Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 24 (25.3.1901)
- Date
- 1901-03-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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WWWW m WWWW U.MMl!W>^ 665 I „Wer? Ich! Das ist ja selbstverständlich." „<D, ich wußte es ja," rief der Schames aus, „Ts-rau Fischer wird sich schon hier auf Erden das lichte Gan Eden verschaffen!" Nösl war in's Nebenzimmer getreten, hatte dort ein großes Tuch umgeworfen, und sprach im Herauskommen: „Gehen wir, Reb Jajkew!" „Sei vorsichtig," rief ihr Eli nach, „denk' an mich und die Kinder!" „Wir Alle sind in Gottes Hand," antwortete das brave Weib, „vergiß nicht, Eli, daß Viele, die sich in ihre Gemächer eingesverrt haben und niemand Fremden vor sich gelassen, ein Beute der Seuche geworden und, während die muthigen Aerzte und Krankenpfleger in den meisten Fällen von der Krankheit verschont bleiben." Frau Fischer war mit dem Schames weggegangen und der Meister in der großen Stube allein geblieben. Er seufzte tief aus. „Da geht sie hin, ihr Leben für ein fremdes Weib, ja für einen leblosen Körper in die Schanze zu schlagen und für mich hat sie kein Wort wagen wollen. Ja, ich sehe es klar, daß sie mich nicht gerne bat. Und wie könnte sie auch einen so unwissenden Handwerker lieben? Wie könnte ich dies von ihr fordern? Und doch, fuhr er in seinem Selbstgespräch fori, bin ich ja im Grunde nicht gar so unwissend. Ich habe in meiner Jugend Chumesch mit Raschi gelernt, und unser alter Rebe, si-chrono liwruchu, pflegte zu sagen: „Kinder! Wer gut Chumesch und Raschi kennt und im Sommer an jedem Sabbat den Perek liest und sich die darin enthaltene Moral zu Herzen nimmt, im Winter mit Andacht Borchi Rafschi sagt, und wenn alles im winterlichen Schlafe liegt, mit Duwid Hamelech's Worten Gottes herrliche Natur vreiü, ein solcher Mensch ist kein Amhoorez!" Wenn ich auch kein gebildeter Mann bin, so kann ich doch überall ein Wörtl mitreden, ohne ausgelacht zu werden, aber vor ihr trau ich mich nicht, sie ist mir zu gebildet. Gott wie schön wäre es, wenn ich sie um den Hals nehmen könnte und. wie ich so gerne wollte, an mein Herz drücken und zu ihr sagen: „Röslleben, mein Gold, wie gerne bab' ich Dich!" Aber zu ihr wag' ich das nicht zu sagen, sie ist mir zu gebildet dazu und möchte mich nur auslachen, denn sie hat mich nicht gerne und sieht in mir nur den unwissenden Handwerker. Sie hat ja nicht einmal unsere schönen Jungen gern, weil sie keinen Kops zum Studium haben und lieber tüchtige Handwerkskeute werden wollen, als verdorbene Studenten, drum kann sie keine wahre mütterliche Liebe für sie nab«"?, Jedes arme Jossim ist ihr so lieb wie ihr eigen Fleisch und Blut." Durch das Hereinstürmen des kleinen Robert, des Nesthäkchens, wurde der Meister in seinem traurigen Selbstgespräche unterbrochen. Das Bürschchen kam herein mit kothigen Stiefeln, nassen Kleidern und durchweichter Kopfbedeckung. „Wo hast Du Dich Herumgetrieben, Robert, daß Du so naß bist, und wo ist Moritz?" „Der kommt auch gleich; wir haben draußen Ballen gespielt, und die Mutter schickt uns nach Hause, damit wir uns trocknen, um nicht krank zu werden — und dann sollen wir bei Dir bleiben, daß Dir nicht bange ist." „So — sie denkt auch an uns! das ist schön von ihr!" —- Gut, daß Vas Kind die bittere Ironie nicht herausfand, welche in den Worten des Vaters gelegen! Der Vater nahm dem Kinde den durchnäßten Rock ab, hängte ihn zum Trocknen auf und gab ihm einen anderen zum Anziehen. „Also ietzt bleib' bei mir, Robert!" „Ja, Vater, aber bitte gib mir die schönen Streisen, ik da he rum liegen (er meinte die umherliegenden Papierschnitzel), ich werde damit spielen und ein großes Baudgeschäft damit einrichten, wie gegenüber der Herr Bauer eines hat." In dem Spiele des Kindes verräth sich dessen Neigung. Der schlichte Mann hatte dies eingesehen, denn er sagte traurig zu dem Kinde: „Warum willst Du Geschäft spielen? Schau, hier liegen so viele Biicher, ich borge sie Dir; — spiele Rabbiner, Doktor oder Chasan. Du singst so schön, ich werde Dich einen schönen Lechu dodi lernen. — Dann wird Dich die Mutter gerne haben!" . Sie bat mich auch so gerne, auch wenn ich nicht singe: sie hat mich darum gerne, weil ich Dir ähnlich sehe, Pater!" Verwundert horchte derselbe aus. Was da der zarte Kindermund ihm zu enthüllen im Begriffe stand, das war zu beseligend für ihn, als daß er es hätte glauben könnet:, und doch gelüstete es ihn, alles zu hören. „Wieso weißt Dl! das, Robert?" fragte er das Kind. „Sie sagt es mir immer, wenn ich allein bei ihr bin und ihr auf dem Schoße sitze. O, ich bin nicht so dumm, wie Du glaubst, Vaterl, ich lveiß Alles!" Zweite«« Kapitel. Während der kleine Allwissend mit seinem Geplauder das betrübte Herz seines Vaters ansheiterte, und die schwere Sorge, die ihn drückte, verscheuchte, schritt Rösl mit ihrem Begleiter dem kleinen Häuschen zu, in lvelchem Kruinm Jittel ihren letzten Seufzer ausgehaucht hatte. Bevor sie eintrat, band sie sich vorsorglich ein mitgenommenes weißes Tiichlein, das mit einer infizirenden Lösung getränkt war, vor den Mund und zog weite Lederhandschuhe au die Hände. So ausgerüstet trat sie in die niedere Stube, deren ganze Breite die auf der Erde liegnde Leiche einnahm. Die Prozedur des Reinigens >var bald beendet: vom Anlegen des Tachrichim mußte bei dem Umstande, KJ u a«aasa^aeifiBig^