Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 26-27 (2.4.1901)
- Date
- 1901-04-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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«16 frommem Dank, daß wir willig und gern seinen Weisungen folgen, getreu seine Gebote beobachten und in immer regem Eifer für die heiligen Mizwot des Ewigen unsere Thaten zu einem sich stets verjüngenden Lobgefang, zu einer stets erneuten Gotteshuldigung gestalten ’JtraJ m-® bw wrtow b* „für unsere Erlösung und für die Befreiung unserer Seele!" Zeitungsnachrichten nnv Eorrespondenzerr. Deutschland. Berlin, ZI. März. Die blutrünstige Scheußlichteit, welche der Fabrikant antisemitischer Sudeleien Dewald aus Anlaß der Ermordung Winters hat Herstellen lasten, ist von der Staatsanwaltschaft beschlagnahnit worden. In der Antisemitenkneipe Friedrichsiraße 210 fand eine Haussuchung nach der Sudelei statt, es wurde jedoch nichts gefunden. Daß übrigens der frühere Ahlwardtmoniteur den Herrn Dewald in der finanziellen Ausbeutung der Konitzer Mordaffaire durch Reklame für die Winterkarten unterstützen würde, war vorauszusehen. Mit dem Ballast sittlicher Bedenken schleppt sich dieses Blatt schon nicht mehr. Berlin, Ende März. Der „Verein für jüdische Krankenpflegerinnen" hielt vor einigen Tagen im Saale des Brüdervereins seine 7. Jahresversammlung ab. Die Zahl der Schwestern stieg im Berichtsjahre von 29. auf 33, Pflegen wurden 355 in 8335 Tagen geleistet, 80 mit 1375 Tagen, mehr als im Vorjahre. An 1597 Tagen wurde unentgeltlich, an 1946 gegen ermäßigten Satz gepflegt, nur an 4793 Tagen erfolgte volle Bezahlung. Köl«, im März. Eine Reihe jüdischer Väter am Rhein hatten Strafverfügungen erhalten, weil ihre Kinder den „jüdischen Religionsunterricht" nicht besucht hatten. Die Kinder hatten zuerst in der evangelischen Volksschule ihres Wohnortes von einem jüdischen Lehrer israelitischen Religionsunterricht erhalten. Als aber später ein geeigneter Religionslehrer nicht mehr vorhanden war, ordnete die Regierung an, daß die jüdischen Kinder sich nach einer benachbarten Gemeinde begeben sollten, um dort israelitischen Religionsunterricht zu erhalten. Die Väter lehnten das aber ab. Im Gegensatz zum Schöffengericht erkannte die Strafkammer auf Freisprechung und der Strafsenat des Kammergerichts wies die Revision der Staatsanwaltschaft als unbegründet ab, da eine Bestrafung nur dann erfolgen könnte, wenn es sich um die Durchführung der allgemeinen Schulpflicht handele. Davon könne aber nicht die Rede sein, denn es handle sich hier um einen Unterricht, für den lediglich das kirchliche Jntereffr maßgebend sei. Homburg t>. d. H., 28. März. In Rr. 26 Ihres geschätzten Blattes brachten Sie einen Bericht über meinen Vortrag, den ich in Frankfurt a. M. über die vier Gefangenen gehalten habe. Der Berichterstatter irrte jedoch in einigen wesentlichen Punkten und sehe ich mich veranlaßt, dieselben richtig zu stellen. Ich sagte nicht, daß die Thorablüte aus Babylon nach Spanien gebracht wurde; ich behauptete auch nicht, daß die vier Gefangenen babylonische Gelehrte waren, sondern ich führte im Gegentheil auf Grund von Halevy's epochemachendem Geschichtswerke „Dor. Harischonim" aus, daß die bisher von allen Historikern vertretene Ansicht, welche die vier Gelehrten aus Babylon kommen ließ, falsch sei, und daß einzig und allein Italien die Heiinath jener hervorragenden Männer gewesen sei. Dadurch kam ich dann auf die Thoraverhältniste in Italien zu sprechen und griff aus der großen Beweisfülle, die Halevy für seine Behauptung erbringt, Einiges heraus, um dem Hörer die Ueberzeugung beizubringen, daß die vier von einem Admiral gefangenen Gelehrten aus Italien ihr Wissen nach verschiedenen Ländern trugen. Die Frage selbst ist von höchster Wichtigkeit, denn nur durch sie sind wir im Stande, uns ein wahres Bild über die Thoraverhältniste in jener alten Zeit zu verschaffen. D. H. K o t t e k. Auldn, im März. „Was schon längst das Ohr vernommen, bietet sich dem Aug' nun da." Die herrliche Rede, die unser hochverehrter Herr Provinzial- Rabbiuer Dr. C a h n anläßlich des Heimganges des edlen Philantropen Freiherrn Wilh. Karl von Rothschild am 3. Febr. c. in der hiesigen Synagoge geholfen, ist im Druck erschienen und somit weiteren Kreisen zugänglich gemacht. Sie ist ein Meisterwerk in des Wortes wahrster Bedeutung. Herr Dr. Cahn zeichnet ein Lebensbild des großen Todten, daß diejenigen, die ihn kannten, ihn als greifbare Gestalt erblicken und die, welche ihn zu kennen nicht das Glück hatten, mit Ehrfurcht und Begeisterung für den Fürsten in Israel, wie er sowohl wegen seines Reichthums, als auch wegen des Adels seiner Gesinnung mit Recht genannt werden durfte, erfüllt werden. Aber was ist das todte Wort gegenüber dem lebendigen Ausdruck der Sprache. Wer die Ergriffenheit des Herrn Provinzial-Rabbinen zu beobachten Gelegenheit hatte, als er den schweren Verlust, den ganz Israel erlitten, beklagte, wurde zu Thränen gerührt. Jeder fühlte, daß man einen großen Mann verloren. Die gen. Gedächtnißrede, im Verlage des Herrn I. K a u f f m a n n in Frankfurt a. M. erschienen, sei allseitig auf das wärmste empfohlen. England. London. Die „Anglo Jewish Astociation" hat sich in ihrer jüngsten Monatssitzung ebenfalls mit den rumänischen Juden beschäftigt. Stellvertretender Vorsitzender Mr. Herbert G. Lousada konstatirte, daß die Lage der Juden in Rumänien trostlos und in absehbarer Zeit nicht die mindeste Aussicht aus Besserung