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Der Israelit · 1901-03-21 · Heft 23 (21.3.1901) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 23 (21.3.1901)
Date
1901-03-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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530 Verein schriftliche Begrüßungen und Begründungen der Verhinderung dieser Herren zur Theilnahme eingelaufen. Außerdem liefen noch während des Festes von auswärtigen Freunden des Vereins telegraphische Svmpathiebezeugungen ein. Die Feier begann mit dem Maariw-Gebet, an 'welches sich die eigentliche Siumfeier anschloß, bei welcher Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Lipschütz die von den Herren I. Leyser, Dr. Bleichrode und Ludwig Behr verlesenen ersten Sähe des ersten Buches Mosis, Schluß desselben Buches und Beginn des zweiten Buches an Hand der einschlägigen Raschi-Stellen in längerem geistvollen Vortrage erläuterte, dem die Anwesenden mit Entzücken lauschten. Daraus begann das Festessen, bei welchem zunächst der Vorsitzende, Herr S. Mokrauer, die erschienenen Ehrengäste und Gäste herzlich willkommen hieß und unter Anlehnung an Thora- und Talmud-Stellen den Werth der heutigen Feier beleuchtete und vor allen Dingen der erschienenen Damenwelt gedachte und sich freute, daß auch diese ein gleiches Interesse für die ernste Sache habe. Der in blumenreicher Sprache gehaltene Vortrag des Herrn Mokrauer wurde beifällig ausgenommen. Daraus nahm Herr Professor Dr. Barth das Wort, um seiner Freude Ausdruck zu geben, daß ein lediglich aus .Kaufleuten bestehender Verein in Berlin derartigen Tendenzen huldigte. Er feierte dann den Lehrer dieses Vereins, Herrn Dr. Lipschütz, dem er ein Hoch ausbrachte. Die Rede war, wie es ja der geschätzte Redner voraussetzen ließ, durch Anlehnung an den gestrigen Wochenabschnitt mit geistreichen Auslegungen einschlägiger Bibelstellen durchsetzt. Der folgende Redner war Herr Ludwig Vehr, der erklärte, daß die Anerkennung, die Herr Prof. Dr. Barth dem beim Raschi-Verein tbeilnehmenden Kaufmannsstande zollte, weniger den Theilnehmern zu Gute käme, al?' vielmehr der entzückenden Art des Vortrages seitens des Herrn Dr. Lipschütz. bei dem Mikre, Mischnab und Gemarab zu einem Ehut Hamschulosch, dreifach geschlungenen Faden würde, der uns iiumer wieder von neuem mit dem Studium verknüpfe. Redner theilte mit, daß er einen ehrenvollen Auftrag seitens des Vereins zu erfüllen habe, indem er dem Lehrer und Raw den Dank des Vereins abzustatten habe für seine aufovferungsvolle Thätigkeit im Interesse der Sache. Der Verein habe daher beschlossen, sich selbst dadurch zu ehren, daß er den Herrn Rabbiner Dr. Lipschütz zum Ehrenvorsitzenden ernenne. Redner verlas die hierüber aufgesetzte hebräische Urkunde und auch deren deutsche Nebertragung. Der Verein beabsichtige damit, den Namen Lipschütz auf ewige Zeiten mit seinen Bestrebungen zu verknüvfen. Der Rame soll für den Verein ein Programm bedeuten: das Programm des Festhaltens an der Ausübung der Lehre. Mit dem Gelöbniß, treu festzuhalten an der Tendenz des Vereins und den Wünschen, daß Herr Dr. Lipschütz in voller Körperkraft an der Seite seines Biederweibes noch lange Jahre zum Segen des Vereins und zum Segen der Gemeinde wirken möge, schloß ein mit Begeisterung ausgebrachtes und mit Begeisterung aufgenommenes Hoch auf Herrn Dr. Lipschütz die wirkungsvolle Rede, ivelche sowohl bei dem Gefeierten, wie auch bei sämmtlichen Zuhörern tiefe Bewegung hervorrrief. Dr. Lipschütz, der im Laufe des Abends noch wiederholt das Wort ergriff, gedachte in seiner Erwiederung aller Theilnehmer, sowie aller guten Menschen, gedachte des Kaisers, den ein gütiges Geschick so gnädig beschirmt hätte und schloß mit einem Hoch. Darauf sprachen die Herren Reinhardt und Jaffe als Vertreter einer Deputation der Lipmann-Tauß- Spnagoge, worauf der Vorsitzende, Herr Mokrauer, dicke stierte. Herr Garbatti sprach im Aufträge des Wohlthätigkeitsvereins „Mathilde-Caro" und überbrachte den Ausdruck der Svmpathie seitens dieses Vereins. Der Raschi-Verein bilde eine Ergänzung zu dem Synagogen- und Wohlthätigkeitsverein in Gemäßheit des Wortes unserer Weisen, daß die Welt auf Thauro, Awaudoh und Gemillus Chassodim beruhe. Er schloß auch mit einem Hoch auf den Lehrer des Raschi-Vereins, Herrn Dr. Lipschütz. Die schönen Worte des Herrn Garbatti nöthigten Herrn Ludwig Behr nochmals, das Wort zu ergreifen und in seinen Ausfiihrungen speciell die Menschenliebe zu feiern. In einer Zeit, wie der heutigen, wo man sich bemühe, durch Erfindungen den Menschen in denkbar schnellster Zeit seinen! Mitmenschen körperlich nahezubringen, wo man vermittelst der Telegraphie mit und ohne Draht das Wort des Bruders von einem Ende der Erde zum andern fliegen läßt, in dieser Zeit fei immer noch nicht die Erfindung gemacht, das Herz des Menschen zum Herzen seines Bruders zu bringen, die Erfindung der Menschenliebe. Wenn wir Juden auch von fremder Seite manche Unbill erfahren, wir hörten doch nicht auf, treu zu unseren Idealen zu stehen und ließen nicht ab von der Bethätigung wahrer Menschenliebe. Als Verein, der diesen Tendenzen huldige, schilderte Redner dann den Frauenverein Mathilde- Earo. Mit einem Hoch auf dessen vortreffliche Vorsitzende, Frau Doris Lichtenstein und sämmtliche Mitglieder des Vereins schloß Redner seine Ausführungen. Hierauf ergriff Herr Dr. Bleichrode das Wort, um in Anlehnung an den gestern verlesenen Wochenabschniit diejenigen Kaufleute zu feiern, die es sich nicht genügen stin lassen, nur nach Geld und Gütern zu haschen, sondern auch die idealen Güter der Menschheit zu fördern sich bestreben. Der Redner drückte dem Raschi-Verein seinen Dank aus für die heutige Veranstaltung und schloß mit einem Hoch auf den Verein, seinen Vorstand und den ersten Vorsitzenden, Herrn Mokrauer. Hierauf nahm Herr Dr. Baneth das Wort, um in seiner geistreichen, von religiöser Ueberzeugung

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