Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1901-04-02 · Heft 26-27 (2.4.1901) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 26-27 (2.4.1901)
Date
1901-04-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449146-2449173--53043-2503611
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

610 würden, da bisher die Zahl der angemeldeten Vakanzen noch jederzeit die der Bewerbungen erheblich überschritt. Die Vermittlung der Stellen erfolgt für beide Theile tostenlos und ist auch Nichtmitgliedern zugänglich. Schriftstücke u. s. w. sind an das Bureau des Vereins zu richten, das sich ebenfalls Spandauerbrücke 6 befindet. Berlin, 29. März. (Polizeipräsidium und jüdischer Religionsunterricht.) Der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde erhält, wie in der letzten Repräsentanten-Versammlung mitgetheilt wurde, regelmäßig eine Namensliste derjenigen jüdischen Kinder vom Polizeipräsidium zugesandt, welche nicht am jüdischen Religionsunterrichte theilnehmen. Die betreffenden Eltern werden daraufhin vom Vorstande aufgefordert, das Versäumte schleunigst nachzuholen. Die Antworten der Eltern werden wieder dem Polizeipräsidium überreicht. Von der Verhängung von Polizeistrafen wird in der Regel abgesehen; doch wurden in einem Falle, wo es zum Prozeße kam, die jüdischen Eltern, die ihre Kinder dem Religionsunterricht entzogen, in allen Instanzen freigesprochen. — Uebrigens plant die Berliner jüdische Gemeinde die Errichtung von drei neuen Religionsschulen, für die im Etat vorläufig 10 000 Mk. ausgeworfen sind. Bezüglich der Ernennung von Religionslehrern nahm die Repräsentanten-Versammlung folgende Resolution an: „Die Versammlung ersucht den Vorstand, beim Magistrat dahin vorstellig zu werden, daß vor der Besetzung der Lehrerstellen für den jüdischen Religionsunterricht der Vorstand der jüdischen Gemeinde gehört werde, auch sollen Schulräume zur Abhaltung privaten jüdischen Religionsunterrichts nur solchen Personen gewährt werden, die der Vorstand der jüdischen Gemeinde für bierzu aulifizirt erachtet." Frankfurt a. M. Der Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der „Israelitischen Religionsschule" Hierselbst entnehmen wir: Im abgelauienen Schuljahre wurden in unseren Anstalten 660 Schüler und Schülerinnen unterrichtet. Es wurde für solche Knaben, deren Eltern es wünschten, ein besonderer Talmudkursus mit sieben wöchentlichen Stunden eingerichtet; an diesem Unterricht betheiliaten sich 20 Schüler verschiedenen Alters. Wie seit langen Jahren (unter der Bezeichnung Ungenannt) wurde auch im Berichtsjahre von Freih. Wilhelm Earl von Rothschild s. A., abgesehen von den Stipendien, die er den zehn Zöglingen der Vorbereiiungsschule für den rabbinischen Beruf gewährte, und außer dem Beitrage von Mk. 300 für Ertheilung des profanen Unterrichts an die Schüler der Thora-Lehranstalt. Beiträge zu den Gehalten der Lehrer, die an den verschiedenen Schulen in unserem Aufträge unterrichteten, w Höhe von Mk. 2300 gespendet. Dieser edle Woblthäter ist zum tiefen Schmerze der jüdischen Gesammtheit am 26. Jan. dss I. (6. Schebat) in ein besseres Leben abgerufen worden. Die tiefgehende Theilnahme, die der verklärte Philantrop besonders allen die Hebung des religiösen Lebens erstrebenden Anstalten zuwandte, hat sich auch auf unsere Schule erstreckt. Noch am vorletzten Tage seines gesegneten Lebens wies er der Religionsschule eine Spende von 300 Mark für die laufenden Ausgaben zu. Wir werden dem treuen Helfer, dem edlen Vorbilde in Glauben und Treue, in Gottesfurcht und Menschenliebe, eine nie verlöschende Dankbarkeit bewahren. Von den Hinterbliebenen des Freiherrn Wilhelm Earl von Rothschild s. A. erhielt die Anstalt 10,000 Mark, die unter unserer Verwaltung stehende, von dem verewigten Freiherrn gegründete Stiftung „zur Vorbereitung für den rabbinischen Beruf" Mk. 6000 und die Thoralehranstalt (Bethhamidrasch) Mk. 2000 „zu dessen ehrenden, Andenken" zum Geschenk. Für die großherzigen Gaben sagen wir auch an dieser Stelle unseren tiefgefühlten Dank. Crfcfiltjcflc, 1. April. Zu den mancherlei Mitteln, welche geeignet sind, die so nöthige Verbindung zwischen Schule und Haus herzustellen, gehören nicht zum letzten die sog. „Schulfeste," das sind musikalisch-deklamatorische Aufführungen seitens der Kinder. Im Hinblick, daß die Litteratur auf diesem Gebiet im allgemeinen schon keinesweges reichhaltig ist, muß es immer wieder aus das freudigste begrüßt werden, wenn ein brauchbares Werk dieser Art neu ersteht, zumal, wenn es noch seinen Stoff dem reichen Schatz unseres geheiligten Schriftthums entlehnt. Als ein solches lernten wir das Stück „Esther," Schauspiel mit Gesang in vier Akten, kennen, welches dahier im Holzapfel'schen Saale im Anschluß an das Purimfest zur Aufführung gelangte. Der Dichterkomponist ist der Lehrer und Eantor H. F a b i s ch zu Göttingen, der bereits eine stattliche Reihe größerer und kleinerer Kompositionen geschaffen hat. Das stimmungsvolle Werk, das in jeder Weise als durchaus gelungen bezeichnet werden muß, ging im Vorjahre erstmalig in Göttingen in Szene und fand auch die hiesige Aufführung unter Leitung des Herrn Verfassers statt. Das Werk lehnt sich mit ziemlich historischer Treue an die alttestamentarische Geschichte an. Selbst durch kleine historische Abweichungen hat der geistreiche Verfasier mit seiner schwungvollen Phantasie ein Werk geschaffen, das geradezu erhebend auf das Publikum wirkt. Die Akte sind vornehm und künstlerisch aufgebaut, ein jeder einzelne schließt mit einem besonderen Effekt. In knapver, packender Sprache wird uns nach dem Vorbild der Megillab das üppige Hofleben, die grenzenlose Willkür und die Günstlingswirtbschaft am Hofe des persischen Königs vor Augen geführt. Die überaus melodiösen Sangesweisen sind originell und in ihrer geschickten Harmonisirung von nachhaltiger, unmittelbarer Wirkung. Letztere wird noch gehoben durch die dem Sinne

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.