Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 26-27 (2.4.1901)
- Date
- 1901-04-02
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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fW&r. 1772, wirkte von 1757—1772. 10. Samuel Schmelke Hurwitz, gestorben am 28. April 1778, wirkte von 1772—1778. 11) Gerson Chajuth, gestorben am 13. März 1.789, wirkte von 1778—1789. 12) Mordechai Benet, gestorben am 12. August 1829 in Karlsbad, hierher überführt und begraben am 12. Adar 1830, wirkte von 1789-—1829. 13) Salomo Quetsch, gestorben am 30. Januar 1866, wirkte hier von 1866—1866. Die Lücke vom Jahre 1829—1866 füllen R. Nachum Trebitsch, der in Prag und Rabb. Samson Rafael Hirsch, der in Frankfurt a. M. starb, aus. 14) Meir Feuchtwang, gestorben am 19. Januar 1888, wirkte von 1861—1888. Rach der Berufung des Rabb. Hirsch nach Frankfurt a. M. kam das Landesrabbinat nach Boskowitz. Träger desselben war Abraham Placzek, welcher am 10. Dezember 1884 starb; derselbe wirkte vom Jahre .1841—1884; auch die Inschrift dieses Grabsteins kommt in dem erwähnten Werke vor. Wie wir hören, beabsichtigt Dr. Feuchtwang etwa 300 Grabinschriften zu veröffentlichen, um so die bedeutendsten Männer, welche hier in kühler Erde gebettet sind, der Vergangenheit zu entreißen. Wie viel Tage unser verehrter Herr Rabbiner mit der Entzifferung von Inschriften verbracht. welche Mühe und Fleiß es ihn gekostet hat, alle diese Epitaphien zu Papier zu bringen, weiß nur derjenige zu ermessen, der ihn bei dieser sauren, so wenig lohnenden, jedoch von großer Pietät zeugenden Arbeit beobachtet hat. England. London. (Der Board of guardianS und die rumänischen Juden.) Der Board of guardians hat eben seinen 42. Jahresbericht veröffentlicht. Der Kassenbestand belief sich am 1. Januar 1900 auf 1663 Psd. St., die Einnahmen des Berichtsjahres betrugen 137,881 Pfd. St., während die Ausgaben 140,330 Pfd. St. beanspruchten, so daß der Board mit einem Fehlbetrag von 3048 Pfd. St. abschließt. Die großen Ausgaben wurden durch das plötzliche Anwachsen der Einwanderung rumänischer Juden nach England verursacht, wodurch die Zahl der Rothleiden^en im Londoner Gbetto die ganz enorme Höbe von 6423 ereicht bat und die Kalle des Boards zeiate. trotz erheblicher Mehreinnahmen, sebr bald eine bedenkliche Ebbe. Zwar wehrte sich der Baard gegen da? planlose Auswandern nach Leibeskräften; der Vorstand machte hüben wie drüben bekannt, daß die hilsesuchenden rumänischen Juden vom Board unweigerlich nach Rumänien zurückgeschickt werden, allein diese Bekanntmachung hat wenig oenützt. Die Komitees in Rumänien ermuthigten die Auswanderung nach Kräften, und die Gemeinden des Continents schaben die ibnen ausgebalsien Emigranten weiter ab. bis diese schließlich an die See gelangten, wo sie nach England eingeschifst wurden. Zu den rumänischen Emigranten kamen sehr bald noch zahlreiche Auswanderer aus Rußland und Polen hinzu, und selbst viele seit lange in London ansässige russische Juden gaben sich für rumänische Auswanderer aus, in der Hoffnung, vom Board nach Canada geschickt zu werden. Im Ganzen kamen beim Board 2903 neue Fälle vor, davon wurden 376 geeignete Personen auf Kosten der „I. K. A." außerhalb Europas untergebracht, 1129 Personen, von denen zu erwarten war, daß sie sich in England selber weiter helfen werden, wurden gehörig unterstützt. Der Resi, bestehend aus 1399 Familien, mit 1900 Seelen, wurde nach Rumänien zurückgeschickt. Der Bericht tadelt die Kopflosigkeit der rumänischen Komitees, welche die überstürzte Auswanderung ermuthigt haben. Das zwecklose Hin- und Herfahren hat ganz nutzlos 8000 Pfd. St. verschlungen, ganz abgesehen von den großen Leiden, die 1900 jüdische Seelen auf der Hin- und Rückfahrt auszustehen hatten. Rußland. (silisabethgrad. (Zur Hungersnoth in S ü d r u ß l a n d.) Der Kronsrabbiner von Elisabethgrad, Herr Ingenieur Temkin, hat die Gelegenheit des Besuches dieser Stadt durch den Gouverneur von Cherson, Fürsten Qbolenski, benutzt, um der Regierung die große Rothlage der Juden von Elisabethgrad darzuleaen. Die unteren Schichten leiden an Arbeitslosigkeit. der Mittelstand besteht zum größten Theil aus Getreidehändlern a. D., nämlich aus Leuten, die vor einem Jahre mit Getreide gehandelt haben, heute jedoch, wo kein Getreide im Lande ist, das Geschäft einstellen mußten. Die Mohlthätigkeit ist erschöpft und die wenigen Leute, welche gerne helfen möchten, wissen keinen anderen Ausweg, als eine Lotterie zu veranstalten. Der Gouverneur versprach bei seiner nächsten Anwesenheit in Petersburg sich bei der Regierung dafür verwenden zu wollen. Die Errichtung eines Centralkomitees für den ganzen Kreis zu gestalten, liegt außerhalb seiner Machtbesugniß, dagegen werde er die Errichtung von Lokalkomitees für die Rothleidenden sofort genehmigen. Die Roth der Juden im Kreise Elisabethgrad wird auch vom Landschaftsvorsteher der achten Abtheiluna des Kreises, Herrn Worun-Seeret, bestätigt, der in einem Schreiben an den Odessaer Bankier Kogan diesen bittet, ihm Adressen von reichen Juden in Kiew und Odessa mitzutheilen, an die er sich um Hilfe sür die in seinem Verwaltungsbezirk hungernde jüdische Bevölkerung wenden könnte. Die Roth ist umso größer, als durch die Hungersnoth des vorigen Jahres alle Hilfsmittel erschöpft sind. Viele Juden werden von der Gesellschaft des Rothen Kreuzes unterstützt, aber auch die Mittel dieser Gesellschaft sind sehr beschränkt. Wie aroß muß wohl das Elend der Juden sein, daß ein christlicher Beamter für sie sammeln und das Rothe Kreuz sie unterstützen muß. T.