Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1901)
- Date
- 1901-03-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449172--53009-2503576- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
5 77 das frühere Verbot bezüglich deS von Heiden hergeüellteu Oels aufgehoben hat. Ueber R. Juda Nesia und über die Aufhebung des Oelverbots werden wir, s. G >i)., in einem weiteren Aufsatze Herrn Halevy's lichtvolle Bemerkungen anfiihren. Die ersten Amoraim oder Halbtanaim, wie R. Chija und seine Söhne, R. Oschia, Levi, Chanina und Andere, sind die Meister einer Reihe von Boraita's. Diese Boraita's sind Ertlärungen der Rlischna nach Art der Gemara, in ihnen werden keine Meinungsverschiedenheiten der Tanaim erwähnt ilnd unsere Gemara, sowie der Jeruschalmi dringen diese Boraita's an der einen Stelle in derselben Form wie die Aussprüche von Tanaim, an der anderen als Lehren von Amoraim. Ja, es finden sich oft dieselben derartigen erklärenden Boraita's, die im Babli mit *ar, vjr; und ähnlich eingeleitet werden, im Jeruschalmi nur als Ausspruch eines Amora angeführt und ebenso umgekehrt. Sehr interessante Belege im Dorot Harischomim bekräftigen dieses, .^östlich ist es nachzulesen, wie hier Halevy die Hypothesen Zacharias Frankels in seiner Hodegetik, sowie seiner Einleitung zum Jeruschalmi zurückweist, um gar nicht davon zu reden, wie er die Erfindungen des Wiener Traditionsfeindes, I. H. Weiß, in deffen *vn ••invT th in ihrer ganzen Haltlosigkeit und Lächerlichkeit klar vor uns hinstellt. Diese, die Mischna erklärenden Boraita's, werden nämlich bei den modernen Talmudhistorikern trrplötzlich selbst zu Mischnajot, toelche die Mischna Rabbi's verdrängen sollten und deshalb diesem großes Herzeleid bereiteten. I. H. Weiß erzählt uns eine ganzeTragödie aus dem Leben Rabbis, der sich und seine Mischna von Schülern u. Kollegen befehdet sah und deshalb den Ausspruch gethan habe, man solle nicht zu viel Freunde in sein Haus ziehen. Auch in seinem bekannten, in's Gebetbuch aufgenomn'enen Gebet um Rettung a'^O rwa und cjb vor Frechheit und Frechen, soll er nach der empörenden Ausführung des I. H. Weiß die großen Meister unserer erklärenden Boraita's gemeint haben. Die gelehrte und gründliche Abweisung dieses Herrn und seiner Genossen wiederzugeben, geht über den Rahmen dieser Aufsätze hinaus; der Talmudkenner wird seine Zeit nicht verschwendet haben, wenn er einige Stunden dem gründlichen Studium der betreffenden Kapitel in Halevy's Schrift gewidmet hat. Es erübrigt uns noch Einiges, Weniges von Vielem, aus dem glänzenden Beweise Halevy's für die Existenz der Mischna nach Ordnung und Wortlaut in der Zeit vor Rabbi zu bringen. Auch hier hat Halevy erst brüchiges Gemäuer niederzureißen, bevor er das Fundament seines Gebäudes legen kann. Es wäre nicht nöthig die Widerlegungen Z. Frankels, Grätz', I. H. Weiß' zu erörtern. Jeder unbefangene Leser müßte aus der Lektüre der betreffenden Schriften dieser Männer die Haltlosigkeit ihrer Theorien erkennen. Dock- Frankels Entdeckung von einer Mischna R. Akiba's, die dem Rabbi Vorgelegen habe, und welche die älteste Mischna-Sammlung darstelle, ist so oft gedankenlos nachgffvrochen worden, daß es ganz gut ist, wenn Halevy nachweist, daß das im dritten Kapitel der Hodogetik darüber Gesagte nur willkürliche Combiuationen darstellt. Einmal ist nach Frankel, wo von t r;tra im Talmud die Rede ist, die Mischna- Orduung des R. Akiba gemeint, an anderen Stellen, wo eine n;?ro der Ansicht Frankel's, daß diese Mischna R. Akiba's die älteste ist, widerspricht, wird, übrigens ganz richtig, unter Mischna Rischona dieLehrmeinung und Ansicht der Früheren gemeint. Aber in der Thal ist unter Mischna R. Akiba, ebenso wie in der' bekannten Gemara, Synhedrin 84, T.xa n n:2>a an d x-’py m jcPn nPirn *21 die den Hauptstützpunkt Frankel's bildet, nichts anderes gemeint, als die Ansichten u. Entscheidungen R. Akiba's, was jedoch in keiner Weise uns berechtigt, auf eine Mischna-Ordnung R. Akiba's zu schließen. Die Pygmäen Grätz und Weiß werden mit kurzen Worten gründlich zurückgewiesen. Grätz muß sich sagen laßen, daß er in der von ihm angezogenen Jeruschalmistelle Schekalim 61 etwas auf R. Akiba bezieht, was gar nicht von ihm gesagt ist. Bei Weiß, der vor Rabbi überhaupt keine geordnete Mischna kennen will und der bezüglich der Beweise R. Scherira Gaon's und R. Simson von Chinon unüberlegt genug ist. die Masechtas Kelim und Ukzin allein als älter als Rabbi zu betrachten, hat man nicht nöthig, irgendwelche Beweise zu widerlegen; denn dieser Gelehrte erhebt den Anspruch, daß man ohne Beweise ihm das glaubt, was er zu orakeln beliebt. Ilm so fester begründet Herr Halevy seine Ansicht von dem Alter des Ursprungs unserer Mischna-Orduung. Eine schier endlose Reihe von Talmudstellen schlägt er der Reihe nach aus. Alle belehren uns ähnlich wie die von R. Scherira Gaon und R. Simson von Ehinon angezogenen Stellen, daß Rabbi schon die wohlgeordnete und dem Wortlaut nach festgeprägte Mischna von seinen Lehrern überliefert bekam. Rabbi hatte, wie jeder Tana und Amora, zwei verschiedene Klaffen von Lehrern, die Einen lehrten ihn den Wortlaut der Mischna, deffen genaue Bewahrung ihre Aufgabe war, die Anderen, die meist allein als die Lehrer unserer Großen genannt wurden, führten ihn in das tiefe Berständniß des überlieferten Wortlauts der Mischna ein. Durch die Feststellung, daß neben den Erforschern der Mischna, Tanaim da waren, deren Sitz außerhalb der Metibta p-a war und bereit Aufgabe darin bestand, durch stetes Wiederholen den Text der Mischna so genau zu erhalten, daß man diesen unverändert von ihnen, gleich aus lebendigen Büchern erfahren konnte; durch diese Feststellung erklärt uns Halevy eine Reihe schwieriger Talmudstellen besonders in geradezu genialer Weise die bis jetzt so dunkle Stelle Jeruschalmi Jebamot 4,13. Dieser Jeruschalmi gibt uns auch die Namen der beiden Klaffen von Lehrern