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Der Israelit · 1901-03-21 · Heft 23 (21.3.1901) · page 43

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 23 (21.3.1901)
Date
1901-03-21
Page
– (sequence 43)
Language
German
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11 Unsre Weisen lehren im Traktat Berachoth f. 74 rniwi bv tob rt» bi« nmn bv 712b btih n^n „der Mensch ist verpflichtet für das Schlimme Gott zu preisen, gerade so wie er für das Gute dankt/' Aus dem Wortlaute dieses Ausdruckes der Mischnah, mitsn bv 700 «iw dp3, ist zu entnehm n, daß Beides, Schlimmes und Gutes, ihm gleichzeitig vorliegt; für das Gute, für die Rettung aus Roth und Gefahr, dankt er aus eigenem Antriebe, und nun verpflichten ihn die Weisen, auch für die Roth und Gefahr, in denen er sich befunden, zu danken. Es lautet demnach die Uebersetzung: „Der Mensch ist verpflichtet zu preisen für das Schlimme, daß ihm zugekommen, gerade so wie er aus eigenem Antriebe für die Rettung dankt;" denn sonst müßt es heißen raion bv idd njnn bv 712b b-ik 2"n. Gewöhnlich sind die Menschen gern bereit, für die Rettung aus der Gefahr dankbar zu sein; allein, sie meinen, daß sie von der Roth und Gefahr hätten ganz und gar verschont bleiben können. Aber unsre Weisen belehren uns, daß wir Ursache haben, Gott auch für die Schmerzen zu danken, die er ja nur zu unsrem Heile uns gesendet hat. Diesen Gedanken hat auch König David ausgesprochen (Psalm 101. V. 1.) rmx n 7b rmwt bbiwji ivn. „Für Liebe und Strenge lobsinge ich, (für Beides) 0 Gott, preise ich Dich!" Noch deutlicher hat Elihu in 33. Capitel des Buches Hiob diesem Gedanken Ausdruck verliehen: Wohl hält sich der Mensch für gerecht und fehlerfrei; aber Gott sendet ihm Schmerzen, damit er böse Werke lasse. So entzieht Gott seine Seele dem Verderben, errettet sein Leben von der drohenden Waffe. — So ist auch das Galuth Mizrajim nur deßhalb über unsre Väter verhängt worden, um sie für den erhabensten Beruf genügend vorzubereiten. Sie mußten Alles verlieren, um aus der Hand des allmächtigen Gottes Alles wieder zu empfangen. Nur so konnten sie das Volk Gottes werden, vor den Berg Sinai zu treten, um die Thora zu empfangen. Wenn Israel zu einem Volke herangewachsen wäre, wie die andern Völker der Erde, dann hätte es sich gewiß wie die Andern geweigert, das schwerwiegende Joch der göttlichen Gebote auf sich zu nehmen. So aber, vom schrecklichen Sklavenjoche eben befreit, unter Wundern und Zeichen aus Mizrajim's Feffeln gelöst, durch die Spaltung des Schilfmeeres vom sicheren Tode gerettet, genährt vom Himmelsbrode und getränkt mit Waffer aus dem Felsen, sprachen sie einstimmig: Alles, was Gott geredet, wollen wir thun und gehorchen. Demnach ist das Galuth Mizrajim zur größten Wohlthat geworden, denn ohne dasselbe wären wir nicht befähigt gewesen, die hohe Bestimmung, ein Gottesvolk zu sein, auf uns zu nehmen. Gott hat uns die Leiden in Mizrajim lediglich zu unsrem Heile erdulden laffen. Gerade so, wie wenn Jemand einen unbrauchbaren Arm hat; er geht zum Arzt, und dieser findet, daß der Knochen verkrümmt ist; dann zerschlägt der geschickte Arzt den Arm und heilt ihn wieder, wodurch der Knochen gerade wird, so daß der geheilte Arm zu allen Verrichtungen tauglich ist. In diesem Falle hat der Geheilte volle Ursache, auch für die ihm angethanen Schmerzen dankbar zu sein. Auch die zweite Frage beantwortet uns der berühmte Magid durch ein Gleichniß. Eine Gesellschaft von Kaufleuten fährt übers Meer. Der eine führt Diamanten und edles Gestein mit sich, der Andere goldene und silberne Gefäße, der Dritte Seidenwaaren und ein Vierter echte Spitzen. Auf hohem Meere wird das Schiff von einer großen Gefahr bedroht. Ein fürchterlicher Sturm erhebt sich, und das schwanke Fahrzeug wird von den tosenden Wellen bald himmelhoch geschleudert, bald abgrundtief hinabgesenkt. Die Kaufleute erzittern, erzittern für ihr Leben. Keiner denkt, an die kostbaren Maaren, die mit ihm in Gefahr sind, vom Meere verschlungen zu werden, keiner denkt daran, sein Loos mehr zu beklagen als das der Anderen, weil diese vielleicht weniger besitzen; die Todesgefahr macht sie alle gleich. Da schweigt der rollende Donner, n'cht mehr zucken die Blitze hernieder, der Regen hört auf zu strömen, mit dem Gewölke ist auch der Sturm dahingegangen, und die goldnen Strahlen der Sonne scheinen freundlich hernieder auf die beruhigte See. Vorüber ist die Gefahr, das Schiff und seine Insassen sind gerettet. Im sicheren Hafen angelangt, erzählen die der Gefahr entronnenen Kaufleute von ihrer Rettung. Sie preisen Gott nicht allein für das erhaltene Leben, sondern auch für die kostbaren Maaren, die mit ihnen sicher geborgen sind. Da erkennt man leicht, wer viel oder wenig gerettet hat. Der Reichere wird mit innigerem Gefühle die erfolgte Rettung preisen, als der Minderbegüterte. In den ägyptischen Drangsalen waren wir Alle in Gefahr, elendiglich zu Grunde zu gehen. Unendliche, erhabene Güter haben wir bei der Erlösung davon getragen: Die Thora, die Mizwotb, die Gotteserkenntniß, das reichste Wissen, die edelsten Tugenden. Je mehr demnach der Mensch von all diesen edlen Gütern besitzt, destomehr wird er sich veranlaßt fühlen, Gott für die Rettung zu danken; wer also am meisten erzählt von dem Auszuge aus Mizrajim, der ist (schon an und für sich) lobenswerth; er beweist ja dadurch, wie Vieles und Großes er der Erlösung aus Aegypten verdankt, v'v-n ubz i^bw, „Selbst wenn wir alle Weisen wären — der Weise ist Derjenige, welcher in profanen Dingen große Kenntnisse gesammelt — d'jisj 1^2, wenn wir alle scharfsinnig wären — der Scharfsinnige ist Derjenige, welcher aus den aufgenommenen Kenntnissen Neues zu folgern versteht D'jpt uta, wenn wir alle erfahren wären — der Er-

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