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Der Israelit · 1901-03-28 · Heft 25 (28.3.1901) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 25 (28.3.1901)
Date
1901-03-28
Page
– (sequence 26)
Language
German
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600 unfc ihrer griLenhaftesten und untergeordnetsten Einzelheiten herab und erklären der Idee den Krieg. Sie wissen durchaus nichts anzufangen mit diesem luftigen und gar nicht greifbaren Worte, das unserem realistischen Geschlechts, welches nur noch die eiserne Thatsache schätzt, höchst unzeitgemäß klingt. Sie predigen zumeist nicht aus dem reinen Evangelium der Menschlichkeit, sondern die Gemeinheit schreibt den Text vor. In einem wie ganz anderen Lichte erstrahlt doch der deutsche Dichter Börries Freiherr von Münchhausen! Seine Lieder, die den Titel „I u d a" führen (F. A. Lattmann, Berlin, Goslar, Leipzig, 1901), überfließen von Seele. Er ist hinabgetaucht in die Tiefen der jüdischen Volksseele, er hat sich mit Liebe in sie versenkt, und sein geistiger Tiefblick und die seltene Feinheit seiner Beobachtung haben sich vereinigt, um ein plastisches, anschauliches und überwältigendes Bild von ihr zu entwerfen. Er lebt die Blüthezeit des jüdischen Volkes, seinen Niedergang und all' die Schmach und Schande, die es durch seinen Abfall von Gott geerntet, durch. Er ist in den Genius der heiligen Schrift eingedrungen, er hat den sprachgewaltigen und gedankenwuchtigen Geist der Propheten -nächtig erfaßt und glücklich nachgedichtet. Wie unmittelbar tönt uns beispielsweise im „M o s e" das Jubellied Mirjam's entgegen und wie großartig ist das Gedicht „Also sprach I e s a i a in welchem in Worten, die an das Grollen des Donners und das Zucken des Blitzes gemahnen, das Strafgericht des Herrn über das an Haupt- und Herzkranke Jerusalem verkündet und mit erschütternden, schauerlich-schönen Farben ausgemalt wird. Stimmungsvoll klingt es in die Strophe aus: „Und eine dunkle Nacht wird sein und dumpfer Wehruf rings im Land, Und eurer Seufzer Kette schlingt sich endlos euch um Fuß und Hand, Und immer wieder höre ich aus Edom her das Rufen bange: „Sag, Hüter, ist die Nacht bald hin? Du, Wächter, währt die Nacht noch lange?" Der Dichter denkt aber auch über die Zukunft Jsrael's nach und kommt zu dem Ergebnisse, daß neues Leben aus den Ruinen blüht. Der Zionismus ist der Nerv, der durch seine Gedichte zittert, der Grundaccord, auf den sie gestimmt sind; er ist ihm die Hoffnung und das Heil Jsrael's. Aus weiter Ferne kündete ihm diese Botschaft ein Rufen, des Halljahrs Hörner bliesen sie heimwehstark, er sah im Osten Zion's Tempelstufen, da griff ein Sehnen ihm in's tiefste Mark. Und wie er sehnsuchtstrunken des alten Volkes Pfade ging, Da stiegen greise Schatten aus dem Grund, Da klang die Erde, und des Ew'gen Gnade That meinem Ohr verscholl'ne Lieder kund. Geächtet Volk, ich zeige Dir die Steg» Aus Haß und Hohn zu Deiner Jugend Glück, Verlor'ner Stamm, ich weise Dir die Wege, Und Deiner Wege Losung heißt: Zurück. Zurück zur Schönheit einst gesung'ner Psalmen, Zurück zum heil'gen Bach bei Anathot, Zurück zu Deiner Heimath Balsampalmen, Zurück zu Deinem alten großen Gott! Ich bin des Predigers Stimme in der Wüste, Stark ist mein Schrei, die Liebe ihn gebar, Ich bin des Predigers Stimme in der Wüste, Ein Freund ruft aus mir und redet wahr. Und ruft Dir zu: Laß Pflug und Wage stehen, Sei was Du bist, das alte Israel, Noch lebt Tein Gott, und seine Säulen gehen Noch heute vor Dir, höre Israel! Diese reine, lautere, glühende Begeisterung für die Renaissance des heiligen Landes und des jüdischen Volkes, welche das einleitende Gedicht „E u ch" athmet, lodert auch hell im „P a s s a h": Jeruschalajim, einst wird es erneut, Einst, einst Feiern wir dorten das Passah wie heut!" Aus dxm Boden dieser Begeisterung ist der schwungvolle und bei aller feinen Nuancirung sich überstürzende, überhastende, ungebundene „Triumphg e s a n g der Juden" entsprossen. Für Babel, den Hammer der Völker, die Geißel der Welt, hat die Stunde geschlagen, es ist gefallen, der Sabbat der Sabbate hat seinen Einzug gehalten, das Joch ist gebrochen, die Fessel gelöst, die lange bange Nacht des Druckes ist endlich dem Lichte der Freiheit gewichen, der Herr hat Sein Volk erhört, es richtet sich Gottselig auf und aus seinen Kehlen steigt der stolze Gesang der Heimkehr ernvor, das lange verhaltene Lied von der Heimath: „Nun hänge um Deine Schultern, Mein Volk, das Reisegewand . . ." Wie die langentbehrte Freiheit sich in Sprüngen gefällt, so versteigt sich der Jubel zu den überschäumenden Versen: „Und wer an seiner Sandale der Riemen einen erst band, Der wand're ohne den andern in seiner Väter Land, Warte nicht auf Bruder und Vater, verflucht sei Ruh' und Rast, Was brauchst du Vater und Bruder, wenn du die Heimath hast?" Immer voller schwillt der Gesang an und er strömt in die berauschenden Verse aus: „Und wenn die heilige Heimath leuchtet im Morgenlicht, Von den ewigen Höhen zu Heah das blaue Glänzen bricht.

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