Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1901)
- Date
- 1901-03-21
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Innere Angelegenheiten. A. Die Zöglinge. Seit der Abfassung des vorigen Berichts haben 14 Lehrlinge ihre Lehrzeit beendet; es sind somit im Ganzen 52 Lehrlinge ausgebildet worden. Wir sind, wie früher, bemüht gewesen, mit unseren ehemaligen Zöglingen in Verbindung zu bleiben, zu welchem Zwecke unser Inspektor Silberberg einen regelmässigen Briefwechsel mit ihnen zu unterhalten sucht. Soweit wir dadurch in Erfahrung gebracht, ist die gegenwärtige Lebenslage der ehemaligen Lehrlinge die folgende: Als Gärtner befanden sich in Stellung: 24 in Deutschland 4 ,, Oesterreich 3 „ Nordamerika 2 „ Kussland 1 „ Belgien 1 „ Frankreich 1 „ Palästina, zusammen 36 Gärtner, dazu 1 Tischler, ergiebt 37 Zöglinge, die, wie wir wissen, den Beruf ausüben, den sie auf der Anstalt erlernt haben. Von den übrigen 15 haben wir Folgendes zu berichten: 5 erfüllen ihre Militärpflicht, 4 haben einstweilen ihren Beruf gewechselt, 6 haben uns in jüngster Zeit, ohne Nachricht gelassen; von ihnen waren zuletzt je 1 in Deutschland, Oesterreich und Transvaal, 3 in Russland. Angesichts der Verschiedenattigkeit der unserer Anstalt zugeführten Zöglinge, bezüglich ihrer körperlichen Fähigkeiten und ihrer durch die bisherige Erziehung beeinflussten Anschauung über den Werth von Gärtnerei und Handwerk, ist es sehr erfreulich, dass ein so hoher Prozentsatz bei dem erlernten Berufe geblieben ist. Aber auch selbst für diejenigen, welche später aus irgend einem Grunde einen anderen Beruf gewählt haben, wird die Lehrzeit in Ahlem nicht ohne Nutzen geblieben sein und bleiben, da diese jungen L^ute, abgesehen von den Fach- und sonstigen in der Fortbildungsschule erworbenen Kenntnissen, in Ahlem körperlich gekräftigt und an treue Arbeit gewöhnt worden sind. Es ist undenkbar, dass in dieser Beziehung die Lehrzeit in Ahlem ohne gute Wirkung bleibt. Die Zahl der Zöglinge betrug: Lehrlinge Schüler am 15. Oktober 1899 43 27 „ 31. Dezember 1899 45 28 , 31. Oktober 1900 42 33: weitere 7 Lehrlinge und 2 Schüler werden im Laufe des nächsten Monats noch ein treten, sodass die Anstalt dann bis auf den letzten Platz besetzt ist. Mit Rücksicht auf die grosse Nothlage der jüdischen Bevölkerung Rumäniens hat die Jewish Colonisation Association uns in diesem Herbste 6 junge Rumänen an Stelle abgegangener Russen als Lehrlinge zur Ausbildung überwiesen. Der Gesundheitszustand der Zöglinge war im Berichtsjahre G. s. D. ein recht guter. Aerztliche Hilfe ohne Entgelt leisteten in Spezialfällen auch im letzten Jahre wiederum die Herren Dr. W. Block, Dr. 8. Hirsch und Dr. Sklarek, ebenso wie Herr A. Jacobsberg die Zahnpflege kostenfrei übernahm. Als besoldeter Arzt der Anstalt war, wie seither, Herr Dr. Baldewein in Limmer thätig. Durch Ausbildung im Samariterdienst hat wiederum Herr Dr Caro sich um die Anstalt verdient gemacht. B. Schulwesen und Lehrer. Der Unterricht wurde in gleicher Weise wie bisher ertheilt; wir können zu unserer Freude berichten, dass die Unterrichtserfolge bei den Kindern als durchaus befriedigende zu bezeichnen sind. Der Erfolg des Fortbildungs- Unterrichts der Lehrlinge ist zwar in den meisten Fächern ein sehr ungleichmäßiger gewesen, indessen bemerkenswert!! gut im Z-dehnen, wofür wir dem diesen Unterricht ertheilenden Lehrer, Herrn Andermann —Ahlem, unsere Anerkennung nicht versagen dürfen. Unser zweiter Lehrer, Herr Spier, der seit Anfang 18 97 im Dienste der Anstalt thätig war, verliess uns im April 1900, um ein öffentliches Lehramt in Labischin (Posen) anzunehmen; wir stellten wiederum einen jungen Lehramts Kandidaten, Herrn Max Blumenfeld aus Kirchhain (Hessen) an. Die regelmässig in unseren Berichten wieder kehren de Nachricht über Wechsel im Lehrer Collegium der Anstalt mag vielleicht hier und da Befremden erwecken, indessen ist dieser öftere Wechsel ein der Sache, der die Anstalt dienen soll, wohl dienlicher, und wird daher von uns gern gesehen und befürwortet. Je mehr nämlich junge Lehrer in unserer Anstalt thätig gewesen sind, desto mehr werden die Erziehungsgrundsätze, nach denen bei uns gearbeitet wird, in die Welt hinausgetragen, und um so leichterfinden sich später die Lehrkräfte, die für fernere Anstalten ähnlicher Art — und deren Errichtung kann nicht ausbleiben — nothwendig sein werden. In letzterem Umstande liegt zugleich ein Vortheil für den jungen, bei uns einige Jahre zu beschäftigenden Lehrer. Hat er nämlich diese