Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 42 (1901)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1901)
- Date
- 1901-03-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449146-2449170--52948-2503513- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
534 „Du kannst mir ja nicht helfen, wozu brauchst Du eS zu wissen?" „Wozu? Weil ich Dein Weib bin und ein Recht dazu bade! Sag' mir's, Eli!" „Also wenn Du es partout wissen willst, ich Hube Sorgen, große Sorgen, — Geldsorgen!" Rösl erbleichte. Dafür wußte sie wirklich keinen Rath. Einmal in's Sprechen gekommen, fuhr Eli fort: „Ich habe die neuen Maschinen, die ich zum Handwerk brauche, auf Ratenzahlungen genommen, und die ersten Raten auch pünktlich eingezahlt; doch da ist der Krieg gekommen, im Geschäft ist Stillstand eingetreten, das Handwerk ist eingeschlafen, — ich konnte die späteren Zahlungen nicht einhalten — und wenn ich bis zum ersten November nicht die rückständigen 300 Gulden aufbringe, so nimmt mir der Fabrikant die Maschinen weg und alles, was ich schon darauf gezahlt habe, verfällt. Der schreckliche Krieg hat mich so hineingebracht und jetzt auch noch die Cholera. Wer kauft in solchen Zeiten Bücher und wer läßt was einbinden? Sogar die Schulen sind wegen der Cholera gesperrt, da verkauft man die ganze Woche keinen Bogen Papier und keine Feder. Von was soll ich in der kurzen Zeit das Geld auftreiben?" „Eli," sagte beschwichtigend das gute Weib, „Gott wird helfen! Ich werde meine goldene Kette versetzen und meine Ohr- und Fingerringe — und ein paar Stücke! überflüssiges Bettzeug verkaufen. Mit dem Erlös werden wir einige dieser Raten decken; das Uebrige wird Dir der Kaufmann schon stunden. Ich werde ihm selber darüber schreiben." Eli lachte grell auf: „Du ihm schreiben! Was macht sich der aus Deinem schönen Briefe, das ist ein Blutsauger, der will nur Geld, und zwar jetzt, weil ich nicht pünktlich war, Alles auf einmal, und was Deinen Schmuck betrifft, wirst Du dafür Chaj Pschitim*) bekommen. Aber auf eine andere Art kannst Du mir helfen, liebes Kind," fuhr Eli in bittendem Tone fort. „Ihr Frauen habt den Wohlthätigkeitsverein Bes Jakob, den Du mitbegründen geholfen hast und dessen Schriftführelin Du. als die gebildetste der Frauen, bist. Bitte den Borstand, und sie werden Dir das Geld aus Abzahlung borgen. Dir, der Rösl Fischer, die so viel für den Verein leistet, kann man doch diese Bitte nicht abschlagen." „Alle-, nur das nicht," stöhnte Rösl, das schamergluhende Antlitz in den Händen verbergend. „Nun, dann wird der Kaufmann kommen und sich die Maschinen fortnehmen, und ohne diese kann man jetzt nicht arbeiten, — und dann diese Schande für uns." „Du bist unbarmherzig, Eli!" „Bin ich unbarmherzig — oder Du? Wer von uns ist eigentlich unbarmherzig? Dich kostet es ein bloße- Wort und uns ist. geholfen, und Du willst das Wor: nicht sprechen. Für den Glaser Wolf Trebisch hast Du ja ein gutes Wort geredet, — und der Verein hat ihin sofort den Diamanten gekauft und alles Nothwendige zum Gewerbe, — oder nicht?" „Freilich," sagte Rösl thränenden Auges, „aber dabei hat es sich nicht um solch' große Summe gehandelt, -- lind dann war es für jemand Andern und nicht für mich selber. Für einen Andern spricht sich's gut, aber für sich selber ist das eine andere Sache.- Schrecklich! bei diesen hochmüthigen Frauen betteln zu sollen, ioelche inich nur widerwillig unter sich dulden, und mir nur ungerne eine bevorzugte Stellung einräumen, mir — ■ der armen Handwerkersfrau." — (Fortsetzung folgt.) *) „Achtzehn Pfennige" wurde aus dem Lande früher geschnodcrt. Der „Israelit" erscheint wüchentlic« zweimal, Montag« and Donnerstags, jede»«al iz mindeste»»- zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend hSher. Ma» abonnirt ganzjährliH, halbjährlich od-r vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel vrrkrhrl durch V. #. Steinackev, Lripsig, Notzplatz sv. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile »der deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr.. für^S Ausland iS Mark, an die Expedition franco etnsenden. Postzeitungsliste 3702. Telephon 315. Line Rücksendung der an die Redaction eingesandten Manuskripte findet nicht statt, ««» bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalte«. Stellensuchende erhalten auf Wunsch die Jnseraten»Beilage vier Wochen lang grattS und franco zugesandt» Ebenso stnnde« wir auf Wunsch die Zahlung des JnsertionSbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solche». Inhalt: (Hauptblatt): Leitender Artikel: Bon Rabbi bis Nab Aschi und Rabina. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. München. Italien: Nom. Rußland: Petersburg Korfu: Korfu. — Feuilleton: Eine gebildete Frau. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Vorbereitung für das Peßachfest. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Demschland: Halberstadt. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Die „Seelsorge" der jüdischen Soldaten vor dem Reichstage. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Münwen. Palästina: Jerusalem. Inhalt der dritten Beilage: Leitender Artikel: Piotke's Broschüre über Rumänien. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Analtrach. Oesterr-Ung Monarchie: Budapest. Königgrätz. Verantwortliche Redaction Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit*, Schottstraße Nr. 2. Mainz. Druck und Berlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu drei Beilagen.