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Der Israelit · 1901-03-28 · Heft 25 (28.3.1901) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 25 (28.3.1901)
Date
1901-03-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SSO brachten. Die Türkei hat es nie bereut, iin 16. Jahrhundert die Juden gastlich ausgenommen zu haben. Möge sie es jetzt zum zweiten Male mit den russischen Juden versuchen Auch deren gastliche Ausnahme wird der Türkei Segen bringen und zu ihrer Verjüngung ' wesentlich beitragen. T. Berlin, 24. März. In Bezug auf die Fürsorgej erziehung verwahrloster jüdischer Kinder erhalten wir aus dem Vüreau des „Deutsch-Jsr. Gemeindebundes" den Wortlaut eines soeben eingegangenen Bescheides des Ministeriums des Innern. Derselbe lautet: Der Minister des Innern. <S. 641.) Berlin, 19. März 1901. Den Herren Oberpräsidenten habe ich, wie ich dem Ausschuß aus die Eingabe vom 26. v. M. ergebenst erwiedere, mitgetheilt, daß der Ausschuß bereit sei, inännliche israelitische Fürsorgezöglinge in die vom 1. Mai d. I. ab erössnete Erziehungsanstalt zu Repzin bei Schivelbein aufzunehmen, und die Unterbringung männlicher israelitischer Fürsorgezöglinge, die nicht in diese Anstalt überwiesen werden sollen, in geeignete jüdische Famili-n, sowie weiblicher israelitischer Fürsorgezöglinge in jüdische Waisenhäuser oder geeignete Familien, zu vermitteln. Hierbei habe ich die Herren Oberpräsidenten er-! sucht, die Landeshauptleute, Landesdirektoren und den Magistrat zu Berlin dahin zu verständigen, daß sie dem Anerbieten des Ausschußes soweit als irgend i inöglich nachkoiumen, auch mit Hülfe des Ausschuffes! geeignete Fürsorger ermitteln.! Die Höhe der Entschädigung für die Unter-! bringung der Zöglinge in der Anstalt und die Ueber- ' nähme der Mehrkosten des Transportes in diese,! gegenüber den Transportkosten in eine in der heimathlichen Provinz beleaene Anstalt, durch den Ausschuß, werden die zur Unterbringung der Zöglinge verpflichte-! ten Komunalverbände mit dem Ausschuß direkt vereinbaren.! Im Aufträge: Peters.! An den Ausschuß des Israelitischen Gemeindebundes Berlin W. Oe ft er r. - Ungar. Monarchie.! Wien. Pfarrer Deckert, einer der j schlimmsten Hetzkaplane, ist im Alter von 58 Jahren! an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Josef Decker: ist am 7. November 1843 geboren zu Drösing und wurde 1866 zum Priester geweiht.! Seit 1874 fungirte er als Pfarrer. Dr. Deckert der- * ösfentlichte zahlreiche Flugschriften, von denen einige wegen ihres agitatorischen Inhaltes der Konfiskation; verfielen. Namentlich wurde ein Traktätlein „Das! Vaterunser in der Judennoth" und die Broschüre „Türkennoth und Judenherrschast" beanstandet und j bildeten ebenso wie seine Predigten den Gegenstand von Interpellationen im Abgeordnetenhause. Im Mai l 1894 gab der damalige Ministerpräsident Fürst Win disch-Graetz seinem darüber Ausdruck, daß ein Seelsorger bei einer gottesdienstlichen Handlung Töne leidenschaftlicher Unduldsamkeit angeschlagen habe. Er wandte sich an das fürsterzbischöfliche Ordinariat, da? den Pfarrer annües, künftighin stets der Heiligkeit des Amtes und Ortes eingedenk zu sein. Im nächsten Jahre wurde neuerdings wegen der Predigten des Pfarrers Deckert interpellirt, und Fürst Windisch Graeh antwortete neuerdings in demselben Sinne und tbeilte mit, daß. die Wiener Staatsanwaltschaft schon oorber drei Predigten an den Untersuchungsrichter mit dem Anträge aut Borerhebungen geleitet habe. Pfarrer Deckert war lange Zeit der Herausgeber einer Monatsschrift, die den Titel „Der Sendbote des heil. Joses" führte. Er befaßte sich in seinen Schriften mit Vorliebe mit dein Blutrituale. Diese Spezialität führte ihn irn September 1893 vor die Geschworenen, da Dr. Josef Kopv im Namen mehrerer Israeliten gegen ihn und Schriftsteller Paulus Mayer, einen Kon vertiien, und Redakteur Doll Klage erhob. Die drei Angeklagten wurden schuldig erkannt. Pfarrer Deckert erhielt eine Geldstrafe von 400 Fl. Es widerstrebt uns, diesem Priester die gebührenden Worte in's Grab nachzurufen. Mit seinem Körper ist auch seine ephemere Bedeutung zusammengefallen. > Vermischtes. *4- Mainz, 27. März. Eine prächtige Postkarte mit einer Mazzoh wie sie „leibt und lebt", hat heute Herr M a r Victor, Eöln uns zugesandt,^dieselbe ist in hohem Krade geeignet, Freunden und Verwandten einen Jomtofgruß zu übermitteln. Hoffentlich wird Herr Victor es dabei nicht bewenden lassen nnd uns im nächsten Jahre ein Glas Wein und einen Braten, wenn auch nur int Bilde dazu liefern. Feuilleton. Urne gebildete Wrcm. Von Merbelte Ilvied. 3t Frau Rosl nahm ihr eigenes Tuch ab, schlang dasselbe um Kovf und Schulter des vor Aufregung zitternden Kindes und ging hinein in die Stube zu dessen kranker Mutter. Als dieselbe das Knarren der Thüre hörte, fragte sie mit fast tonloser Stimme: „Bist Du es, Liesel? Nun, kömmt er?" „Ich bin es, liebe Frau, die Buchbinderin Fischer, und bleibe so lange hier bei Ihnen, bis Liesel mit dem hochwürdigen Herrn kommt." „Ach, das wird zu spät sein, und ich muß mit ihm sprechen wegen Liesel."

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