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Der Israelit · 1901-03-28 · Heft 25 (28.3.1901) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 25 (28.3.1901)
Date
1901-03-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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WWWWWWWWWWUWDMWWW 585 Die praktischen Konsequenzen dieser Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes werden nicht lange auf sich warten lassen. Sie wurden bereits in Potsdam gezogen, wo die Stadtverordneten-Versammlung m ihrer letzten Sitzung sich mit der Frage eines Schächtverbotes beschäftigte. Bereits im Jahre 1899 war, wie die Tagesbläter berichten, diese Frage von antisemitischer Seite angeregt, aber ein Verbot des Schächtens abgelehnt worden. Nunmehr, nachdem die letzten Stadtverordnetenwahlen eine andere Zusammensetzung der Versammlung herbeigesührt, hatte der Potsdamer Thierschutzverein sich der Sache bemächtigt und außer einigen anderen Wünschen, die das Tödten des Rindviehs durch Maske, das Schlagen und Betäuben der Schweine etc. betrafen, auch um ein Verbot der Schächtungen petitionirt. Der Referent, Stadtverordnetenvorsteher - Stellvertreter Geh. Rechnungsrath Steinbach, beantragte die Ueberreichung der Petition an den Magistrat zur Beantwortung. Stadtverordneter königl. Obermaschinenmeister Artelt hob hervor, daß die Sache nicht vom Parteistandpunkt betrachtet werden dürfe, der Thierschutzverein sei nicht tendenziös, sondern strebe nur vom humanen Standpunkte aus Abhilfe an. Der Magistrat möge einmal den Schlachthofdirektor darüber befragen, wie er sich zu dem Standpunkte der Thierärzte in Sachsen, wo das Schächten verboten sei, stelle, und zwar möge dieser sich nicht nur vom fachmännischen, sondern auch vom menschlichen Standpunkt aus äußern. Er verlange nur ein Schlachten humaner Art, ohne jede Rücksicht auf rituelle Empfindungen. Oberbürgermeister Jähne wünschte Uebergang zur Tagesordnung. Der antisemitische Stadtverordnete Fröhlich war der Ansicht, daß sich Männer aller Parteien gegen das grausame Schächten auflehnen sollten. Der Einwand, daß ein Verbot von der Regierung nicht sanktionirt werde, sei hinfällig, denn jede Kommune, die ein Schlachthaus besitze, habe die Berechtigung, die Schlachtart vorzuschreiben und die beste und humanste sei unbedingt das vorige Betäuben der Thiere. Stadtverordneter Geh. Regierungsrath Krämer beantragte, die Petition einer gemischten Kommission zu überweisen. In Sachsen habe man das Schächten abgeschafft gegen das Wettern der Israeliten und es ginge auch so, was beweise, daß es theoretisch auch in Preußen möglich sei. Man könne daher in Potsdam ruhig über die Gefühle von 600 Juden zur Tagesordnung übergehen, wenn 49,600 Christen an der Thierquälerei des Schächtens Aergerniß nehmen. Wenn der Oberbürgermeister erkläre, er wolle nicht, so gehe es danach gar nicht, dafür bestehe eine kollegiale Verfassung, und versage auch diese, dann ständen durch die Städteordnung noch weitere Mittel offen. Stadtrath Zwicker wies darauf hin, daß das Schächten als alleinige Schlachtmethode für die königlichen Konservenfabriken eingeführt sei, ein Beweis, welcher Werth ihm beigelegt werde in Betreff der Güte und Haltbarkeit des Fleisches. Der einzige Israelit der Stadtverordneten-Versammlung, Rechtsanw. Dr. Friedländer, ergriff nun das Mort, um, häufig von Lärm unterbrochen, auszuführen. daß es sich hier um eine antisemitische Mache, der man ein thierschützerisches Mäntelchen umgehängt habe, handele. Für streng-gläubige Juden sei das Schächten ohne Betäuben ein Gebotsgesetz, dessen Verbot eine Seelenqual für die Gläubigen bedeuten würde. Stadtverord. Hofsattlermeister Bernard machte dem Oberbürgermeister den Vorwurf, daß er sich nicht rein sachlich, sondern parteiisch gezeigt habe, als wenn es schon ein Verbrechen bedeute, Uebelstände zu äußern. Oberbürgermeister Jähne verwahrte sich gegen den Vorwurf der Parteilichkeit; er könne aber nicht anerkennen, daß hier als Thierquälerei gelten solle, was anderwärts in Preußen in gleicher Weise gehandhabt wird. Die Petition wurde schließlich an eine Kommission von neun Mitgliedern verwiesen, zu welchen auch Herr Dr. Friedländer gehört. Wie die Dinge nun liegen, ist diese Verweisung an eine Kommission noch ein schwacher Erfolg, da er die Möglichkeit nicht ausschließt, daß sich die Herren inzwischen doch eines Besseren belehren lassen. Da in Preußen auch der Militärfiscus die für Gewinnung von Conserven erforderlichen Thiere durch den Schächtschnitt tödten läßt, weil diese Tödtungsart die beste Garantie für die Haltbarkeit des Fleisches bietet, so ist nicht abzusehen, warum unsere Thierschiitzler, wenn sie nicht aus antisemitischen Motiven handeln, nicht auch gegen die Militärverwaltung Beschwerde erheben. Wir denken, daß die jüdische Gemeinde in Potsdam jedenfalls nichts unterlassen wird, um die ihr drohende Gefahr abzuwenden und werden, sobald ein entscheidender Schritt in der Angelegenheit erfolgt sein wird, darüber berichten. Zeitungsnachrichten und (sorrespondcnzcn. Deutschland. Ans Württemberg. Der „Jsr. Landesasyl- und Unterstützungsverein" in Stuttgart hat seinen Rechenschaftsbericht pro 1. Januar bis 31. Dezember 1900" versandt. Darnach ist das Vereinsvermögcn in dieser Zeit von Mk. 61,684.17 auf Mk. 80,047.68 angewachsen. Die ordentlichen Jahresbeiträge belaufen sich auf Mk. 6370.60. Der Verein wurde auch durch Zuwendungen von Ihren Maj. dem König und der Königin gnädigst unterstützt. In nicht allzuferner Zeit soll das Asyl erstellt werden. Eine Kommission hat zu dem Zweck in Heil-

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