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Der Israelit · 1901-03-21 · Heft 23 (21.3.1901) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
42 (1901)
Issue
Heft 23 (21.3.1901)
Date
1901-03-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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529 am Anfang des Kapitels zum Ueberfluß noch besonders hervorgehoben wird, nach Grätz im Jahre 160 geboren wurde, so wäre er 161 beim Tode seines Vaters ein Knabe von 10 bis 11 Jahren gewesen. Sehr instruktiv zum Verständniß der modernen Geschichtsbauerei ist den Gründen nachzugehen, warum R. Simon ben Gamliel Anfang der sechziger Jahre des zweiten Jahrhunderts sterben mußte. Sota 49b heißt es man nctrc. Nach dem Tode R. Simon ben Gamliel's verdoppelten sich die Leiden. Was ist hier gemeint? Grätz erinnert sich an die Gemara Meila 17, wo erzählt wird, daß einst die Römer Religionsedikte erließen, durch welche die Sabbatruhe, Beschneidung und Befolgung der Ehegesetze verboten wurden. R. Reuben b. Aristobolos verkleidete sich als Römer und suchte durch diplomatische Reden in der Rathsversammlung die Zurücknahme der Edikte zu bewirken. Man erkannte ihn als Juden und er wurde hingerichtet. Dann schickte man den R. Simon ben Jochai, dem es auf wunderbare Weise gelang, die Römer umzustimmen und die Zurücknahme der Edikte zu bewirken. Die in Meila genannten Religionsedikte verursachten nach Grätz die Leiden, die nach dem Tode R. Simon b. Gamliel eintraten. Der Tyrann, der diese Edikte erließ, war Lucius Verus, der Mitkaiser Marc Aurels, zu dem, als bekanntem Wüstling, das Verbot der Beachtung der Ehegesetze gut paffen soll. Auch der Kaiser, der den R. Simon b. Jochai wegen seinen römerfeindlichen Aeußerungen mrt Hinrichtung bedrohen ließ und dessen Tod den Sohn Jochai's aus seinem Versteck in der Höhle befreite, war Lucius Verus. Da Verus vor 161 bis 169, seinem Todesjahr, im Orient weilte, so blieb R. Sinwn diese Zeit über in seinem Versteck. Daß Sabbat 33b dafür 12 Jahre angegeben werden, darf bei der sonstigen Schönheit der Hypothese nicht berücksichtigt werden. Als Luc. Verus gestorben war, wurde sofort der aus seinem Höhlenversteck befreite R. Simon b. Jochai nach Rom geschickt, und er vollbrachte, was R. Reuben b. Aristobolos durch seine List nicht hatte erreichen können. Die Constatirung, daß nach dem Tode R. Simon b. Gamliels unter dem Patriarchat Rabbis Religionsedikte erlaffen wurden und R. Simon b. Jochai flüchten mußte, ist unserm Geschichtsforscher sehr wichtig; denn dann hat R. Scherira Gaon Unrecht, der die Zeit des Patriarchats Rabbis in seinem Sendschreiben als eine glückliche hinstellt. Rabbi kann dann auch nicht mit dem römischen Kaiser freundschaftlich verkehrt haben und die Freundschaft mit einem Antonin hat dann der mit dem Großvater gleichnamige Enkel R. Juda Nesia gepflegt. Außerdem wissen wir jetzt, daß R. Simon b. Jochai während des Patriarchats Rabbi's blühte und begrüßen in ihm einen der Rathgeber Rabbi's bei Ordnung der Mischna. Jeder Einsichtige erkennt in dieser willkürlichen Combination ein Kartenhaus, vielleicht ein recht schönes Kartenhaus. Herr Halevy schlägt all dem gegenüber die bekannte Gemara Baba Mezia 84b auf, wo wir Rabbi mit R. Eliesar, Sohn des R. Simon b. Jochai, vor R. Simon b. Gamliel und R. Josua b. Korcha sitzen sehen und wo die Auszeichnung Rabbi's, um ihn den Gefahren des Neides nicht auszusetzen, rückgängig gemacht wird. R. Josua b. Korcha fragt dann, als man den Sohn des R. Simon ben Jochai nicht so fürsorglich behandelt: „Soll denn derjenige, welcher noch einen Vater hat, leben; wer aber keinen Vater mehr hat, sterben?" Ein unerschütterliches Zeugniß dafür, daß Rabbi Simon ben Gamliel den Rabbi Simon ben Jochai überlebte. Rabbi kann also die Schule des Rabbi Simon b. Jochai in Tkoa nicht als Patriarch ausgesucht haben, als der große Augenblick der Redaktion der Mischna gekommen war. R. Simon ben Jochai kann nicht unter dem Patriarchat Rabbi's in der Höhle gesessen haben, kann auch damals nicht nach Rom gegangen sein. Das Weitere sage man sich selbst. Das Kartenhaus muß nicht erst umgeblasen werden, denn jede Grundlage verschwindet, auf der es überhaupt hätte errichtet werden können. Sapienti sat Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 17. März. In der heutigen Sitzung der Repräsentanten wurde der Gemeindehaushalts-Etat pro 1901-1902 berathen. Da ein Theil der Berathung in geheimer Sitzung stattfand, so werden wir noch später darauf zurückkommen. Zum Vorsteher-Stellvertreter wurde Herr Landgerichtsrath Löwe gewählt, eine Wahl, die mit großer Freude begrüßt werden muß, da Herr Löwe nicht nur ein tüchtiger Jurist, sondern auch ein trefflicher Arbeiter ist. Als zeitiges Mitglied der Repräsentantenversammlung war er in den verschiedensten Kommissionen thätig und hat überall eine hervorragende Begabung gezeigt. E. R. Berlin, 17. März. Am 10. März hielt der hiesige „Raschi-Verein" seine erste Siumfeier ab, welche sich als eine wohlgelungene Kundgebung für das Studium der Thora entwickelte und auf die recht zahlreich erschienenen Gäste und Ehrengäste den günstigsten Eindruck machte und bei ihnen eine angenehme Erinnerung hinterließ. Von Ehrengästen waren u. a. erschienen: Herr Prof. Dr. Barth, Docent am Rabbiner-Seminar, Rabbiner Dr. Baneth, Docent an der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums, Rabbiner Dr. M. Hildesheimer von der Adaß-Jißroel, Herr Prediger Dr. Vleicherode von der Achawas-Reim- Gemeinde. Von Herrn Rabbiner Dr. Eschelbacher lief zum Feste eine briefliche Begrüßung ein, während Herr Dr. Königsberger aus Pieschen einen telegraphischen Gruß in hebräischer Sprache übersandte. Von einer Reihe weiterer Capacitäten der jüdischen Wissenschaften in Berlin waren schon vorher beim

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