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Der Israelit · 1901-03-25 · Heft 24 (25.3.1901) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 24 (25.3.1901)
Date
1901-03-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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666 daß ftc ganz allein dies Werk der Barmherzigkeit verrichtete, abgesehen werden. Sie hüllte bloß die leblose Gestalt der armen Dulderin in ein vom Schames bereitgehaltenes Linnenzeug ein, vollzog selber die Ceremonie des Majim Tehorim, und bat dann mit thränenerstickter Stimme die Hingeschiedene Glaubensschwester im eigenen Namen, sowie im Namen der Gemeinde und Kol Jisroel, um Vergebung, -daß man ihr in Anbetracht der traurigen Umstände nicht vollständig ihr Recht thun konnte, versprach ferner mit tiefbewegter Stimme, daß sie dafür Sorge tragen wolle, damit für die Berstorbene, eine verlassene, kinderlose Wittwe, das ganze Jahr hindurch Kadisch gesagt werde und das übliche Seelenlicht werde sie selber einen ganzen Monat hindurch in ihrem Hause unterhalten. Dann ging sie in den Flur hinaus, um die Ankunft des Todtengräbers zu erwarten, der Leiche das letzte Geleite zu geben und die Wohnung abzuschließen. Die Gemeinde, worin sich dieser Vorfall ereignet hatte, war sonst keine herzlose gewesen, und wenn Krumm Jittel unter anderen Umständen erkrankt und gestorben wäre, so hätte es ihr weder an ausreichender Pflege, noch sonstigem Nothwendigen gefehlt und bei der Leichenfeier wäre vielleicht kein Unterschied gewesen, ob die arme, von Allmosen lebende Wittwe, oder irgend eine angesehene Frau aus der Gemeinde bestattet werde. Aber die Furcht vor der Cholera, dieser heimtückischen, schnell mordenden Gefährtin des eben beendeten Krieges, die Angst vor diesem hohläugigen Gespenste, hatte jedes Gefühl von Mitleid und Erbarmen in gewöhnlichen Gemüthern unterdrückt, und unter allen Gemeindemitgliedern gab es nur vier Personen, welche ihr Leben daran wagten, den an der Cholera Erkrankten körperliche Pflege und geistigen Zuspruch zu gewähren. Es waren dies: der Doktor und der Rabbiner der Gemeinde, welche unerschrocken in den Der „Zsraelil" erscheint wLei'en«Ji<*h zweimal, Mont»*:» und Donnerstags, jede»«al i» mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Ma» abonnirt ganzjährig, halbjährlich od:r vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel vrrkehrk durch V If. Sleinarkrr. Leipzig, Notzplstz Jß.— Inserate 25 Pfennig die vierHespalten« Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., füLS An-lanv 1< Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3702. Telephon 315. Eine Rücksendung der an die Redaktion eingesandten Manuskripte findet nicht statt, nura bittet deShnld, sich von allen Einsendungen eine Eopie zurückzubehalte«. Stellensuchende erhalten aus Wunsch die Jnferaten-Beilage vier Wochen laug gratis und franco zugesandt. Ebenso stunde« wir auf Wunsch die Zahlung des JnsertionSbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt): Leitender Artikel: Vorbereitung für das Peßachfest. — Zeitungsnachrichten und Corre Korrespondenzen: Deutschland: Mainz. Frankfurt a. W. Aus der Provinz Hannover. Rußland: Mitau. England: London. Amerika: New Bork. — Feuilleton: Eine gebildete Frau. (Fortsetmng) Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Aus vergilbten Papieren. --- Zeitungsnachrichten und Eorresdondenzen: Deutschland: Mainz. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Nikolsburg. Extra-Beilagen: Hagadah schel Peßach. — Spenden Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit*, Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Nerlaa >er Job. Mirth'schen Hokbuchdruckerei Arcken-Gesellschait in Matm Krankenstuben weilten, der Schames, dessen Pflicht ihn dahin stellte und endlich Frau Rösl, das Weib des schlichten Handwerkers. Diese vier theilten sich in die Pflege der Kranken. 'Während Rösl, des Todtengräbers harrend, in dem Hausflur Vertveilie, öffnete sich die Thüre einer anderen in den Flur mündenden Wohnung, und heraus trat ein kleines, etwa zwölfjähriges Mädchen, nur iwtbdürstig bekleidet, mit bleichen, vergrämten Wangen und vom vielen Weinen gerötheten Augen. Es blickte lvic suchend auf die Gasse, und als es immer noch nicht den Erwarteten tommen sah, fing es bitterlich zu weinen an. „Was ist Dir, Kleine?" fragte Rösl theilnahmsvoll. --- „'Ach, meine Mutter drin hat die Cholera und liegt im Sicröen und wir haben um den hochwürdigen Herrn geschickt und der kömmt so lange nicht — meine gute Mutter wird sterben müssen, ohne gebeichtet zu haben." Lauf selber noch nach der Pfarrei, vielleicht ist die Adresse nicht richtig angegeben worden." „Wie kann ich fort und die sterbende Mutter allein lassen?" „Gehe nur. Du gutes Kind, ich will unterdessen bei Deiner Mutter bleiben." (Fortsetzung folgt.) Wochen-Halknüer Freitag. 20. März, 0. Nissan. Sabbat Anfang in Mainz 6 Uhr 3ü Min. Samstag, 3o. März. 10. Nissan A-uin rm' an. Sabbat-Ausgang in Mainz 7 Uhr 40 Min. Berlin 7 Uhr 13 Min. — München 7 Uhr 20 Min. — Hannover 7 Uhr 32 Min - Stuttgart 7 Uhr 36 Min. — Prag 7 Uhr 1" Min - Straßburg 7 Uhr 40 Min. — Posen 7 Uhr 06 Min. Hierzu drei Beilage«.

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