Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 26-27 (2.4.1901)
- Date
- 1901-04-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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MW«Pq^MWWWUiMiMrziMWWßWAMMMDW «08 ganzes Leben als den Erlösergott bewährt; denn uns allen gelten die nb:rv bw mswb nyrw, die vier goldenen Worte der Schrift, in denen den Vätern die Befreiung einst gekündet wurde. mdx \nK2rm ich führe Euch heraus! \ Mn# vi^arm ich errette Euch! o2?>x ich erlöse Euch! Dvb 'b Mn« 'rnpbi ich nehme Euch zu meinem Volke! Diesem vierfachen Erlösungsruf sind ja die vier Kelche unseres Sedermales geweihet, mögen sie uns i Sinnbilder der Gnadenwaltung Gottes an uns sein durch die vier Phasen unsere? irdischen Lebens! I. „Ich führe Euch heraus." dem Worte gilt der erste Kelch. Gottes Heil für die lieblichen Tage der Kindheit. Wie ein lichter, freundlicher Lenzesmorgen sind die trauten Jahre der Kindheit. Sorglos und frohgemuth lebt das Kind wie die Lilie auf dem Felde, des Ewigen Güte gibt ihm in der sorgenden Elternliebe erlabenden Thau und die hingebende Treue von Vater und Mutter wird der gesegnete Grund, aus dem das Kindlein seine Lebenskraft schöpft. Aber nicht nur linde Lüfte und warmer Sonnenschein sind des Frühlings Boten, in seinem Dienste stehen auch rauschende Winde, die einherfahren und die Blümelein hinwegfegen, ehe wir uns noch reckt ihrer Pracht gefreut. Auch der Lenz der Kindbeit ist von mannigfachen Gefahren umdräut. Krankheit und Leid gefährdet das zarte Leben unserer Kleinen. Wie manche Mutter hat in banger Winternacht am Bette ihres Lieblings gesessen und ihr Theuerstes in heißem Kampfe dem Todesengel abgerungen, hat die kalte Hand des Todes schon über das theure Antlitz sich breiten sehen und weil menschliche Hülfe vergeblich war, in heißem Gebet bei dem Rettung gesucht, der allein gebietet über Leben und Tod. Und Gott erhört sie, der Athem wird regelmäßiger, das Fieber läßt nach, das Kindlein schlägt die Augen auf, es ist genesen. Und heute beim ersten Sederkelch regt sich der Dank: „Wie soll ich vergelten dem Ewigen all die Gnade, die er mir erwiesen, den Kelch des Heils will ich erheben und den Namen des Ewigen anrufen." Ja, Mutter, wie Du dem Erlöser Deines Kindes vergelten sollst? Den Kelch des Heils sollst Du dem Kinde reichen, Glauben und Liebe hineinpflanzen in sein junges Herz, den Namen des Ewigen sollst Du anrufen, sollst des Kindleins Gemüth für den heiligen Dienst Gottes empfänglich machen. Und nicht nur, daß Du Religion ihm lehrest, sondern wie Du es ihm lehrest, sage Dir der Kelch. Die Mischnah, der wir die Ordnung unseres Festmahles an den Peßachobenden verdanken, knüpft an den ersten Kelch die Worte: ovn bv 71212 am« p'n bv "pso „man spricht den Segen über den Wein und dann erst den Segen über das Fest." Das ist ein beherzigenswerther Erziehungsgrundsatz: Erst der Wein, ein Bild des An- I schaulichen, der religiösen Form, dann das Fest, ein I Bild des Geistigen, des religiösen Gedankens. Man gewöhne nur die Kinder früh, wenn sie's auch noch nicht ganz verstehen können, an die fromme Uebung all der heiligen Satzungen, mit denen Israels Glauben unser Leben umkränzt, dann ist die Grundlage geschaffen, auf der sich eine erfolgreiche religiöse Unterweisung aufbauen kann. Mir verzichten freilich auch schon für die Kindheit nicht auf eine dem kindlichen Fassungsvermögen angemessene Erläuterung der heiligen Gottesgebote. Aber diese hat nur Werth, wenn sie sich an die wirkliche Uebung der Thorasatzungen anschließt. 'Auch das ist in der Hagada ausgesprochen. Da heißt es nämlich, daß man erst dann den Kindern die ergreifende Synibolik von Mazzoh und Moraur deuten soll, 7^ c-njc nriei nxe trpa, wenn Mazzoh und Moraur wirklich vor Dir liegen. Nur eine solche Belehrung kann Segen bringen und dem Kinde zum Heile gereichen, die sogleich gelebt und in Thaten angeschaut ivird. Woher kommt es, daß trotz aller Mühe der Lehrer der Religionsunterricht so wenig fruchtbar sich erweist? Weil das Elternhaus nicht dafür Sorge trägt, daß die Lehren der Schule von den Kindern auch beihätigt werden. Wollen wir, daß unsere Kinder gegen die sittlichen Gefahren, die ihrem Leben auflauern, gestählt seien, so ist es unsere heiligste Pflicht, darauf zu sehen, daß sie die Vorschriften der Religion nicht nur lernen, sondern auch üben, nicht nur lesen, sondern auch leben, denn nicht nur dem schwächlichen Körper drohen Feinde, nicht nur rauhe Luft und garstige Winde können unfern Kindern schaden. Es giebt Verheerer, die mehr zu fürchten sind — sittliche Schwächen, an denen manches junge Herz zu Grunde ging. Preisen wir darum den Ewigen, der uns den Weg zeigt, auch aus geistigen Nöthen unsere Kinder zu befreien und erheben wir dankbaren Herzens den Kelch, weil sich durch Gesetzestreue an unfern Kindern erfüllt der Erlosungssegen: aar« 'nsarm ich führe Euch heraus aus Notb und Gefahr. II. Es gleicht die Zeit der Kindheit einem Bächlein, das glatt und geräuschlos unter Blumen dahineilt. Es erwächst der Knabe zum Jüngling, es erblüht das Mädchen zur Jungfrau, ein reißender Gießbach wird ihr Lebensweg, der über Felsen und Klippen herniederstürzt. Mit den Jahren wachsen die Schwierigkeiten und Gefahren, und so manche Blume wird welk, die soeben erst in duftiger Herrlichkeit sich erschlossen hatte. W |2n ,‘xn eia )b pars „Man schenkt den zweiten Kelch ein und es beginnen die Fragen." Der Geist ist reifer geworden und müht sich um die Räthsel des Lebens und sucht die Weltprobleme und Daseinsfragen zu lösen, die so machtvoll auf ihn einstürmen. Rur dunkel ahnt der junge Forscher, wie von der ernsten und richtigen Beantwortung der sich ihm aufdrängenden Bedenken die Richtung seines ganzen Lebens abhängt. Doch geräth er selbst durch die allzu selbstge-