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Der Israelit · 1901-03-21 · Heft 23 (21.3.1901) · page 41

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 23 (21.3.1901)
Date
1901-03-21
Page
– (sequence 41)
Language
German
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9 Die map werden aufgedeckt, V'NIV. Einst waren wir Sklaven dem Pharaoh in Ägypten, aber der Ewige, unser Gott, führte uns von da heraus mit starker Hand und ausgestrecktem Arme. Hätte der Heilige — gelobt sei Er — unsere Väter nicht aus Ägypten geführt, wahrlich! wir, unsere Kinder und Kindeskinder hätten auf ewig in Ägypten dienstbar bleiben müssen. Wären wir alle auch weise, vernünftige und erfahrene Männer, auch Kenner der Thora, so bliebe es dennoch Pflicht, die Geschichte des Auszugs aus Ägypten zu erzählen; und wer am meisten davon erzählt, ist lobenswerth. und die Tischgesellschaft antwortet dieses: ” Pioan .cnap? ny-®? upn □,-py; t-w .rnpj ynbi'npirpb D&p pvlirr UTbsrns tfin ' ern$rT sran’ iö □baybp ppp ppi pp:h p$nn onspp .□'PPG üp £®Ki.bnapS ny-®1? irn Gdr cryir p->3 .Dpp? Pp? .üpbj Pp? .□nap n»T3 ispp'p;$17 niap rninn nri bnso mm' isbP rQGsrfbzn :n3^pni zu tragen. Der Bequemlichkeit werden vielfach die Sabbatgesetze, die Speisegesetze, die Vorschriften der ehelichen Reinheit geopfert. Es ist so unbequem, durch den Sabbat und durch die Feiertage in der gewohnten Lebensweise und Beschäftigung unterbrochen zu werden; es ist so unbequem, auf Reisen die jüdischen Restaurationen aufzusuchen, oder gar der warmen Kost zu entbehren; es ist so unbequem, einen ganzen Tag fastend zu verbringen, die Synagoge zu besuchen, täglich drei mal zu beten ic. Dazu gesellt sich der Stolz, welcher die Ergebnisse des eigenen Nachdenkens höher stellt als die geoffenbarte Weisheit des allweisen Gottes. nrt rbbn pnoD p2 p2vw p2 ptoxps nbbn brat? Aus diesen Ursachen sind die Wege, die nach Zion führen noch immer verödet. Auch König David bezeichnet im 24. Psalm die Beseitigung der erwähnten vier Laster als nothwendig für die erhoffte Erlösung: „Wer darf hinaufziehen auf den Berg des Ewigen, wer darf betreten Seine heilige Stätte? a®2 pj. Derjenige, welcher die Habsucht beseitigt 22b 121 und die Genußsucht aus seinem Herzen bannt wk npbj wer nicht eitlen Dingen, wie Stolz und Bequemlichkeit seine Seele weihet 722p rrPi und nicht durch Haß und Zwietracht sich zu trügerischen Schwüren verleiten läßt. Er wird empfangen Segen vom Ewigen und gerechten Lohn vom Gotte Seines Heils!" „Sklaven sind wir gewesen dem Pharao in Mizrajim, und es hat uns herausgeführt der Ewige, unter Gott, von dort mit starker Hand und mit ausgestreck:em Arme; und härte nicht herausgeführt der Heilige gelobt sei er, unsre Väter aus Mizrajim; so wären wir und unsre Kinder und die Kinder unsrer Kinver geknechtet geblieben dem Pharao in Mizraim; und wären wir auch Alle weise. Alle scharfsinnig, Alle erfahren, Alle Wisser der Thora — so ist es uns dennoch Pflicht, zu erzählen vom Auszuge aus Mizrajim, und wer recht viel erzähl: vom Auszuge aus Mizrajim, der ist lobenswerth." Mit diesen Worten beginnt die eigentliche Erzählung. Dem denkenden Leser bieten sich sofort Schwierigkeiten dar, sowohl in Bezug auf die Ausdrucksweise als in Bezug auf den Inhalt. Einige davon wollen wir jetzt hrrvorheben. „Sklaven sind wir gewesen dem Pharao in Mlzraijm." Warum sagt die Hagadah: „Dem Pharao in Mizrajim?" Hätte nicht genügt zu sagen: Dem Pharao? Gab es denn jemals in einem andern Lande einen Herrscher, der den Titel Pharao geführt hat? Oder hätte es nicht genügt zu sagen: in Mizrajim? Da hätte ich ja schon gewußt, daß unsre Väter von Pharao geknechtet worden waren. — Noch schwerer zu verstehen ist der folgende Satz: „Und hätte nicht herausgeführt der Heilige, gelobt sei er, unsre Väter aus Mizrajim, so wären w:r, unsre Kinder und die Kmder unsrer Kinder geknechtet geblieben dem Pharao in" Mizrajim." Wie kann die Hagadah solches behaupten? Seit Jahrtausenden existirt kein Pharao mehr, und Mizrajim hat seitdem viele polilische Umwandlungen erfahren. Auch zur Zeit der Abfassung der Hagadah war das Pharaonenreich seit vielen Jahrhunderten gestürzt, und und Aegypten war nacheinander von den Babyloniern, Persern, Griechen und Römern erobert worden. Es kann demnach unmöglich dem einfachen Wortsinne gemäß verstanden werden, daß wir, wenn uns Gott nicht herausgeführt hätte, noch heute einem Herrscher und einem Volke unterthan wären, die beide nicht mehr existiren.

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