Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-04-02 · Heft 26-27 (2.4.1901) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 26-27 (2.4.1901)
Date
1901-04-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449173--53050-2503618
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

617 vorhanden sei. Dennoch erklärt Redner es geradezu als ein Verbrechen, die rumänischen Juden zur Auswanderung aus Rumänien veranlassen zu wollen. Leute, die weder ein Handwerk gelernt noch die Sprache des Landes, in das sie auswandern, verstehen, sollen lieber zu Hause bleiben. Leider werden die rumänischen Juden von gewissen Leuten zum Auswandern verleitet. Diese haben nichts zu riskiren, machen schlimmsten Falles eine Spazierfahrt, sehen sich ein wenig die Welt an und haben überdies noch die Chance, daß der Zufall oder die Vorsehung vielleicht für sie sorgen werde. Redner exemplificirt auf Anatolien, wohin einige Hundert jüdische Familien ausgewandert waren. Ihre Roth daselbst ist unbeschreiblich; die Armen hungern, frieren in ihrer neuen Heimath und werden alle zurück nach Rumänien befördert werden müssen. Die Kosten der Zurückbeförderung werden sich auf 3200 Psd. St. belaufen. Diese Summe, sowie die vom Board of guardians für Zurücksendung von 1900 Personen aus London ausgegebenen Beträge hätten ebensogut in's Wasser geworfen werden können. Der East-End Londons ist bereits derart überfüllt, daß seine jüdischen Insassen sehr schwer um ihre Existenz zu ringen haben. Wesentlich dasselbe läßt sich auch von Newyork sagen. Es steht zu befürchten, daß, falls die rumänischen Juden ohne gehörige Vorbereitung in großen Schaaren nach Netoyork auswandern sollten, die Vereinigten Staaten überhaupt vor den Juden ihre Thore schließen werden. Was Canada betrifft, so besteht daselbst zweifellos eine große Nachfrage nach landwirthschaflichen Arbeitern, aber nur nach solchen, nicht jedoch nach Pedlars und Kleinhändlern. . Auch können nicht alle rumänischen Juden den an einen canadischen Landarbeiter gestellten Ansprüchen genügen. Der Landarbeiter in Canada hat einem heißen Sommer und einem unbarmherzigen Winter zu widerstehen. Nebenbei sind die landwirthschastlichen Bedingungen in Canada eigenartig, daß selbst Juden, welche es in Rumänien durch die Landwirthschaft zu einer armseligen Existenz gebracht haben, noch keineswegs dessen gewiß sein dürfen, es auch in Canada soweit zu bringen. Gegenwärtig wohnen in Rumänien über 260,000 Juden, die alle mehr oder weniger von der Verfolgung zu leiden haben. Der größte Theil von ihnen muß in Rumänien bleiben. Es ist ein Naturgesetz, daß die Schwächsten an die Wand gedrückt werden, und es wäre zwecklos, gegen die Naturgesetze kämpfen zu wollen. Das Volk müsse Vertrauen zu der ,,J. K. A." haben, die zwar langsam, aber sicher vorgeht. Die „I. K. N." wünscht auf's lebhafteste, den rumänischen Juden zu helfen, allein es müsse ihr gestattet sein, dieses zur rechten Zeit und mit den ihr geeignet erscheinenden Mitteln zu thun. Es sei nicht ovportun, sich über die Pläne der „I. K. A." in Bezug auf ^ie rumänischen Juden zu äußern. Allein man nehme an, dieselbe würde monatlich 200 jungen, tüchtigen und arbeitsfreudigen rumänischen Juden zur Auswanderung aus Rumänien verhelfen, so würde der jährliche Verlust von 2400 tüchtigen Leuten der rumänischen Regierung die Augen öffnen und sie veranlassen, ihre für das ganze Land und dessen Finanzen verderbliche Politik der Intoleranz und Verfolgung aufzugeben. Rußland. Petersburg. Am 26. Febr. starb Hierselbst der frühere Professor an der medico-chirurgischen Fakultät der Petersburger Universität, W. A. Manaffein, dessen Tod von allen edeldenkenden Männern Rußlands aufrichtig beklagt wird. Der Verstorbene war ein Schüler Botkins und Fortführer der von diesem in der Medizin verfochtenen wissenschaftlichen Methode, ohne jedoch Botkins antisemitische Allüren besessen zu haben. Im Gegentheil konnte Manassein, welcher in den liberalen Anschauungen der sechsziger Jahre großgeworden ist, förmlich grob werden, wenn versucht wurde, das antisemitische Gift in die Medizin zu tragen. Als Direktor einer bedeutenden Klinik ließ er sehr gern jüdische Aerzte behufs ihrer wissenschaftlichen Vervollkommnung unter seiner Leitung arbeiten, und als Herausgeber und Redacteur der medizinischen Zeitschrift „Wratsch" rügte er es wiederholt, daß Juden von den Behörden sowohl als von den Kommunen und den Provinziallandschaften nicht als Aerzte angestellt werden. Inserate über ärztliche Vakanzen, in denen ausdrücklich hervorgehoben wurde, daß jüdische Bewerber ausgeschlossen sind, hat er stets in seinem Blatte die Aufnahme verweigert. In einer Zeit, wo die antisemitische Pest selbst in das bisher von ihr verschont geblieben? russ. Studententhum einzudringen beginnt, ist der Tod eines Mannes, der, wie Professor Manassein, seinem Jugendideale von der Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetze treugeblieben ist, doppelt schmerzlich. T . vermischtes. Hechingen. Vor einigen Tagen lief ein 8jähriges Mädchen am Flußbette der Starzel iu der Nähe der Friedrichstraße seinem Svielball nach und fiel dabei ins Wasser, das es fortschwemmte Herr Cantor Gutmgnn. der gerade des Weges lam, sprang ihm nach und «rettete das hilflose St mb, als eS nabe daran war, in ein durch eine Mau« hergestelltestcrkes Gefälle zu gerathen, vor dem sichern Tode. Berichtigung zu „ns Haga-ah-Erläuteruug. In der Haaahahübxrsetzung von Dr. Lehmann 7"8r ist im Druck auf S. 13 oben im Texte etwas vergessen worden. ES muß heißen: Deine Lebenslage deute nur auf die Tag-, die ganten 02) Tage d. h. hingegen deutet zugleich. ... Lo fehlt auch unten bei den Worten d. Weisen der erste Text. Das erste Mal ist du zp übersehen mit ganz, zum Sin Tag gehört auch die Nacht; dei her Deutung der en ab« ist 72 „alle" - d. h. auch rwon niD\

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.