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Der Israelit · 1901-04-02 · Heft 26-27 (2.4.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 26-27 (2.4.1901)
Date
1901-04-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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WWMWWWWWWWWWWWW^.MWW^M»>M?W?v'!/ 609 wisse Kühnheit des Verstandes nicht auf Abwege, so ist er darum noch nicht geborgen. Denn die Jugend ist auch die Zeit der gährenden Leidenschaften, des gesteigerten Empfindungslebens, des Herzens stürmisch Fühlen treibt gar manchen dem Abgrund zu. Da gilt das Mischnahwort -on tx^ penn nx ppTr n'H tx .,beim Beginn der sonnigen Jugend durchforsche man das wogende Innere, den ringenden Geist mit dem hellen Lichte der Gotteslehre." Gesetzestreues Judenthum ist sicherlich eng verbrüdert mit ernstem Forschersinn, es befehdet nicht das aufrichtige Streben nach Wahrheit und Klarheit in Erkennniß und Bekenntniß. Sein Motto ist auch heute noch das Leitwort des großen spanischen Religionsphilosophen: “pnx 'pbx nx jr „Suche den Gott Deines Vaters zu erkennen", aber es hat auch niemals die Prophetenmahnung vergessen und verleugnet: ipbx nv nvb yjxn „sei demüthig bei Deiner Gedankenarbeit in göttlichen Dingen." Nicht Verzicht auf die Verstandserkenntniß wird gefordert, sondern sittlicher Ernst beim Forschen verlangt. Ebensowenig heischt unsere Religion Abtötung des Fleisches und weltfremdes Eremitenthum “inr6\2 nctp „Freue Dich Jüngling Deiner Jugend", belehrt uns Kohelet: aber zügelloses Leben, gesetzwidriges Schwelgen wird gebrandmarkt ix’S’ nbx bv bv '2 v'pbx „denn der Mensch ist seinem Gott für alle Kräfte, die ihm des Allgütigen Gnade verliehen, verantwortlich." Wohl dem Jüngling, dem zu seines Geistes regem Eifer, seines Herzens heißem Empfinden die Religion sich als stille Gefährtin gesellt, seinem Gemüthe Ruhe und Frieden giebt, seinem Denken Ziel und Weg weist. Er ist der Weise der Hagada; ihm sind die Thorasatzungen keine fremde Last, er schließt sich nicht selbstisch von der gemeinsamen Mizwoterfüllung aus, seinem Forschen und Fragen stellen sich die jüdischen Gesetze, die Gebote des Ewigen als nny Sinnbilder, als o’pn, Sittengesetze, rcctre, Rechtsbestimmungen dar und sieht den Höhepunkt jüdischer Erkenntniß in der Mischna: fep’cx noen -inx pnsBa px daß es nichts Höheres giebt, als die sich selbstlos betätigende Liebe, die ihr Sinnbild im Paffahopfer hat. Der Eindruck, den die Darbringung des Passaopfers machte, sollte nicht durch ein Nachwahl verwischt werden. Die Opferidee sollte als höchste von den Festtheilnehmern empfunden werden. Die Pflicht für unfern heiligen Glauben verzichten und entsagen zu können, muß wieder unfern Jünglingen und Jungfrauen als höchste Forderung der Religion und Sittlichkeit erscheinen, dann wird es der Jugend leicht werden, den Sauerteig aus dem Herzen zu bannen nc'yeB» *rxtp, sie fühlt sich durch Gottes Gnade herausgerissen aus den schweren Kämpfen, die des Herzens Frieden gefährden und, erlöst, preist sie die Güte des Allmächtigen, die an Jünglingen und Jungfrauen die trostreiche Verheißung erfüllt D27ix ’rfcacm und ich errette Euch! (Schluß in der ersten Beilage.) 3ettrrng-nachrichterr und Eorre^pondeureu. Deutschland. Berlin, 27. März. Unter lebhafter Betheiligung hielt gestern Abend der „Israelitische Fortbildungsverein Montefiore" seine Generalversammlung ab. Dieser wackere Verein, der es sich zur Aufgabe gesetzt hat. jungen Leuten aus allen Berufen und Ständen, nach des Tages Last und Mühen, ein Heim zu bieten, wo sie, durch Vorträge angeregt, der Fortbildung in Thora und Wissenschaft des Judenthums sich widmen können, hat sich aus bescheidenen Anfängen heraus mehr und mehr zu einer Stellung durchgerungen, welche ihm die Achtung und Beachtung weiterer Kreise sichert. Hat doch sogar die hiesige jüdische Gemeinde dem Vereine, der auf dem Boden des traditionell-gesetzestreuen Judenthums steht, eine Jahressubvention von 300 Mk. bewilligt, und damit eine Anerkennung seines Strebens auch seitens der liberalen Majorität ihrer Verwaltung ausgedrückt, welche in religiöser Hinsicht auf anderem Baden steht. In seinem Berichte hob der Vorsitzende, Herr Dr. Moses, es als besonders erfreulich hervor, daß in dem abgelaufenen Geschäftsjahre es dem Vereine gelungen sei, zu seinen Mitgliedern aus den praktischen Berufen lKaufleute, Handwerker u. s. w.), auch solche airä den gelehrten Kreisen zu werben, und daß die Schiurirn regelmäßig eines starken Zuspruches sich zu erfreuen hatten. Es trugen vor: im Sommersemester Herr Dr. E. Biberfeld Chaje Odom, Herr Dr. R. E o h n (jetzt Distriktsrabbiner in Burgpreppach) PentateNch und Herr cand. theol. Kramer Mischnah. Im Wintersemester lehrten Herr Dr. E. Biberfeld Jesajas. Herr Rabbiner Dr. Munk Chaje Odom und Herr Institutsdirektor Dr. Stern jüdische Geschichte. Der Kassenbericht weist eine Bilanz von Mk. 1709.47 bei einem Bestände von Mk. 239.30 auf; die Zahl der ordentlichen Mitglieder beträgt 73, die der Gönner 17. Das Vereinslokal befindet sich Spandauerbrücke 6 und sind Gäste, auch fremde Durchreisende, jederzeit willkommen. Eine gut ausgewählte Bibliothek sowie gesinnungsgenössische jüd. Zeitungen stehen zur Verfügung. — Im Anschluß hieran sei eines anderen Vereins ebenfalls gedacht, dessen Bestrebungen bedauerlicherweise im Lande noch zu wenig gewürdigt werden. Der „Verein für Stellenvermittlung und Versicherung gegen Stellenlosigkeit Schomre Schabbos," der mit dem gleichnamigen Frankfurter Verein im Cartellverhältniß steht, hat. trotzdem die hiesigen Verhältnisse für seine Bestrebungen sicherlich so ungünstig als möglich liegen, im vorigen Jahre 48 Vakanzen (38 männliche, 10 weibliche Angestellte) besetzt. Dieses erfreuliche Resultat könnte aber noch erheblich verbessert werden, wenn mehr geeignete Bewerber sich an den Verein wenden

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