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Der Israelit · 1901-03-25 · Heft 24 (25.3.1901) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 24 (25.3.1901)
Date
1901-03-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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568 i Aus der Provinz Hannover, 20. März. Nach dem im Jahre 1897 in Kraft getretenen Lehrerbesoldungsgesetz fall dem Lehrer überall da, wo mit dem Lehramt ein Kultusamt organisch verbunden ist, ein erhöhtes Grundgehalt gewährt werden. Bezüglich der Ausführung dieser Bestimmung herrscht bei den einzelnen Bezirlsregierungen keine Ucbereinstimmung; denn während in einzelnen Bezirken den israelitischen Volksschullehrern für Versetzung des Gottesdienstes ein erhöhtes Grundgehalt anstandslos bewilligt wurde, haben andere Aufsichtsbehörden den dahingehenden Antrag ablehnend mit der Motivierung beschieden, daß das Synagogenamt kein Kirchenamt sei. Jedenfalls wird bei der Berathung des Besoldungsgesetzes vom 3. Marz 1897 eine derartige Auslegung des betreffenden Paragraphen dem Gesetzgeber nicht vorgeschwebt haben. Ter Kultusminister hat nun neuerdings den Antrag auf Erhöhung des Grundgehaltes wegen des mit der Stelle verbundenen Vorbeteru. Schächterdienstes ablehnend beschieden. In der Ministerial-Verfügung wird ausgeführt, daß „da mit der Stelle in N. N. ein Vermögen iin Sinne des Paragraphen 4, Absatz 2 und 3 des Lehrerbesoldungsgesetzes nicht verbunden ist, die Entscheidung der grundsätzlichen Frage, ob der Paragraph 4 des Lehrerbesoldungsgesetzes auch auf die Vervindung eines Schulamtes mit einem jüdischen Kulivsamt analog anzuwenden ist, dahingestellt bleiben kann. Tie Angelegenheit wird wohl noch vor den Landtag -ur entgültigen Entscheidung gelangen und wenn dieser dein Antrag nickt entsprechen würde, wird ein großer Theil der jüdischen Volksschullehrer auf die Vortheile des Paragraph 4 des oben anaezogenen Gesetzes entgiltig verzichten müssen. Rußland. Mitau sKurland). (A l l e r h ö ch st e Rechtsderlei h u n g.) Se. Majestät der Kaiser hat, nach Entgegennahme des allerunterthänigsten Rapportes des Herrn Ministers des Innern, am 1. Februar c. Allergnädigst in Erwägung besonderer Anlaßpuntte zu befehlen geruht, dein Mitau'schen Rabbiner Herrn Hirsch R u r o et die Berechtigung zu ertheilen, im ganzen russischen Reiche das Amt eines offiziellen Rabbiners betleiden zu dürfen, welches Ereigniß in seiner Art als Einzelfall in Rußland gilt. Herr Rabbiner Rurock, der als eine Autorität des russischen geistlichen Rabbinats gilt, gehört nämlich zu den wenigen Rabbinern in Rußland, welche eine außerordentliche talmudischrabbinische Gelehrsamkeit mit einem vielseitigen profanen Wissen zu vereinigen vermocht haben. Jedenfalls verdient aber schon die Thatsache allein, daß ein ministerieller Rapport vor dem Kaiser von einem orthodoxen Rabbiner handelt, besten Verdienste Allerhöchst anerkannt werden, als ein in Rußland bisher nie dag.wchcnec Fall, mit besonderer Genugthuung begrüßt zu werden. A. F-g. England. London. Am 11. März feierte in Oxford der in Bitsch in Ungarn geborene berühmte jüdische Gelehrte Tr. Ad. R e u b a u e r seinen 70. Geburtstag. Der Rahmen eines kurzen Zeitungsartikels reicht kaum hin, um die Verdienste dieses großen, jüdischen Gelehrten, dem die Geschichte der jüdischen Wissenschaft einen Ehrenplatz neben den Großen seiner Zeit einräumen wird, gebührend zu tvürdigen. Nebst zahlreichen in allen erdenklichen Zeitungen und Zeitschriften zerstreuten Einzel-Artikeln hat Dr. Neubauer eine größere Anzahl Schriften theils selbst verfaßt, theils nach seltenen Manuskripten edirt und mit wichtigen wissenschaftlicken Notizen versehen. Sein erstes großes Werk, durch das Neubauer in der weiten Gelehrtenwelt bekannt wurde, war seine 1868 erschienene Geographie des Talmuds, welche ihrem Verfasser auch den Ruf als Hilfsbibliothekar der Bodleaten zu Oxford verschafft hat. Als solcher verfaßte er in achtzehnjähriger emsiger Thätigkeit den hebräischen Catalog dieser weltberühmten großen Büchersammlung. In dem von Renan und anderen Gelehrten herausgegebenen großen Sammelwerk „L'histoire litteraire de la France" schrieb er 1877 die „Geschichte der jüdischen Rabbiner in Frankreich am Beginn des vierzehnten Jahrhunderts", eine bedeutsame Arbeit, die 1893 in der „Geschickte der jüdischen Schriftsteller in Frankreich im vierzehnten Jahrhundert" eine Fortsetzung fand. Der Jubilar, welcher Ehrenmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften, Ehrendoktor der Heidelberger liniversttät ete. ist. erhielt an seinem 70. Geburtstage zahlreiche Gratulationen aus allen fünf Welttheilen. Ebiefrabbi Dr. Adler hat in seiner am 9. März in der St. John's Wood Synagoge gehaltenen Predigt die Verdienste des Jubilars eingehend gewürdigt. Amerika. Newvork. im März. Der in Nummer 12 des „Israelit" in Bezug auf den Zionismus wiedergegebene Ausstmuch von Baron Rothschild s. A.: „Ob die Sache aut oder schleckt ist. ist mir einerlei, genug, ich will mit den Poschim nichts zu thun haben." wird hierzulande leider nicht beachtet, und doch wird dessen Richtigkeit durch Folgendes grell illustrirt und somit bewiesen, daß dieser eine Grund genügend ist. um ein Zusammengehen mit den Neologen, auch aus neutralem Gebiete, nickt ovportun erscheinen zu lassen. Es exillirt hier ein Verein von jüdischen Geistlichen. ..Board of Jewish Ministers," an welchem auch artbodore Rabbinen partiziviren. Nun wurde unlängst in einer Reformgemeinde ein neuer Rabbiner (!) initallirt, welcher ausgesprochenermaßen nicht nur die Göttlichkeit der Thora leugnet, sondern auch die Autorschaft derselben NL'L abspricht. Dr. Köhler, dessen ■: f; |

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