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Der Israelit · 1901-04-02 · Heft 26-27 (2.4.1901) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 26-27 (2.4.1901)
Date
1901-04-02
Page
– (sequence 19)
Language
German
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625 gar gegen das Gebet eiferten, wenn ihnen die rechte Gefinmtng fehlten (Jesaja 1, V. 13—15), daß sie keine Verwirklichung des höchsten von ihnen verkündeten Zukunftsideals ohne Altar und Opfer kannten (ibid. Cap. 56, V. 7), das wissen diese Causeure eben nicht, oder sie wollen es nicht wiffen. Wenn diese Herren mit ihren von Leichtsinn und Unwissenheit strotzenden Causerien wirklich das alte Judenthum ans den Angeln heben zu können vermeinen, so kann man diese Arroganz lächelnd hinnehmen. Daß die Unwissenheit bei uns aber heute leider so grost ist, daß es Leute gibt, die diese Feuilleton-Religion wirklich ernst nehmen, das ist zu bedauern. -Soeben geht mir die neueste Nummer des „Israelit" zu, in welcher Herr Seminar-Direktor Grand-Rabbin Lehmann die Lehrer des Seminars gegen den Verdacht in Schutz nimmt, als stünden sie mit den gerügten reformatorischen Allüren des „Univers" in irgend welchem Connex. Das ist erfreulich. Cs wäre nur zu wünschen, daß alle konservativen Elemente, und diejenigen, die dafür gelten wollen, ihren Conservatismus dadurch konstatirten, daß sie in irgend welcher Form gegen die Reformgelüste dieser wunderlichen Sorte von Conservateurs de Judaisme Front machten. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 29. März. Von der „Israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem b. Han.", Bureau Frankfurt a. M.*) wird uns geschrieben: ..Die von verschiedenen Personen gehegte Befürchtung, daß die in der „Israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem" ausgebildeten Zöglinge nach Beendigung ihrer Lehrzeit keine Stellungen finden könnten, hat sich als völlig grundlos erwiesen. Soweit die Anstalt, die fast mit allen Zöglingen nach deren Entlastung im schriftlichen Verkehr bleibt, hat ermitteln können, sind „alle früheren Lehrlinge in Stellung." Für den jetzigen Ostertermin wurden von angesehenen Gärtnern, die theilweise schon früher Gebülfen aus Ahlem erhalten hatten, weit mehr junge Leute verlangt, als jetzt ihre Lehrzeit beendet haben. Die Anstalt, bislang bis auf den letzten Platz besetzt, hat von Ostern ab in Folge des Abganges vieler Zöglinge, sowohl in der Schüler-, wie in der Lehrlingsabtheilung einige Vakanzen und ist es für die Angehörigen oder Gemeinden, welche Knaben unterbringen »vollen, rathsam, sich möglichst bald an die „Israelit. *) Anmerkung: Das Bureau versendet sieben seinen Bericht für das Jahr luoo, den wir der Beachtung weiterer Kreise empfehlen möchten. D. Red. Erziehungsanstalt in Ahlem" oder an das Zweigbureau in fjranffurt a. M. zu wenden." Mtzirrgcn, 29. März. (Für und gegen die Vereine für jüdische Geschichte und Litteratu r.") Mit Recht hat der Verfaffer des Artikels „Christian Schulze und die Juden" in Nr. 18 des „Israelit" in humoristischer Weise die Vorträge behandelt, die manche Redner in „Vereinen für jüdische Geschichte und Litteratur" halten, da doch thatsächlich das Leben und die ruhmreiche Vergangenheit der Juden eine reiche Auswahl höchst interessanter Themas aufweisen und man »vahrlich.nicht nöthig hat, einzelne Fürsten oder Dichter und deren Verhältniß zu den Juden zu schildern. Es hieße aber das Kind mit dem Bade ausgießen, wollte »nan deßhalb über diese Vereine den Stab brechen. Wie alle Einrichtungen die Menschenhand geschaffen, so hat auch diese Schöpfung ihre Schatten und Lichtseiten. Wenn auch die lustige oben erwähnte Geschichte nur ein Purimscherz sein sollte, denn als solchen faßte ich dieselbe auf, dazumal sie in der Purimwoche erschienen ist, so ist der Verfasser nach meiner Ansicht doch etwas zu weit gegangen, wenn er in seinem Berichte die Toilette der Frau Kommerzienrath Levv schilderte, oder von dem neuen Orden von deren Gatten spricht; denn unter den vielen Berichten über Vorträge in diesen Vereinen, die ich stets mit Interesse verfolge, habe ich auch noch nicht die geringste Andeutung über die Toilettefrage der Damen gesunden. Dagegen bemerkte ich zu meiner großen Freude, soivohl in hiesigen als auch in auswärtigen Vereinen, die ick häutig zu besuchen die Gelegenheit habe, daß die Damen mit großem Interesse die Vorträge mit anhören und in darauffolgenden privaten Diskussionen auch zeigen, daß sie volles Verständniß für dieselben haben. Leider finden diese Vereine von seiten vieler Herren nicht nur nicht das gewünschte Entgegenkommen, sondern sie stehen denselben sogar feindlich gegenüber, jedoch wie mir scheint, mit Unrecht. Es ist bis heute noch der Nachweis zu bringen, daß auch nur ein einziger Vortrag in den ca. 150 Litteraturvereinen, die im deutschen Reiche bestehen, auch nur den kleinsten Nachtbei! gebracht hätte oder hätte bringen können.*) Dagegen sind dieseVereine wohl geeignet, manches Gute zu schaffen und hierfür heute nur ein einziges Beispiel zu bringen, ist der Zweck dieser Zeilen. In dem z»veiten Artikel „Vorbereitungen für das Peßachfest" (erste Beilage zu Nr. 23 des „Israelit") klagte der Verfasser dieser sehr zeitgemäßen Abhandlung sehr mit Recht: „Die Erfahrung lehrt, daß in vielen Familien die Sederabende zwar formell nach Vorschrift gegeben werden, aber daß doch die ächte, rechte Gesinnung nicht stark genug ist, um die Lauheit H Wenn Sabbatschänder und Trefoesser herumreisen und Vorträge über das Judenthum halten und dessen altehrwürdigen Vertreter, so scheint uns dies doch sehr wohl ein^übeiaus 'schlechtes, Beispiel für die den Vortrag besuchenden junge Leute zu sein. Red.

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