Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 24 (25.3.1901)
- Date
- 1901-03-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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561 den Teig. Ferner liegen viele MazzoS nebeneinander in der Nähe des geheizten Ofens und bleiben in der; großen Hitze liegen, bevor sie in den Ofen kommen. > Es ist nun zweifellos, daß jeder einzelne dieser Mißj stände die Gährung des Teiges zur Folge hat, sowohl die Größe des Teiges, als das lange Liegenbleiben der Mazzos vor dem glühenden Ofen. Selbst die es gewissenhafter nehmen und am Erew-Peßach Mazzo schel mizwa backen, lasten sich dabei Verstöße zu Schulden kommen, die es ganz unbegreiflich erscheinen lasten, wie so Betrübendes in einer gottesfürchtigen, thorabeflissenen Gemeinde Vorkommen kann. Auch habe ich gehört, daß man dort Mazzoth mit anderen Zuthaten, wie Fruchtsast, Waller und dgl. backt und gar in Pfannen und Tiegeln, die von außen geheizt werden. Hätte ich dies alles nicht von einem glaubwürdigen, zuverlästigen Manne gehört, ich hätte es nimmer geglaubt! Wie mir scheint, ist diese sträfliche Fahrlässigkeit dadaurch entstanden, daß man in früheren Jahren junge Leute betraute, die allerdings gesetzeskundig waren. Wie die Weisen s. A. von den Zeiten Chiskijao, Königs von Jehuda, berichten, daß man von Dan bis Ber Scheba Kinder fand, die selbst mit den Gesetzen über Unreinheit und Reinheit vertraut waren, so waren auch früher die Jünglinge thorakundig und gottesfürchtig. Deßhalb konnten sich die Dajonim und der Gesammtrabbiner auf dieselben verlassen. Seitdem sind aber leider die Zeiten nicht bester geworden. Die Thora ist bei diesen Unwissenden vollends in Vergessenheit gerathen und sie hegen auch keine Gottesfurcht in ihrem Herzen. Deßhalb seid stark und fest, Ihr Edlen Israels, und verfahret, wie wir hier verfahren. In jedem Hause, in welchem Mazzos gebacken werden, steht Tag und Nacht ein thorakundiger Aufseher, der die Arbeiten beaufsichtigt, um jedes Unrecht zu verhüten. Zudem besuchen die heiligen Thoragelehrten täglich unversehens die Mazzosbäckereien, um die Arbeiter und Bäcker zu kontrolliren und über jeden : schwierigen Fall zu entscheiden. Und nun, meine Brüder, verübelt es mir nicht und wollet nicht den Vorwurf erheben: Wer ist dieser, der uns in unserer Stadt Befehle ertheilen will, haben mir doch selber einen Rabbiner über die Gesammtheit, der ein Thoragelehrter ist! So wollet nicht sprechen. Ich weiß, daß dieser Gelehrte frei von Verantwortung für alles dieses ist, wie ich dies bereits oben bemerkte. Wollte er selbst durch Einführung einer Neuerung eine Verbesserung anstreben, von der die Altvordern keine 'Ahnung haben konnten, so wird man dies, eben weil es eine Neuerung ist, geringschätzig beurtheilen, da ja im eigenen Lande kein Prophet etwas gilt. Mir aber glüht das Herz im Innern, wenn ich schweigen sollte, wovor Gott sei. Ich bin übrigens von der Bescheidenheit und Frömmigkeit des Rabbiners und der aufrichtigen Gottesfurcht der Vorsteher und der Edlen überzeugt, daß sie meinen Worten Gehör geben und ihnen Folge leisten werden, und auch ich werde dann einen Theil an der verdienstlichen Handlungsweise der Gesammtheit haben. Durch dieses Verdienst möge es uns vergönnt sein, die Mazzos im Verein mit unseren Brüdern in der heiligen Stadt zu genießen, daß wir dort von den Pehach- und Schlachtopfern genießen, unsere Emporopfer darbringen und in friedlicher Sicherheit dort wohnen u. s. w. P r e ß b u r g , den 10. Schebat 6686." Wir haben den beredten Worten dieses großen Führers der jüdischen Diaspora nichts hinzuzusügen, als den innigen Wunsch, daß sie auch in unserer Zeit die verdiente Beachtung in vollem Maße finden mögen. Und zwar nicht nur für den speziellen Gegenstand, dem diese Worte gewidmet sind, sondern weit über denselben hinaus. Wenn ein Wortführer dieses Schlages in Israel selbst ein mahnendes Wort für die Mißstände einer großen, weit entfernt liegenden Gemeinde in einem fremden Lande übrig hat, so kann man daraus auf die Hingebung und den Feuereifer schließen, mit welchem er in seiner eigenen Gemeinde jedem Unrecht offen und entschieden entgegengetreten ist. Daran fehlt es vielfach in unserer Zeit. So redselig sie auch im 'Allgemeinen ist, hier schweigt sie sich vollkommen aus. Das tritt so recht empfindlich bei den Reden zu Tage, die im Hinblick auf Peßach von der großen Mehrzahl unserer Redner gehalten werden und nicht gehalten werden. Möge daher diese Anregung die erwünschte Beachtung finden, damit man nicht auch von den deutschen Rabbinern sage, was uns einmal ein hervorragendes Mitglied des französischen Rabbinerstandes von sich und seinen Kollegen sagte: „Wir werden nicht so sehr für unser Reden, als für unser Schweigen bezahlt." Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 22. März. Unter den verschiedenen Talmudschulen (Jeschiwoth) in der heil. Stadt I e r u s a - l e m nimmt die „Talmud-Thora-Schule und Hochschule Jeschibat-Etz-Hachaim" eine der hervorragendsten Stellen ein. In ihr werden an 600 Talmudjünger in gediegenster Weise in allen Zweigen unserer heil. Litteratur unterrichtet und zu Talmudgelehrten herangezogen. Diese von jeher hochberühmte Jeschiwoh bedarf, um ihren heil. Zwecken voll und ganz zu genügen, großer Mittel, die ihr auch früher durch reichliche Unterstützung seitens edler Wohlthäter und mgewährt wurden. In neuerer Zeit ist, wie uns von competenter Seite mitgetheilt wird, diese Quelle der Unterstützung nur spärlich geflossen, so daß die Verwaltung zu ihrem tiefsten Leidwesen befürchtet, in