Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1901)
- Date
- 1901-03-21
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
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Zeit hindurch unter der Leitung des Inspektors und im Verein mit diesem und den anderen Collegeo, fieissig und mit Nachdenken an dem Erziehungswerke theilgenommen, so ist er weit besser zu selbstständigen Stellungen vorbereitet, als wenn er sogleich nach Verlassen des Seminars eine Stellung als alleiniger Lehrer einer Volksschule, oder vielleicht nur einer Religionsschule angenommen hätte. Die Interessen des Lehrers gehen daher bei dem öfteren Wechsel mit dem allgemeinen Interesse Hand in Hand; und dass nicht etwa die Erziehung innerhalb der Anstalt Schaden leide, dafür bürgt die ständige Leitung und Aufsicht des Inspektors in Verbindung mit der Kontrole des Vorstandes. (Schluss folgt.) Handel und Gewerbe im heiligen Lande. (XV. Fortsetzung. *) Es erhellt hieraus, dass die Menge der Pilger die soziale Lage unserer Glaubensgenossen nicht heben kann. Jüdische Vergnügungsreisende und Pilger sind ja im heiligen Lande leider nicht anzutreffen; diese ziehen vielmehr die Luxusbäder des Occidents als Reiseziele dem Lande ihrer Väter vor. Es genügt ihnen, letzteres in ihren Gebeten zu erwähnen, soweit die Reformsucht es noch nicht aus denselben gestrichen hat. Ist ja das heilige Land für viele abendländische Glaubensgenossen kaum noch ein Gegenstand der Erinnerung! An einem der jüngsten Pessachfeste wohnten und speisten in dem jüdischen Gasthofe „Eschel Jeruschalajim“ dreiunddreissig christliche Pilger neben nur drei jüdischen Fremden. Die christlichen Pilger waren gezwungen, die — übrigens vortrefflichen — Mazzahspeisen mit uns zu gemessen, weil sie in christlichen Pensionen wegen Uebeifüllung derselben k*4n Unter kommen fanden. Der jüdische Hotelier hatte auch die Wände seiner Gastzimmer mit angehefteten — christlichen Gebeten geschmückt, um nur überhaupt Gäste zu bekommen. Im Westen der Stadt entstehen stattliche Paläste für den Grosshandel, gegen welche die Handelsgeschäfte der Israeliten armselig erscheinen. Während die Israeliten überall im Handel die Oberhand gewinnen, können sie in Jerusalem gegen die erdrückende Konkurrenz der Andersg-äubigen nicht aufkomm-n. Franzosen, Deutsche, Griechen und Armenier haben den ganzen Import und Export in Händen, während unsere Glaubensgenossen, mit wenigen, kaum nennenswerten Ausnahmen, sich mit *) S. Nr. 764. krämerhaftem Kleinhandel begnügen müssen. Ein Uebelstand trägt noch besonders dazu bei, diese beklagenswerten Zustände zu konserviren. Während die Andersgläubigen bestrebt sind, ihre Glaubensgenossen zu unterstützen, während jede Konfession solidarisch für die Mitglieder ihres Bekenntnisses eintritt, herrscht unter unseren Glaubensgenossen Geschäftsneid und kleinliche Eifersucht, welche keinen Anderen neben sich aufkommen lässt. Mangel an Energie und Unternehmungsgeist lässt auch Viele zu Almosenempfängern herabsinken, welche durch Fleiss und Thatkraft sich leicht einen lohnenden Erwerbszweig verschaffen könnten. Die Zahl der Juden in Jerusalem beträgt 22,000; die aller Andersgläubigen zusammen etwa 30,000; das grösste Kontingent an Armen stellen die Juden, was nach obigen Ausführungen natnrgemäss erscheint. Die Zahl der jüdischen und christlichen Handwerker in der Stadt beträgt 3300. Die Muselmänner sind zum Handwerk und Handel meist zu träge, und besitzen nur wenige Geschäfte in der Textil branche. Die Zahl der Fabriken und offenen Geschäfte der Stadt beträgt etwa 1100; trotzdem ist Jerusalem nicht als Handels- oder Fabrikstadt zu bezeichnen. Wir haben weder eine Börse, noch geordnetes Kreditwesen; Wechselgeschäft und Arbitrage sind kaum dem Namen nach bekannt. Kredit ist nur gegen Unterpfand von Edelmetallen und Pretiosen zu erlangen; ein Zinsfuss von 12 bis 14% gilt als niedrig. (Schluss folgt.) Druck der Joh. Wirt h’schen Hefbuchdrnckerei Actien-GeseUschaft, Mainz.