Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1901)
- Date
- 1901-03-28
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449172--53031-2503598- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
WWWMUWWWM-WM'^WM 42* Jahrgang. Dritte Aeilaqe zu M 25 des ^Israelit". ^itctartfdji' Ztinscha« Handbuch der Ernährung für Gesunde und Magenkranke. Mi! besonderer Berücksichtigung der jüdischen Speisegesehe. Bon Dr. P. Münz, prakt. Arzt, Nürnberg. — Mainz, Verlag der Johann Wirth scheu Hofbuchdruckerei A.-G. 1901. Die Behauptung, daß die soziale Frage im (Grunde genommen eine Magenfrage ist, entspricht mit einer gewissen Einschränkung auch in umgekehrter Raffung der Wirklichkeit: Die Magenfrage ist eine eminent wichtige soziale Frage. Es gibt wenig Momente, die aus unseren ganzen gesellschaftlichen Verkehr von so wesentlichem Einfluß sind, als die Befriedigung des Magens, sowie seine Gesundheit und Krankheit. Wenn auch jedes körperliche Unwohlsein seinen Einfluß aus unsere seelische Stimmung hat, so wirkt doch nichts deprimirender, als der Besitz eines kranken Magens. Ist dies im allgemeinen zutreffend, so gewinnt die Magensrage noch an acuter Bedeutung bei uns Hilden,!vo sie auch eine in alle Lebensoerhältniste tief eingreifende religiöse Frage ist. Dazu kommt noch, wie mir aus dem vorliegenden Buche erfahren, daß .Plagenleiden bei uns Juden so ungewöhnlich häufig vorloinmen, daß oberflächliche Beurtbeiler leicht geneigt scheinen, den jüdischen Magen für Krankheiten ganz besonders disponirt zu halten. Mit diesem Vorurtheil und mit einer ganz ansehnlichen Reihe anderer räumt das Buch gründlich auf. Der Verfasser bekundet dabei eine Virtuosität in der Handhabung der medizinischen Wissenschaft und eine Vertrautheit mit sämmtlichen einschlägigen jüdischen Speisegesetzen, deren gliickliche, harmonische Verbindung unwillkürlich an die berühmu'ii jüdischen Aerzte alten Schlages erinnert. Von seinem wissenschaftlichen Werthe abgesehen, bat das Buch für uns Juden eine spezielle Bedeutung durch den Nachweis, der bis in die kleinsten Details in überzeugender Weise erbracht wird, daß die Gesundheit. weE entkernt durch unsere Speisegesetze beein- '.rachtigt zu werden, sogar eine entschiedene Förderung dadurch erfährt. Es feblt nicht an Lebemännern un- :er uns, die tbeils aus Untenntniß, theils zur Rechtfertigung ihrer Verletzung der Speisegesetze, das Gegentheil behaupten. Mit diesem Buche in der Hand wird man dieser Behauptung mit großenr Erfolg, entgcgentreten können. Dasselbe hat dadurch eine Bedeu 7ung. die das Niveau populär-medizinischer Schriften weit überragt. Es ist nach dieser Seite hin besonders reich an scharfen Beobachtungen und glücklichen Combinationen, die ihm einen dauernden Werth sichern. Es behandelt nicht nur Speise und Trank, sondern auch das Fallen, sowie die Mazzoskost an Peßach und weist Schritt für Schritt den heilsamen Einfluß nach, den eine gewissenhafte Beobachtung der jüdischen Speisegesetze für Erhaltung des gesunden und für Heilung des kranken Magens hat. — An der Hand des reichen Materials, welches dieses Buch enthält, geht dem denkenden Beobachter ein neues Licht über die merkwiirdige Erscheinung auf, daß gerade bei uns Juden diejenigen am meisten unter Krankheiten des Magens zu leiden haben, die sich über die Speisegesetze skrupellos hinwegsetzen. Nicht für MagenEankheiten, wohl aber für die treue Erfüllung unsere- Religionsgesetzes scheinen wir Juden prädiSponlrt zu fein. Daher erklärt es sich, daß ein Verstoß gegen diese Gesetze sich gerade bei uns so empfindlich rächt. - Es ist unmöglich, aus der reichen Fülle von Beobachtungen und Erfahrungen, von diätetischen Rathschlägen und Lebensregeln hier eine Auswahl herauszugreifen: wir müssen dafür auf das interessante Buch selber verweisen. Der Hinweis auf die Stelle 6. V. M., Cap. 4, V. 9, als Ausdruck der Verpflichtung, sein Leben zu erhalten, erscheint, wenn man den Wortlaut an Ort und Stelle nachschlägt, nicht glücklich gewählt. (S. 28.) S. 20 heißt es: „Daß die Hände unrein sein lönncn, auch wenn es einem verborgen ist, daß sogar Krankheitsübertragungen auf die Hände durch die Luft stattfinden können, diese Entdeckung der modernen Hygiene inen schon den alten Talmudgelehrten bekannt/' - In dem Traktat Jadajim, der ohne nähere Siellenangabe dazu zitirt wird, ist uns kein Ausspruch bekannt, der dem entspricht. Wir haben diese geringfügigen Ausstellungen hier beigesügt als Zeichen für die Aufmerksamkeit, mit welcher mir das treffliche Buch studirt haben und em vfehlen dasselbe recht angelegentlich. Die Schreibweise ist prägnant, gediegen und auch dem Laien leicht verständlich. Die Ausstattung des Buches ist tadellos, der Breis ein sehr mäßiger. (Mk. 2.) Es herrscht kein Mangel an Dichtern, aber dünn, sehr dünn sind die Dichtungen gesät, aus welchen eine Seele zu uns spricht. Es fehlt den Mordernen zumeist an jener Tiefgründlichkeit, welche nun einmal von der künstlerischen Weihe unzertrennlich ist; sie sind keine psychologischen Wurzelgräber, sieschöpfen nicht aus dem Vollen und Ganzen, sie schaffen nicht aus der geistigen Anschauung der Natur heraus, sie bleiben vielmehr an der Oberfläche haften, sehen nur den Vordergrund des Daseins, klammern sich krampfhaft an den Schein, würdigen sich zu demüthigen Sklaven der Erscheinung