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Der Israelit · 1901-04-02 · Heft 26-27 (2.4.1901) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 26-27 (2.4.1901)
Date
1901-04-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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der Dichtung innig angepaßte Orchesterbegleitung, die eine Menge herrlicher, tiefergreifender, traditioneller Megillahmelodien enthält und beweist, daß ihr Schöpfer ein talentvoller, feinfühliger und gewandter Musiker ist. Die Darstellung erfolgte nur von Schülern und Schülerinnen in Prunkkostümen von außerordentlicher Pracht. Die Darsteller entledigten sich ihrer Aufgabe in prächtigster Weise, namentlich bot die Vertreterin der Titelrolle eine besonders anerkennenswertste Leistung. Herr Lehrer B a ch r a ch , welchem das ganze Arrangement zu verdanken war, hatte die Bühne ganz prächtig ausgeschmückt und wußte bei jedem Szenen- 'vechsel ein neues und schönes Bild zu bieten. Nach Schluß der Aufführung wurde Herr Lehrer Bachrach und der Verfasser des Stückes, Herr Fabisch, stürmisch bervorgerufeu und diesen beiden Herren von der Hhr zahlreichen Zuhörerschaft große Ovationen dargebracht. B. R. in N. München, 29. März. Am 27. d. M. beschloß der hiesige „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" sein diesjähriges Winterprogramm mit einem Distussionsabend. Herr Dr. Werner hielt über das Thema „Bilder aus der Vergangenheit unserer Vorfahren" einen Vortrag, welcher das Leben und die Schicksale der Juden Deutschlands in den verflossenen Jahrhunderten vor und nach den Kreuzzügen behandelte. Bevor durch letztere Fanatismus und Zerstörungswuth losgelasten worden waren, ist das Leben der Juden in Deutschland vielfach ein gut erträgliches gewesen: in Köln sehe man z. B. heute noch den alten Rathhausthurm gerade an der Ecke der Judengaste, ein Zeichen für das einträchtige Zusammenleben beider Eonfestionen. Durch prächtige farbenreiche Bilder zeigt Redner, in welch' großartiger und zielbewußter Weist von den damaligen Juden die Kindererziehung bethätiat, wie hierdurch das Fundament unserer Glaubensburg gestützt und gefestigt wurde. Nur so konnten Geschlechter heranreifen, welche die Glaubensinnigkeit dtirch freudige Hingabe ihres Lebens besiegelten, so daß, der große Rabbi Meir von Rothenburg den Ausspruch tbat: „Daß die Juden für ihren Glauben sterben, ist ihre Pflicht: wunderbar jedoch ist, daß sie es freudig thun." Dabei seien unsere Ahnen niemals Kopfbänger und Pessimisten gewesen, vielmehr bewiesen sie große Freude und viel Verständniß für das Leben, wie z. B. das Vorhandensein von Tanzhäusern in alten Zeiten durch Dokumente nachgewiesen ist; ferner wurden von den Juden jener Tage manche Spiele sehr gerne gepflegt. Redner schildert, wie die alten Juden sowohl ibre religiösen Feste, wie auch Hochzeiten und andere Familienfeste in sinniger Weise und von romantischem Zauber umwoben zu feiern verstanden. Falsch sei die viel verbreitete Annahme, die deutschen Juden jener Zeiten hätten nur Geldhandel betrieben. Es gab vielmehr immer auch Schneider, Schuhmacher und sonstige Handwerker unter den Juden, sogar Schneider-Synagogen und Schuhmacher-Synagogen sollen, nach überlieferten Erzählungen, existirt haben. Viele Juden betrieben auch Weinhandel, und die für diesen Handel nothwendigen Geschäftsreisen dienten gleichzeitig der Verbreitung und Verpflanzung der Thorakenntniß. Zum Schluß zeigte Redner auch ein Schattenbild, nämlich den nicht gerade vereinzelten Aberglauben jener Zeiten, welcher sich zum Theil noch bis auf unsere Tage erbalten hat und sogar gerade in solchen Kreisen, die sonst sehr „aufgeklärt" sein wollen, gepflegt wird. Redner wünscht, daß sich das heutige Judenthum von solchen Verirrungen fern halte und lieber die vielen nachahmenswerthen Beispiele der Vorfahren beherzige. damit, wie in jenen alten Zeiten, auch ein Bileam von beute mit seiner Absicht, das jüdische Volk zu verfluchen, zu Schanden werde und gleich dem redegewaltigen heidnischen Seher bekennen müsse: „Es herrscht kein Aberglaube in Jakob und keine Wahrsagerkünste bellehen in Israel." Der mit hinreißender Eleganz und mit meisterhaster Plastik durchgeführte Vortrag fand bei den zahlreichen Zuhörern wohlverdienten herzlichen Beifall. Hieran schloß sich die fünfte ordentliche Generalversammlung des Vereins. Auf der Tagesordnung stand lediglich: Erstattung des Geschäftsberichtes und Ertheilung von Entlastung an die Vorstandfchaft. Der Verein zählt jetzt 446 Mitglieder, wovon 25 im verflossenen Jahre neu hinzutraten, während 12 theils in Folge Ablebens, theils wegen Domizilwechsel ausschieden. Beiträge der Mitglieder und Aufnahmsgebühren erbrachten Mk. 2622.30; für Vorträge, Bibliothek, Verbandsbeiträge u. A. wurden 2100.15 Mark ausgeaeben, so daß Mk. 522.15 als Ueberschuß verbleiben. Im abgelaufenen Jahre wurden vier Vorträge im großen Museumssaale und vier Diskussionsabende abgehalten. Die Entlastung der Vorstandes wird einstimmig gutgeheißen und derselben insgesammt, besonders dem verdienstvollen Herrn ersten Vorsitzenden, aus der Mitte der Versammlung der wärmste Dank der Mitgliedes' kür die umsichtige Leitung und für die hingebende Thätigkeit votirt. 3CttS dem Kreise Worms. Daß unsere Religionsschuleu in ihrer äußeren Stellung und in ihrem Verbältniste zur amtlichen Schulbehörde, wenn auch ein langsames Tempo, aber immerhin Fortschritte machen, bezeugt der llmstand, daß am 27. März mit dem Herrn Rabbiner Dr. Stein mehrere Mitglieder der Großberzoglichen Kreisschulkommistion, darunter Herr Inspektor Prof. Dr. Karg, sowie der christliche Schulvorstand in Eich, die Religionsschule des Herrn Lehrers Eisenbeimer zu Eich (Filiale zu Gimbsheim) prüften und sich lobend über das Resultat aussprachen. Es

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