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Der Israelit · 1901-04-02 · Heft 26-27 (2.4.1901) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 26-27 (2.4.1901)
Date
1901-04-02
Page
– (sequence 26)
Language
German
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- M-M 632 sondern beleidigt, kann keine Zukunft haben, weil er geistig nicht berechtigt ist. Menschen soll man überhaupt nicht Haffen, sondern Mächte. Ich habe nie die Juden persönlich gehässig bekämpft. — Auch der Antisemitismus, der das „Alte Testament in den Kampf zieht," hat keine Aussicht, ebensowenig der Geschäftsantisemitismus. Wenn man hört, daß Leute, die sogar als Antisemiten im Vordergrund stehen, heimlich für jüdische Blätter arbeiten, dann packt einem der Menschheit ganzerJammer an! (Beifall.) Aus der Rede Stöckers sei noch hervorgehoben, daß er meinte, die Aufhebung der Judenemanzipation sei heute nicht mehr durchführbar. Für die seit 1879 datirende antisemitische Bewegung übernehme er gerne die Verantwortung, wenn auch nicht für jede Einzelheit. Als einen Erfolg der antisemitischen Bewegung bezeichnet er den Umstand, daß das Judenthum auf der ganzen Linie aus der Offensive in die Defensive gedrängt worden sei. In diesem Zusammenhänge sagte Stöcker: „Als ich in's Abgeordnetenhaus kam, waren dort eine ganze Anzahl Juden; dann vergingen wohl zehn Jahre ohne einen Juden im Landtage." Er vergaß hinzuzufügen, daß gegenwärtig wieder drei Juden dem Abgeordnetenhause angehören, während er (Stöcker) draußen geblieben ist. Einen Erfolg der antisemitischen Bewegung erblickt Stöcker auch in dem Auftreten des Zionismus. .Hamburg, Ende März. Vor einigen Tagen fand in Hirschel's Restaurant die diesjährige Generalversammlung des „Verein zur Unterstützung kurbedürftiger Israeliten" lTheresien-Stistung) statt. Den Vorsitz führte Herr L. Mathiason. Derselbe begrüßte die Anwesenden und wies zunächst darauf hin, daß der langjährige, verdienstvolle Vorsitzende des Vereins, Herr R. Samson, der stets für die Ausbreitung des Vereins gesorgt habe, leider aus Gesundheitsrücksichten genöthigt gewesen sei, ans. dem Vorstand des Vereins auszuscheiden. In Anbetracht der Verdienste, die sich Herr R. Samson um den Verein erworben, wurde einstimmig beschlossen, denselben zum Ehrenmitglied zu ernennen. Dem alsdann vom Vorsitzenden erstatteten Jahresberichte ist zu entnehuien, daß auch im verflossenen Jahre nur der kleinste Theil der beim Verein eingeganaenen Meldungen betreffs Gewährung von Unterstützung zum Kuraufenthalt in Folge der geringen Mittel berücksichtigt werden konnte. Die Zahl der Anineldungen betrug vorl denen nach eingehender Berathung und Untersuchung durch die dein Vorstand angehörenden Aerzte 9.6 berücksichtigt wurden; hiervon erhielten 8 nur Reiseuntecstützung und für 28 wurden die Kurkoffen bezahlt. Die 36 Pfleglinge vertheilen sich auf die einzelnen Badeörter folgendermaßen: Soden 6, Reuenahr 3, Pyrmont 9, Karlsbad 4, Segeberg 5, Bad Nauheim 1, Wohldorf 1, Teplitz 1, Meran 1, Ems 1, Suderode 1, Harzburg 1, Oeynhausen 1, Norderney 1, Bad Wildungen 1. Diese 36 Pfleglinge verursachen einen Kostenaufwand von Alk. 5060.4-5, und zwar für Reiseunterstützung 360 Mk. und für Kurkosten Mk. 4700.45. Der Vorsitzende bemerkte hierzu, daß sie zu dieser hohen Ausgabe von über 6000 Mk., die bedeutend höher war, als in den vorhergehenden Jahren, nämlich 4506.40 'Mark im Jahre 1899, und Mk. 4316.15 im Jahre 1898, nur im Stande waren durch die hochherzige Spende von Mk. 1000, die der Verein von der Wittwe des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Max Magnus erhielt, wofür derselben nochmals der Dank der Versammlung entgegengebracht wurde. Auch im verflossenen Jahre erhielt der Verein wie in den vorhergehenden Jahren vom Vorstand der Deutsch-Israel. Geininde eine Subvention von 1000 sJ)lf. Jin klebrigen wurde die Abrechnung als richtig anerkannt und dem Eassirer Decharge ertheilt. Ahlem bei Hannover. Dem fünften Bericht über die „Israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem bei Hannover" für das Jahr 1900 entnehmen wir: Seit Abfassung des vorigen Berichtes haben 14 Lehrlinge ihre Lehrzeit beendet; es sind somit im Ganzen bislang 52 Lehrlinge ausgebildet worden. Wir sind, wie früher, bemüht gewesen, mit unseren ehemaligen Zöglingen in Verbindung zu bleiben, zu welchem Zwecke unser Inspektor Silberberg einen regelmäßigen Briefwechsel mit ihnen zu unterhalten sucht. Soweit >vir dadurch in Erfahrung gebracht haben, ist die gegenwärtige Lebenslage der ehemaligen Lehrlinge die folgende: Als Gärtner befanden sich in Stellung: 21 in Deutschland, 2 in Oesterreich, 4 in Nordamerika, 2 in Rußland, 1 in Belgien, 1 in Frankreich, 1 in Italien und 1 in Palästina, zusammen 33 Gärtner, dazu 1 Tischler, ergibt 34 Zöglinge, die, >vie wir lvissen, den Berns ansüben, den sie in der Anstalt erlernt haben. Von den übrigen 18 haben wir Folgendes zu berichten: 7 erfüllen ihre Militärpflicht und lverden nach ihrer Entlassung lnieder zu ihrem alten Beruf zurücklehren, 3 haben einstweilen ihren Beruf gewechselt, 8 haben uns in jüngster Zeit ohne Nachricht gelassen; von ihnen waren zuletzt 1 in Deutschland, 4 in Oesterreich, 1 in Transvaal und 2 in Rußland; lvir diirfcn fast ausnahmslos annehmen, daß sie Gärtner oder Landwirthe geblieben sind. Angesichts der Verschiedenartigkeit der unserer Anstalt zugeführten Zöglinge, bezüglich ihrer körperlichen Fähigkeiten und ihrer durch die bisherige Erziehung beeinflußten Anschauung über den Werth von Gärtnerei und Handwerk, ist es sehr erfreulich, daß ein so hoher Prozentsatz bei dem erlernten Berufe geblieben ist. Aber auch selbst für diejenigen, welche später aus irgend einem Grunde einen anderen Beruf gewählt haben, lvird die Lehrzeit in Ahlem nicht ohne Nutzen

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