und praktische Tüchtigkeit die Unzufriedenheit der Metzger hervorgerufen wird. Während der Pole zwei Jahre praktiziert, amtirt der Deutsche nach sechswöchentlicher Lehrzeit. Da man in diesem kurzen Zeitraum keine Fertigkeit und gründliche Einsicht in die verschiedenen Variationen der Schechita erlangen kann, sind Schüchternheit und Aengstlichkeit die natürlichen Folgen. Durch das unsichere Auftreten schwindet rasch das Ansehen, und der Fleischer, welcher ohnehin den Schulchan Aruch bester als Rabbi Josef Karo versteht und mit staunenswerther Schlagfertigkeit jederzeit einen min auf Lager hat, wird sich bald nichts trefah machen lasten, oder er selbst wird — der Lehrmeister. Die Ursachen der lückenhaften Ausbildung liegen theils in unserer „Heeresleitung," welche die Schechita als Privatsache betrachtet, theils in der Ueberbürdung der verschiedenen Berufszweige. Der Lehrer auf dem Lande soll für 600 Mk. p. a. und X-Fußtritte mit den Eigenschaften eines Sulzer, Pestalozzi, Jellinek ete. in harmonischer Einheit ausgestattet sein, und er kann daher nicht mehrere Jahre zur Erlernung der Schechita verwenden. Durch solche Betrachtungen finden wir Material, vor den eigenen Thüren zu kehren, und inbrünstig auszurufen: von 'n pnx. Sein Walten sei uns ein Fingerzeig, daß ein Altar, auf dem die Unschuld und Pflichttreue geopfert tvird, ihm ein Greuel ist v:b bv pnp b ~Bfc>i oo mvb kbu* b-»6 cd-d 2Kb.> Wenn die Splitter aus dem ivunden Fleisch entfernt sind, kann der Körper wieder genesen. Wenn wir ernstlich bestrebt sein werden, die herrschenden Uebelstände nach Möglichkeit zu beseitigen, um diese Mizwah strenge nach dem Willen Gottes in makelloser Reinheit auszuführen, können wir zuversichtlich hoffen, daß Niemand seine Stimme gegen uns erheben tvird. „Ein Flachsmann und Weidenbatlin." Nostock, 26. Juli. Unserm vorläufigen kurzen Bericht über die Behandlung der Schächtfrage auf dem „24. deutschen Fleischertage" lassen wir nachstehend noch eine ausführliche Mittheilung folgen: Es folgte der Antrag des Bezirks-Vereins für das .Königreich Sachsen: „Der deutsche Fleischerverband möge durch Petition an die Reichsregierung, oder in sonst geeigneter Weise Schritte unternehmen, daß das bisher nur für das Königreich Sachsen erlassene Verbot des Schächtens auch auf die übrigen deutschen Bundesstaaten ausgedehnt werde." Der Referent, Obermeister Nitschmann - Leipzig, führte dazu aus: Als die königlich sächsische Staatsregierung seiner Zeit das Schächtverbot einführte. wurde sie dabei von einer ganzen Reihe sehr wichtiger Gründe geleitet, deren erheblichster wohl der war, daß durch wistenschaftliche Guchtachten festgestellt worden war, daß es sich bei dem Schächten keineswegs um eine religiöse, sondern um eine rein sanitäre Maßnahme und Anordnung handelte. Diese Feststellung mußte weiterhin zu der Erkenntniß führen, daß solche sanitären Maßnahmen unter den heutigen Verhältnisten absolut keine praktische Bedeutung mehr hatten und daß sich demgemäß die Gestattung des Schächtens als ein Vorrecht der iüdischen Gemeinden darstellte, mit dessen Beseitigung die Regierung sowohl dem Rechtsbewußtsein des Volkes, wie auch dem Interesse des sächsischen Schlächtergewerbes entgegenkam. Als die Regierung diese Verfügung erließ, nahm sie aber als selbstverständlich an, daß die übrigen Bundesstaaten das Verbot als ein gutes Vorbild betrachten und es