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Der Israelit · 1901-04-02 · Heft 26-27 (2.4.1901) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 26-27 (2.4.1901)
Date
1901-04-02
Page
– (sequence 27)
Language
German
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geblieben fein und bleiben, da die jungen Leute, abgesehen von den Fachkenntnisten und dem sonstigen in der Fortbildungsschule erworbenen Wissen, in Ahlem körperlich gekrästigt und an treue Arbeit gewöhnt worden sind. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß in dieser Beziebung die Lehrzeit in Ahlem auf alle Fälle eine nachhaltige gute Wirkung auch in die Zukunft hinein ausübt. Die Zahl der Zöglinge betrug Anfangs 1901 46 Lehrlinge und 69 Schüler, so daß die Anstalt bis auf den feilen Platz besetzt ist. Mit Rücksicht auf die große Nothlage der jüdischen Bevölkerung Rumäniens bat die „I. K. A." uns in diesem Herbste acht junge Rumänen an Stelle abgegangener Russen als Lehrlinge zur Ausbildung überwiesen. Eine äußere Anerkennung ward unserer Gärtnerei auf der im Herbst 1900 stattgehabten Provinzial-Obstbau-Ausstellung in Bremen zu theil. In allen drei Klassen, in denen nur ausgestellt hatten, wurde uns der „erste Preis" zuerkannt (silberne Medaillen nebst zusammen 60 Mk. baars nämlich: 1. für die beste Sammlung von hochstämmigen Obstbäumen, 2. für die beste Sammlung gut gezogener Zwergobstbäume und 6. für die beste und zweckmäßigste Vorführung von Obstbäumen und Fruchtsträuchern. _ Ueber die Errichtung einer Mädchen-Abtheilung haben wir bereits schon früher ausführlich berichtet. Würzbnrg, 26. März. Heute fand dahier die Verhandlung gegen den Redakteur der „Neuen Bayr. Landeszeitung" wegen der im vorigen Jahre, wie ich Ihnen s. Zt. berichtete, verbreiteten Fleischbesudelungslüge statt. Der Beklagte hatte einen enormen Zeugenapparat aufgeboten, um zu beweisen, daß die damals vorhandene Beunruhigung nicht durch seine Hetze, sondern durch die gerichtliche Feststellung von Unreinlichkeiten im Geschäfte eines Haßfurter Metzgers hervorgerufen war. Außerdem hatte er zwei Sachverständigen-Gutachten, und zwar von dem Leipziger Privatgelehrten Dr. Bischofs und dem längst zu trauriger Berühmtheit gelangten Wiener Pfarrer Dr. Deckert, einholen lassen, während die Amtsanwaltschaft Herrn Prof. Dr. Wünsche in Dresden hatte vernehmen lasten. Trotz der zum Theil ausführlichen Bekundungen der Belastungszeugen, die erwiesen, daß die Beschuldigung des „Talmud" die Beunruhigung hervorgerufen habe, kam das Gericht zu der Ansicht, daß der Fall „Frank- Haßfurt" die eigentliche Ursache der Unruhe gewesen sei, daß deßhalb dem Beklagten eine direkte Schuld nicht nachgewiesen sei und er nicht verurtheilt werden könne. Nichtsdestoweniger hatte die Verhandlung einen erfreulichen Erfolg, indem die kurze vorläufige Urtheilsbegründung ausdrücklich konstatirt, daß „nach allen vorliegenden Gutachten — auch denen der Gewährsmänner des angeklagten Redakteurs — für das Vorhandensein einer Fleischbesudelungsvorschrift im Talmud kein Anhaltspunkt gegeben sei." Wenn das ausführliche Urtheil und seine Gründe vorliegen, wird es vielleicht Zeit sein, auf die Angelegenheit und ibre Bedeutung zurückzukommen. O e st e r r. - U n g . Monarchie. Budapest, im März. Die Katholische Volkspartei, die um jeden Preis auch dem Antisemitismus aufhelfen will, hat in jiingster Zeit eine Menge von angeblichen Kreuzschändungen entdeckt und für ihre unlauteren Zwecke ausgenützt. Selbstredend hatte ste auch auf dem flachen Lande dienstbereite Helfershelfer, und jeder Bericht über eine .Kreuzschändung war ihrem Leiborgan natürlich sehr willkommen. So hat auch der Direktor des Erlauer katholischen Lehrerseminars, Josef Babik, in chrem Blatte die Nachricht veröffentlicht, daß von einer Statue des heiligen Stefan das Kronenkreuz abgebrochen worden sei. Selbstredend konnten das — wie der Berichterstatter meinte — nur die Juden gethan haben. In den dem Erzbischof nahestehenden Kreisen erregte diese Nachricht großes Befremden, umsomehr, da es allgemein bekannt war, daß dieses Kreuz schon längere Zeit fehle, und die Nachricht wurde sofort in dem offiziellen Organ des Erzbischofs einfach als Lüge bezeichnet.' Die eingeleitete Untersuchung konstatierte mit voller Bestimmtheit, daß das Kreuz vor vier Jahren gelegentlich der Renovierung des Gebäudes abgebrochen worden ist. Erzbischof Josef Samasta hat in Folge besten den Berichterstatter seiner Stelle enthoben und strafweise in einer kleinen Gemeinde zum Pfarrer ernannt. Nikolsburg, 28. März. Aus einer soeben erschienenen, im Gedenkbuche für den vor ungefähr zwei Jahren verstorbenen Prof. Dav. Kaufmann veröffentlichten Arbeit über Epitaphien mährischer Landesrabbiner. welche selbst ein kleiner Theil der in Vorbereitung befindlichen Gesammtherausgabe der Nikolsburger Epitaphien sind, entnehmen wir die Wirkungszeit wie auch die Sterbedaten der mährischen Landesrabbinen: 1) Jehuda Löb Eulenburg, wirkte von 1574 bis 1618, Verfaster des rrrrr jinjo, gestorben am 7. Januar 1618. 2) Petachjah ben Josef, von 1618 bis 1687, starb am 15. April 1637. 3) Menachem Mendel Krochmal, Verfaster des in tos , von 1648 bis 1661, starb am 2. Januar 1661. 4) Ahron Jakob ben Jecheskel Charis, von 1661—1671, gestorben am 31. März 1671. 5) Jehuda Arjeh Löb Krochmal, Enkel des Menachem Mendel Krochmal, gestorben am 17. Mai 1684, wirkte von 1672—1684. 6) Elieser Mendel Tanta, von 1684—1690, gestorben den 9. Juni 1690. 7) Gabriel Eskeles, gestorben am 4. Febr. 1718, wirkte von 1609-—1718. 8) Moses Lemberger lLewnw), gestorben am 28. Dezember 1757, wirkte von 1718—1757. 9) Gerson Pillitz, gestorben am 21.

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