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Der Israelit · 1901-04-02 · Heft 26-27 (2.4.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 26-27 (2.4.1901)
Date
1901-04-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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613lväre zu wünschen, daß das Verhalten der Wormser Kreisschulkommission zahlreiche Nachahmung finde. Ltrasrburg, 28. März. In der Kommissionssitzung des Landesausschusses wurde über die Gehaltsaufbesserung der Geistlichen verhandelt. Während die Protestanten und Katholiken bedeutend aufgebessert lvurden, erhielten die Rabbiner nur eine ganz unbedeutende Erhöhung ihres Gehaltes, weil leider die israelitischen Konsistorien sich nicht in besonders lebhafter Weise um das Wohl der Rabbiner bekümmert haben. Tie dritte und zweite Klasse der Rabbiner erhielt eine Gehaltserhöhung von WO sodann wurden die Alterszulagen besser geordnet, indem beim 49. Lebensalter eine Alterszulage von 390 Mark eintritt, beim -~9. Lebensjahre eine solche im Betrage von 490 Mk. und beim 00. Lebensjahre eine solche von 800 Mk. Rumänien. Bukarest, im März. Da sich die Nothlage der israelitischen Bevölkerung in den Ortschaften und Distrikten mit einer stärkeren israelitischen Bewohnerschaft trotz verschiedener unter der Regierung Carps geschaffenen Erleichterungen nur wenig gebessert hat. die bisher planlos geschehenen Auswanderungen aber nur in Ausnahmefällen ein zufriedenstellendes Resultat ergeben haben, so muß es um so mehr dankend anerkannt werden, daß die Israelitische Kolonisationsgesellsckaft „I. K. A." sich eine methodische Leitung der rumänischen Judenauswanderung zur Aufgabe gestellt hat. Erst dieser Tage hat Herr Auerbach als Vertreter der „I. K. A." Rumänien bereist und anläßlich seines Galatzer Aufenthaltes erklärt, daß in diesem Sommer auf Kosten seiner Gesellschaft 400 rumänische Israeliten im Auslande angesiedelt werden sollen. Vorsicht bei diesen Auswanderungen ist aber um so mehr nöthig, als, nach einer der türkischen Regierung auf diplomatischem Wege gemachten Mittheilung zu schließen, den einmal aus Rumänien ausgewanderten Israeliten die Rückkehr hierher nicht gestattet werden wird. Feuilleton. Mino gebildete Wruu. Von Werbelte Zivied. 4t Nachmittags nahm Rösl das Kind an die Hand und führte es zu der Dame, von der sie mit dem geistlichen Herrn gesprochen hatte. In ihrem Eifer hatte sie ein Versprechen gegeben .ind jetzt klopfte ihr Herz vor innerer Unruhe, ob sie nicht mehr versprochen, als ihr zu halten möglich war. An dem ihr wohlbekannten Hause angelangt, ließ sie vorläufig Liefet bei einer bekannten im Erdegschosse wohnenden Frau, und begab sich allein in den ersten Stock, woselbst sie an eine Thür anklopfte, an der ein Porzellanschild mit der Aufschrift: Kunigunde Barta, Lehrerin, angebracht war. Auf das laute: Herein öffnete sie die Thür und stand einer so ziemlich gleichaltrigen Dame gegenüber, welche, ein Buch in der Hand haltend, erwartungsvoll auf die Thür blickte, durch welche Rösl eingetreten war. „Ei, Rösl/' rief die Dame freudig aus, als sie ihren Besuch erkannt hatte. „Daß Du Dich auch einmal wieder blicken läßt. Wie lange mußte ich Deinen Besuch entbehren!" „Du weißt, liebe Gundel, daß ich jetzt wenig Zeit zu Besuchen habe." „Ich weiß, ich weiß, Deine Samariterarbeit nimmt Dich ganz in Anspruch. Aber ist es auch recht, die einsame Freundin so arg zu vernachlässigen? Und was sagt mein alter Freund, Meister Elias dazu, daß Du ihm die Kinder und gewiß auch das Hauswesen im Stiche läßt, um Dir ewiges Heil als freiwillige Krankenpflegerin zu suchen?" „Du bist bitter, Gundel! Wer Dich nicht kennte, der würde Dich für recht hart und unbarmherzig halten. Ich weiß, es ist nur Freundschaft für mich und liebevolle Fürsorge für die Meinen, was Dich derart sprechen läßt: ich weiß dies wohl, deßwegen vergebe ich Dir es auch, daß Du mir meine That übel auslegest, welche eigentlich eine heilige Pflicht ist." — „Nur Du, Du allein, hast diese Pflicht, warum nicht auch andere?" „Alle haben diese Pflicht, aber nur Wenige den Muth, der zu dieser Pflichterfüllung nothwendig ist, und noch weniger einen solchen geringen Grad von Lebensfreudigkeit wie ich." „Du sündigst, Rösl. mit diesen Worten mehr, als Du mit Deinem aufopfernden Wohlthun gut machen kannst. Wer solch' einen braven Mann hat, wie es Meister Elias ist, wer solch' liebe gute Kinder hat, wie Du sie besitzest, den darf sein Leben nicht verdrießen, der darf es nicht muthwillig in die Schanze schlagen! — Unterbrich mich nicht," rief Gundel fast strenge, als Rösl einen Einwand versuchte. „Ich habe die Gelegenheit herbeigesehnt, Dir alles zu sagen, was ich auf dem Herzen habe, und werde nicht aufhören, bis ich Dich überzeugt. — Rösl, Du liebst Deinen braven, guten Mann nicht in dem Maße, wie er es verdient; Du bist keine zärtliche Mutter Deinen prächtigen Kindern gegenüber. Der Mann ist Dir zu ungebildet, die Kinder schätzest Du nicht, weil sie nicht studiren wollen. — Mein Gott, warum hast Du denn Fischer geheirathet? So viel 'ch weiß, bist Du zu dieser Ehe nicht gezwungen worden. Hast Du es gethan, so war es an Dir, Deinen Mann zu Dir heranzuziehen, ihm denjenigen Bildungsgrad beizubringen, dessen er fähig ist; es war an Dir, die Kinder von Klein an zu lenken und

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