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Der Israelit · 1901-03-28 · Heft 25 (28.3.1901) · page 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 25 (28.3.1901)
Date
1901-03-28
Page
– (sequence 27)
Language
German
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mm^ss^v ’P*??iB2&in!zr?*vsry* * «01 Dann sinken wir schauernd nieder am schimmernden Jordanstrand Und küffen mit durstigen Lippen das Vaterland." Wien's große Dichterin, Marie Eugenie delle Grazie, bat vor vielen Jahren ein herrliches biblisches Drama: „Saul" geschaffen. Heinrich Laube war überrascht von der Reife, der philosophischen Klarheit und der starken Theatersprache der blutjungen Verfasserin. „Ich komme heute," erklärte er ihr, „aus den Irrungen nicht heraus . . . Das Einzige, was sich nicht verkennen läßt, ist Ihr Talent. Man muß Sie aufsilhren. Ich werde Sie für den Preis der Fröhlich- Stiftung Vorschlägen, denn Ihr Stück knüpft sehr schön und formgewandt an die Ueberlieferung Grillparzer's an." Laube starb, und die Tragödin gerieth in Vergessenheit. Man müßte die Aufführung derselben mit allem Nachdruck fordern, wäre das „Alte Testament" die Stimmung des Tages nicht allzusehr außer Cours gesetzt. Unter solchen Umständen müssen wir den Waaemutb und die Kübnheit des Freiherrn v. Münchhausen ansiaunen und bewundern, der sich gedrängt ,ühlte. Gesänge unter dem Titel „Juda" in die Welt zu schicken, biblische Stoffe in ein modernes Kleid zu fügen, sie mit neuen Farben zu schmücken und sich zum Dichter, zur Fenersäule der zionistischen Bewegung aufzuwerten. Einen congenialen Künstler hat Münchhausen in E. M. Lilien gefunden, dessen Name in künstlerischen Kreisen schon längst einen guten Klang hat. Der Meisier der Zeichenkunst hat den einzelnen Liedern, die mit dem Purvurgewand der „Schönheit einst gesungener Psalmen" umhüllt sind, die entsprechende künstlerische Verbildlichung zu Theil werden lassen. Ebenso schön wie wahr läßt sich Gustav Karpeles über ihn vernehmen: „An jüdischen Künstlern fehlt es ja heute nicht mehr im Revier der Kunst, aber Lilien ist ein jüdischer Künstler, und das ist sein besonderer Vorzug. Er kennt das Judenthum, er liebt es mit aller Kraft seiner Seele. Mit weiser Selbstbetckränkung vermeidet er alles Harte und Grelle, versteht er, das Echte und Wahre besonders hervorzuheben. Er zaubert mit wenigen Strichen in diesen Gestalten, die er uns vorfiibrt, und um sie her ein eigenes Licht: man sieht es nicht und es leuchtet doch: ein Märchenhaftes. balb aus der Bibel, halb aus dem Talmud, schwebt darüber hin und doch bleiben wir auf festem Boden." „Euch" ist „Juda" gewidmet. Mögen wir uns dieser Widmung würdig erweisen, indem wir das Buch, an das zwei Künstler von Gottes Gnaden ihr Herzblut gewendet haben, unseren Bibliotheken als Familienbuch einverleiben. B. M ü n z. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Dem Jahresberichte der „Israelitischen Volksschule" in Frankfurt a. M. (1900) entnehmen wir: Mit dem Schlüsse des gegenwärtigen Schuljahres vollendet die „Israelitische Volksschule" das zweite Jahrzehnt ihres Bestehens. Gegen Schluß des vorigen Schuljahres, nachdem bereits der Jahresbericht erschienen war, wurde uns ein Mann entrissen, dessen Persönlichkeit mit der Entwickelung unserer Schule in engster Verbindung stand. Herr Direktor Dr. Mendel Hirsch s. A. schied am 28. März v. I. nach kurzem Krankenlager aus dem Leben. Seit dem Entstehen der Jsr. Volksschule hat er dieser Anstalt seine treue Fürsorge gewidmet, und in allen Phasen ihrer Entwickelung war er ihr ein bewährter Führer. Achtzehn Jahre lang hat er seine erprobte Thätigkeit selbstlos und uneigennützig unserer Schule zur Verfügung gestellt, bis ihn das vorgerückte Alter dazu zwang, sein Amt niederzulegen. Die ganze Fülle von Arbeit, welche zwischen dem unscheinbaren Anfänge und der jetzigen Ausdehnung der Schule liegt, hat er freiwillig übernommen und redlich ausgeführt. Der Schulwar er stets ein kundiger Leiter, den Lehrern ein gerechter Vorgesetzter, den Schülern ein väterlicher Freund. Sein Name wird unzertrennlich mit der Geschickte unserer Schule verknüpft sein. Am Grabe wurde seinen großen Verdiensten von Seiten der Schule entsprechender Ausdruck verliehen. Während der Fertigstellung des vorliegenden Berichtes wurde die Israelitische Volksschule von einem weiteren, überaus herben und schmerzlichen Verluste betroffen. Freiherr Wilhelm Earl von Rothschild hat am 25. Januar d. I. sein thatenreiches Leben vollendet. Diesem unermüdlichen Förderer aller edlen Bestrebungen war unsere Schule seit ihrem Bestehen ein Gegenstand wohlwollendster Zuneigung. Sie tonnte ihre verschiedenartigen Anliegen ihrem hochherzigen Gönner vertrauensvoll in die Hände legen, stets fand sie bei ihm Gehör und rasche, liebreiche Hilfe. Bei außerordentlichen Gelegenheiten stand die Israelitische Volksschule in der Vorderreihe der mit Zuwendungen Bedachten; ergab der Jahresabschluß ein Defizit, so war es Freiherr Wilhelm v. Rothschild, welcher in die Bresche trat. Seine fürsorgliche Liebe legte den ersten Grundstock zu unserem Pensionsfonds, auch bestritt dieser edle Wohlthäter seit Bestehen der Schule alljährlich die Kosten für die Beschaffung der fämmtlichen Schulbücher. Sein lebhaftes Interesse für die Schule bethätigte der Heimgegangene noch in seinen letzten Tagen, indem er aus einem größeren Legate des verstorbenen Freiherrn Adolf Carl von Roth-

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