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Der Israelit · 1901-03-21 · Heft 23 (21.3.1901) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 23 (21.3.1901)
Date
1901-03-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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531 durchdrungenen Rede einige schwierige Stellen im Raschi-Commentar zu lösen und am Schluffe dem Verein jegliches Gedeihen zu wünschen. Nachdem nach Willi Bukowzer Frau Dr. Lipschüy als würdige Vertreterin der erschienenen Damen gefeiert und ihr ein mit aufrichtiger Begeisterung aufgenommenes Hoch ausgebracht hatte, sprach Herr Dr. Lipscküitz in seiner ebenso liebenswürdigen wie geistreichen Art das Schlußwort. Nach Vortrag des Schir Hamaalauß durch Herrn Kantor Goldberg sprach Herr Dr. Lipschütz das Tischgebet, mit welchem Frau Doris Lichtenstein ihn beehrte, die es zu erheblichem Preise erstanden hatte. Zahlreiche Anmeldungen bewiesen den Anklang, den das heutige Fest und die Bestrebungen des Raschi- Vercins gefunden. Für längst nachmitternächtlichen Stunde trennte sich die Festgesellschaft in dem Bewußtsein, einen geistig genußreichen Abend verbracht zu haben, bei tvelchem nicht nur der Körper durch das treffliche Mahl des Herrn Peltasohn, sondern auch Geist und Seele zu ihrem Recht kamen. Wir wünschen unserer Stadt Berlin recht viele solcher von wahrer Religiosität durchdrungener Feste. München. Im abgelaufenen Jahre hatte der .,Jsr. Verein für Krankenpflege, Bestattungswesen und religiöse Belehrung" (Chewrah Kadischa) hier den Verlust von fünfzehn Mitgliedern in Folge Ablebens zu beklagen. In erster Linie ist es Herr Ernst Arnstein s. A., der zu den treuesten und opferwilligsten Mitgliedern des Vereins zählte und etwa dreißig Jahre als Vorstandsmitglied in hoch schätzbarer, nichr genügend zu würdigender Weise für den Verein wirkte. Ein ehrenvolles und dauerndes Andenken wird dem mackeren Dahingeschiedenen gewahrt bleiben, wie das die Leitung des Vereins in dem Rechenschaftsbericht pro 1900 auch betont. Jiu Jahre 1900 sind 28 Mitglieder neu hinzugetrcten. Erreicht auch jetzt die Mitgliederzahl noch immer nicht den 'Prozentsatz, mit dem andere große Gemeinden an der Mitgliedschaft ihrer „Chewrah Kadischa" betheiligt sind, so zeigt diese Zunahme doch, daß das segensreiche Wirken des Vereins sich im Kreise der Gemeinde einer gesteigerten Würdigung erfreut. So angenehm diese Thatsache berührt, um so betrübender ist es andererseits, daß der Mangel von solchen Mitgliedern, die sich den werkthätigen Liebesdiensten widmen, von Tag zu Tag fühlbarer tvird. Das Wachsthum einer Gemeinde wie München — unberufen — stellt größere Ansprüche an die äußerst geringe Anzahl von Mitgliedern, die in nicht genug hoch anzuerkennender Weise unter großen persönlichen Opfern den Heimgegangenen Brüdern lind Schwestern die Chesed schel eines erweisen. Daher appellirt die Vorstandschaft eindringlich und warin an die Mitglieder, ihr auch in dieser Beziehung hilfreich zur Seite zu stehen und ihre Bereitwilligkeit, bei Beerdigungen und Beisetzungen -nitzuwirken, kundzugeben. Im Interesse der hochheiligen Ziele des Vereins ist es zu wünschen, daß dieser Ruf der Veceinsleitung nicht ungestört verhallt. Dem „Israelitischen Schwesternheim", welche Institution in unserer Gemeinde auf dem Gebiete der Krankenpflege bereits segensreich wirkt, hat der Verein einen Zuschuß aus Vereinsmitteln zugesagt, in der berechtigten Annahme, hierdurch auch die eigenen Ziele zu fördern. Auch im verflossenen Jahre erhielt der Verein eine größere Anzahl von Legaten und Schenkungen zugeivendet, der Vorstand spricht den edlen Spendern im Rechenschaftsberichte den wärmsten Dank aus. Insbesondere sind hervorzuheben: Mk. 300 von den Hinterbliebnen der sel. Frau Rath. Ansbacher, Mk. 500 von Frau Therese Heilbronner anläßlich des Ablebens ihres Gatten, Mk. 500, Legat des sel. Herrn Abraham Klopfer, IW. 150, Stiftung der Frau Babette Hausner für ihre sel. Tochter Bertha. Vereinnahmt wurden 1900: Zinsen Mk. 1721.58, Mitaliederbeiträge Mk. 4158, Spenden Mk. 3045.50, für Palästina Btt. 278, Verschiedenes Mk. 862.13, Legate Mk. 050. Zusammen Mt. 10,435.21. Ausgeaeben wurden für Unterstützungen: An hiesige Arme Mk. 2742, für Mazzos an hiesige Arme Mk. 059.04. an auswärtige Arme Mk. 728.60, für Beerdigungskosten Mk. 1813.90, Gedächtnißlichter Mk. 128.50, Gehälter Mk. 2200, Regie Mk. 554.91, Talmud Tbora Mk. 137, Matnos Jad 278, Beitrag an den Verband israekit. Wohlthätigkeitsvereine 150 Mark, an das Jsr. Schwesterheim Mk. 250, zusammen Ml. 9641.59. Das Vereinsvermögen ist in Effekten angelegt, die einen Nominalwert!) von Mk. 49,100 aufweisen. Im Ausschuß sind thätig die Herren Moriz Feuchtwanger, Vorstand, Isidor Neuburger, Caffier, Josef Spanier, Schriftführer. Beisitzer sind die Herren Max Wolt, Mar Guggenbeimer und Lazarus Marx. Italien. Nom, im März. In Italien ist wieder ein Jude zum Finanzminister ernannt worden, und zwar der Abgeordnete Leo Wollemberg, der noch dazu deutscher Abkunft ist. Derselbe ist als der Begründer der ländlichen Hilfskassen in Italien ein sehr angesehener Manu: durch seine Bekämpfung der finanziellen Mißstände, die seiner Zeit den Krach der Banca Romana hervorgerufen haben, ist er auch ein populärer Mann geworden. Er gehört der Fortschrittspartei an und hat stch als ein echter Patriot, als ein begabter und zuverlässiger Politiker erwiesen. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß der junge König von Italien dem Beispiel seines edlen Vaters folgt, und seine Berather ohne Rücksicht auf das Glaubensbekenntniß und den Parteiunterschied auswählt.

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